Emden - Das Tourismus-Vorhaben „Wasserwandern mit Muskelkraft“ wird vorerst nicht verwirklicht. Das hat die Stadt Emden am Montagabend bekanntgegeben. Ursprünglich sollten die geplanten Gebäude und Steganlagen des Projektes bereits in Bau sein. Nun wird frühestens 2023 mit den Arbeiten begonnen.

Grund für die Verschiebung: Das benötigte Baumaterial ist so teuer geworden, dass der beschlossene Kostenrahmen weit überschritten würde. Außerdem gibt es Lieferengpässe. Schließlich sei eine verlässliche Kostenschätzung zur Zeit nicht möglich, so Stadt-Pressesprecher Eduard Dinkela gestern.

Angesichts dieser Probleme erschien den Beteiligten eine Fertigstellung innerhalb der gesetzten Frist – bis Oktober 2022 – als unmöglich. Eine Fristverletzung hätte schlimmstenfalls dazu geführt, dass die landeseigene NBank das Vorhaben nicht mit der Europäischen Union abrechnen kann. Die NBank wollte 75 Prozent der Kosten übernehmen. Sie hätte dabei auch auf EU-Mittel zurückgegriffen. Die laufende Förderperiode der EU endet Ende 2022.

In der vergangenen Woche hatte der Landkreis Aurich auf Anfrage dieser Zeitung bereits auf die Probleme hingewiesen (wir berichteten). Der Landkreis betreut die Finanzierung des Gemeinschaftsprojektes mehrerer ostfriesischer Kommunen und eines Sportvereines federführend.

Gespräche mit der NBank führten schließlich zu der Vertagung. Jetzt will man mit dem Tourismusvorhaben in die nächste Förderperiode der Europäischen Union, die am 1. Januar 2023 beginnt. Die notwendigen Anträge sollen im vierten Quartal 2022 eingereicht werden. Stadtsprecher Dinkela: „Bis dahin haben sich hoffentlich die Bau- und Materialkostenausschläge beruhigt.“

Für die Kooperationspartner dürfte die Verschiebung die beste Lösung sein – auch wenn die Verwirklichung des Vorhabens höchstwahrscheinlich trotzdem deutlich teurer werden wird und sämtliche Beschlüsse erneut gefasst werden müssen. Hätte die NBank jetzt mehr Geld zur Verfügung gestellt, hätten auch die übrigen Kooperationspartner in kürzester Zeit mehr Geld locker machen müssen. Vor allem die Stadt Emden und der Emder Ruderverein (ERV) wären betroffen gewesen. Das auf dem ERV-Gelände geplante sogenannte Wassersportzentrum hätte nach alter Kalkulation rund 545 000 Euro gekostet. Je 12,5 Prozent hätten Stadt und Verein tragen müssen – 68 000 Euro für jeden. Drastische Aufschläge auf diese beachtlichen Beträge hätten beide Seiten vor Probleme gestellt.

Insgesamt waren für das Projekt „Wasserwandern mit Muskelkraft“ 857 000 Euro veranschlagt worden; 642 000 Euro hätte die NBank übernommen.

Alf Hitschke
Alf Hitschke Emder Zeitung