Emden - Instagram, TikTok, Facebook und Twitch: Die Auswahl von Live-Streaming-Plattformen ist riesig. Sich auf eine zu spezialisieren und damit auch noch erfolgreich zu werden, ist alles andere als einfach. Die Emderin Silvana Schmidt und ihre Tochter Alessia haben es aber geschafft. Ihr TikTok-Kanal hat mittlerweile über 180 000 Follower. Dort begeistern sie ihre Community mit lustigen und unterhaltsamen Tanzvideos. Für die 200 000er Marke haben die Beiden einen ganz besonderen Wunsch.

Alessia, wie findet du es, dass deine Mutter mit dir Videos dreht?

Anfangs war es mir etwas peinlich, da ich auch in der Schule oft auf meine Mama angesprochen wurde. Aber auch nur, weil meine beste Freundin das direkt allen erzählt hat, dass wir das machen.

Mittlerweile finde ich es aber schon sehr gut und ich bin froh eine so coole Mama zu haben. Ich glaube, dass nicht jede Mutter das mit einem machen würde. Inzwischen haben wir an der Schule sogar richtig viele Fans, die meine Mutter komplett feiern. Die warten quasi auf Pullover und T-Shirts von ihr. (lacht)

Das ist sicher schön zu hören, oder Silvana? Ist das Verhältnis zu Deiner Tochter dadurch stärker geworden?

Meine Tochter und ich waren schon immer unzertrennlich. Aber ja, ich denke, dass unser Verhältnis dadurch noch besser geworden ist und uns das gemeinsame Produzieren von Videos für unseren Kanal noch enger zusammen geschweißt hat.

Seit wann macht Ihr TikTok- Videos und warum?

Die Idee ist uns 2020 gekommen. Seit September sind wir nun nahezu täglich damit beschäftigt, die Videos zu machen. Erst war mir gar nicht so wirklich klar, was TikTok überhaupt ist, bis meine Tochter es mir einmal gezeigt hatte. Ich war direkt davon begeistert. Vor allem der Gedanke, gemeinsam mit meiner Tochter eine Art „Hobby“ aufzubauen, gefiel mir besonders.

Wie lange dauert es ungefähr, so ein Video fertigzustellen?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Es kommt immer darauf an, was für ein Video geplant ist. Manchmal brauchen wir nur fünf Minuten, manchmal auch mehrere Stunden. Das hängt voll und ganz von den jeweiligen Choreographien ab. Wir lieben es außerdem die Videos draußen an der Luft zu drehen. Da muss dann natürlich auch das Wetter mitspielen. Was auch richtig toll ist, ist zu sehen, dass unsere eigenen Choreographien, die sich vor allem Alessia ausdenkt, von anderen „TikTokern“ nachgemacht werden. Mittlerweile gibt es sogar schon Seiten, die Fans für und über uns gemacht haben. Das ist verrückt.

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Wie wirkt sich das „Hobby“ denn finanziell aus? Verdient Ihr damit schon Geld?

Es ist nun nicht so, dass wir alleine davon leben können. Aber der eine oder andere Euro springt dabei natürlich schon heraus. Es ist bei TikTok so, dass die Produzenten ab 10 000 Followern in einen Fond kommen, der jährlich ausgeschüttet wird. Damit werden die Produzenten unterstützt. Außerdem haben die Fans auch die Möglichkeit, uns Spenden zu schicken. Das geschieht während einer Liveübertragung.

Letzten Endes zählen für das Geldverdienen aber nur die Klicks auf das eigene Video. Wenn es irgendwann so ist, dass wir davon leben können, ist das natürlich schön. Aber an sich geht es mir darum, Spaß zu haben und andere Frauen zu motivieren. Denn es ist völlig egal, wie alt sie sind. Schließlich sind auch wir im Herzen teilweise noch ein Kind.

Mit steigender Bekanntheit, steigt normalerweise auch das Interesse von Unternehmen. Habt Ihr schon Anfragen für eine Kooperation bekommen?

Ja, tatsächlich. Mich haben schon einige Firmen angefragt, ob ich nicht eventuell Produktwerbung für sie machen könne. Allerdings habe ich dazu eine ganz klare Meinung: Ich muss mich selbst mit den Produkten identifizieren können. Schließlich mache ich diese TikTok-Videos, um für Jugendliche und Mütter ein Vorbild zu sein. Dann passt es nicht, wenn ich irgendwelche Getränke-Pulver bewerbe, die ich selbst überhaupt nicht trinken würde. Wenn es nicht passt, dann passt es eben nicht.

Mit dem Dasein als Influencer wächst eben auch die Verantwortung. Auch gegenüber der Jugendlichen. Würdest Du sagen, dass Kinder TikTok nutzen sollten?

Also ich würde sagen, macht es oder macht es nicht. Grundsätzlich ist sicherlich wichtig zu wissen, dass TikTok erst ab zwölf Jahren erlaubt ist. Deshalb kommt es auch immer darauf an, wie labil eine Person ist und wie diese mit eventuellen Hasskommentaren umgeht. Denn diese gibt leider gerade auf Social Media immer wieder. Ich, als erwachsene Person, weiß somit sicherlich besser, dass man solche Kommentare einfach ignorieren sollte, was für jüngere Menschen womöglich öfter ein Problem darstellt.

Ich selbst versuche meine Kinder natürlich zu schützen. Deshalb erlaube ich es ihnen, solche Videos nur unter meiner Aufsicht zu drehen und zu veröffentlichen. Ich rate deshalb, bei solchen Plattformen wie TikTok immer, dass eine erwachsene Person diese Seite gemeinsam mit seinem Kind leitet. So kann man seine Kinder vor Gefahren schützen.

Wenn sie dann alt genug sind, müssen sie es im Endeffekt selbst entscheiden. Wir alle wissen, dass unsere Kinder sowieso einen Weg finden, um diese Kanäle zu nutzen (Alessia lacht). Deshalb haben wir hier ein gesundes Mittelmaß gefunden. Wenn wir beispielsweise Livegehen, dann gibt es hier und da mal einen Tritt unter dem Tisch, wenn Alessia nicht so recht weiß, was sie auf einen der dämlichen Kommentare antworten soll. Das signalisiert dann: Lass es, das bringt nichts.