Emden - Über ein Jahr Corona-Pandemie, seit gut fünf Monaten gelten die Regeln des zweiten Lockdowns: Für viele Unternehmen in fast allen Branchen wird die Lage immer schwieriger. Wir fragen Geschäftsleute, wie es um ihre Firma steht. Heute: Seyithan Aldemir – Schnellimbiss „Döner King“, Emden, Neutorstraße 59.

Was bedeutet der lange zweite Lockdown für Sie?

„Wir haben wesentlich weniger zu tun, seit die meisten Geschäfte in der Innenstadt dicht sind. Dadurch kommen viel weniger Kunden – die Bewegung in der Stadt ist nicht da. Die Kurzarbeit spielt auch eine große Rolle. Manche Stammkunden kamen vor Corona drei bis vier Mal die Woche, jetzt sehen wir sie vielleicht alle zehn Tage. Die Menschen sind sparsamer geworden. Ich habe mir trotzdem vorgenommen, für meine Kunden weiter da zu sein. Deshalb sind auch die Öffnungszeiten unverändert geblieben.“

Was läuft schlecht?

„Unser Umsatz ist stark zurückgegangen. Zwei meiner Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Dazu kommt, dass man nicht weiß, was an einem Tag auf einen zukommen wird. Mal hast du was zu tun, mal nichts. Dann stehe ich hier den ganzen Tag im Laden und verkaufe kaum etwas. Die Fixkosten laufen natürlich weiter. Ware, Strom, Gas: Das muss alles weiter bezahlt werden. Ich kann ja schlecht den Ofen ausmachen – bestellt dann doch jemand, dauert es viel zu lange, den wieder auf Temperatur zu bringen. Die staatlichen Hilfen kamen für uns nicht in Frage, weil wir nur 10 bis 15 Prozent unseres Umsatzes mit Speisen machen, die hier bei uns gegessen werden. Und die neue Förderung für dieses Jahr deckt nur einen Teil der Fixkosten. Unser Antrag läuft noch.“

Was läuft gut?

„Wenn man überhaupt von „gut“ reden kann, dann ist es die Tatsache, dass Geschäfte wie unseres weiterarbeiten dürfen. Wir können außer Haus verkaufen und liefern. Dafür bin ich dankbar, denn so kann ich wenigstens die festen Kosten einigermaßen decken.“

Wie lange halten Sie noch durch?

„Ich hoffe, lange. ,Döner King’ wurde vor 17 Jahren eröffnet, seit 11 Jahren sind wir jetzt an diesem Standort. Wir haben viele Stammkunden, auch deshalb kommt Aufgeben nicht infrage. Ich bin keiner, der jammert. Man muss abwarten, wie sich die Lage entwickelt. Auf jeden Fall sind wir weiter täglich zu den gewohnten Öffnungszeiten für unsere Kunden da, auch wenn der Laden an manchen Tagen, wie gesagt, ziemlich leer sein wird.“

Von den Modellkommune-Lockerungsmaßnahmen, die Emden vom 12. April an anwenden will, hat der 42-jährige Emder Unternehmer nichts: Zum einen befindet sich sein Imbiss weit außerhalb des Geltungsbereiches. Zum anderen hat Seyithan Aldemir nicht die Möglichkeit, draußen Tische und Stühle aufzustellen und damit die Lockerungen für die sogenannte „Außengastronimie“ zu nutzen.

Alf Hitschke
Alf Hitschke Emder Zeitung