Emden - Spürbar weniger Kunden, Umsatzeinbußen von bis zu 20 Prozent sowie kritische Stimmen aus dem Kreis der Stammkundschaft – das beklagen jetzt die ersten Geschäftsleute im Umfeld der probeweise zu einer „unechten“ Einbahnstraße erklärten Friedrich-Ebert-Straße. So wie Fleischermeister Ahlerich Stöhr, dessen Geschäft in der angrenzenden Mühlenstraße den groß angelegten Verkehrsversuch bereits negativ zu spüren bekommen hat. Aber auch Bäckermeister Bart Sikken und Imbiss-Besitzer Detlev Haase sowie Kiosk-Betreiberin Anja Olthoff berichten von spürbar weniger Kunden und entsprechenden Einnahmeverlusten. Sie alle fordern die Stadtverwaltung deshalb auf, ihre Sorgen und Bedenken bei der Auswertung des Verkehrsexperiments zu berücksichtigen.
„Unsere Kundschaft kommt ja nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern unter anderem auch aus Uphusen und Wolthusen“, sagte Ahlerich Stöhr im Gespräch mit dieser Zeitung. Und die würden sich inzwischen zunehmend über den mühsamen Anfahrtweg beklagen – oder sie bleiben gleich weg. „Seit der Verkehr aus Richtung der Neuen Kirche nicht mehr fließt, ist bei uns die Zahl der Kunden zurückgegangen.“ Der Umweg über die Brückstraße, die Straße Hinter der Halle, die Faldernstraße und die Friedrich-Ebert-Straße ist vielen zu mühsam, hat Stöhr erfahren. Zudem ist es für den Fleischer selbst schwierig, auch kleine Lieferungen an die Kunden durchzuführen. „Wenn ich die doppelte Zeit brauche, rechnet sich das nicht mehr.“
„Ich habe das so deutlich nicht erwartet“, sagte Bart Sikken am Telefon. Seine Filiale an der Ecke Friedrich-Ebert-Straße/Am Herrentor verzeichnete bereits in den ersten Tagen der neuen Verkehrsführung einen Umsatzrückgang von 20 Prozent. „Uns fehlt einfach eine Richtung in der Friedrich-Ebert-Straße.“ Sikken hofft, dass das in das Monitoring der Verwaltung berücksichtigt wird. Wie seine Kollegen ist auch er nicht grundsätzlich gegen einen Verkehrsversuch, dabei müssten aber nicht nur die Belange der Anwohner, sondern auch die der Geschäftsleute Berücksichtigung finden.
Das ist auch Anja Olthoff wichtig, die ihren Kiosk vor 15 Jahren von ihren Eltern übernommen hat. „Vom ersten Tag des Versuchs lief der Kiosk schlechter. Ihr fehlen bereits Kunden, die auf dem Weg zur Arbeit im Süden der Stadt das eine oder andere bei ihr gekauft haben. „Ich verliere jeden Tag ein paar Hundert Euro.“ Für sie wäre es wichtig, dass möglichst schnell nach einer anderen Lösung für den Verkehr in der Friedrich-Ebert-Straße gesucht wird. Corona habe ihr schon zu schaffen gemacht, aber jetzt sei es noch schlimmer, so Anja Olthoff.
Fleischer Stöhr, der in seinem Traditionsgeschäft aus dem Jahr 1929 derzeit 13 Mitarbeiter beschäftigt, hat das alles schon mehrfach mitgemacht. Bereits bei der Sanierung und Umgestaltung der Mühlenstraße vor etlichen Jahren musste er mit finanziellen Einbußen zurechtkommen. Ähnlich war es Jahre später bei der Sanierung des Roten Siels, als die Friedrich-Ebert-Straße über längere Zeit zur Sackgasse wurde. „Es ist ja nicht so, dass nach einer Sperrung alles plötzlich wieder gut ist“, sagte Stöhr. Das Kundenverhalten sei sehr unterschiedlich: Wer einmal weg ist, der kommt so schnell nicht wieder. Deshalb: „Der Versuch in der Friedrich-Ebert-Straße sollte aus meiner Sicht wirklich nicht allzu lange dauern.“
