Emden - Erstmals ist in Emden ein Kranz für die 113 Soldatinnen und Soldaten am Ehrenmal auf dem Friedhof Tholenswehr niedergelegt worden, die seit 1992 bei Einsätzen der Bundeswehr ums Leben gekommen sind. Den Anstoß dazu hatte Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) gegeben. „Nehmen wir das Gedenken an diesem Tag in diesem Jahr zum Anlass, uns künftig geschlossen und überzeugt an die Seite unserer Soldatinnen und Soldaten zu stellen, die auch in Zukunft in den Brennpunkten der Welt ihr Leben einsetzen werden“, sagte Kruithoff während der Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag in der Trauerhalle.
Er unterstrich den „Friedensdienst“ der Bundeswehr: „Sie (die Soldaten) setzen ihr Leben ein, um Menschen in Not vor Verfolgung, Misshandlung und Tod zu bewahren.“ Sie trügen dafür Sorge, dass diese Welt „vielleicht doch irgendwann eine bessere und friedvollere“ werden könne. Als „Schande für unser Land“ empfand Kruithoff den Empfang der Soldatinnen und Soldaten nach dem überstürzten Abzug aus Afghanistan. „Das hat mich tief beschämt“, sagte er. Es sei auch ein deutliches Zeichen dafür gewesen, dass die Bundeswehr „eben nicht mehr dort ist, wo sie eigentlich hingehört – in die Mitte unserer Gesellschaft und in die Herzen der Menschen unseres Landes“. Dies müsse geändert werden.
Eine durchaus gewagte Rede und ein Bekenntnis, das nicht alle der etwa 80 Teilnehmer der Gedenkveranstaltung guthießen. Doch Kruithoff verwies auch – wenngleich weniger umfangreich – auf die „Skandale und Pannen“ in der Bundeswehr und auf die „extremistischen Tendenzen innerhalb der Streitkräfte“. Auf seine Initiative hin wird auch der in Emden bestatteten Zwangsarbeiter aus der Zeit der Nationalsozialisten eine besondere Ehre zuteil. Links und rechts in der Allee zum Ehrenmahl liegen diese Gräber. Alle Teilnehmer der Gedenkveranstaltung bekamen eine weiße Rose, um diese auf den Gräbern, auf denen Lichter brannten, niederzulegen.
Zwei Schüler des Max Windmüller Gymnasiums, Reiko Miege und Laura Oldewurtel, erinnerten an Emder Juden, die im Ersten Weltkrieg gedient haben und fielen, und an diejenigen, die sich voller Patriotismus für ihr Land einsetzten, dessen gewählte Regierung sie ab 1933 nicht selten bis zur Ermordung verfolgte.
Der Volkstrauertag wurde durch den 1919 gegründeten Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt. Nicht „befohlene“ Trauer war das Motiv, sondern das Setzen eines nicht übersehbaren Zeichens der Solidarität derjenigen, die keinen Verlust zu beklagen hatten, mit den Hinterbliebenen der Gefallenen.
Die erste offizielle Feierstunde Die erste offizielle Feierstunde fand 1922 im Deutschen Reichstag in Berlin statt. Der damalige Reichstagspräsident Paul Löbe (SPD) hielt eine im In- und Ausland vielbeachtete Rede, in der er einer feindseligen Umwelt den Gedanken an Versöhnung und Verständigung gegenüberstellte.
1934 bestimmten die nationalsozialistischen Machthaber durch ein Gesetz den Volkstrauertag zum Staatsfeiertag und benannten ihn „Heldengedenktag“. Die Träger waren bis 1945 die Wehrmacht und die NSDAP.
Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde der Volkstrauertag erneut vom Volksbund eingeführt und 1950 erstmals neben vielen regionalen Veranstaltungen mit einer Feierstunde im Plenarsaal des Deutschen Bundestages begangen.
Der Volksbund versteht diesen Gedenktag auch mit zunehmendem Abstand vom Krieg als einen Tag der Trauer. Der Volkstrauertag ist aber auch zu einem Tag der Mahnung zu Versöhnung, Verständigung und Frieden geworden.
Vertreter der Schützen, der Feuerwehr, von Rat und Verwaltung, der Streitkräfte, des Volksbundes, des Zolls, der Polizei und anderer Vereinigungen waren zur Gedenkveranstaltung gekommen. Auch einige Privatleute, wie die beiden ehemaligen Oberbürgermeister Bernd Bornemann und Alwin Brinkmann, waren dabei. Oberstleutnant Jörg Grund vom Kreisverbindungskommando sprach das Totengedenken. Die musische Akademie umrahmte die Veranstaltung musikalisch.
