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Nach dem Lockdown Touristen retten Emder Einzelhandel

Nach dem Lockdown: Touristen bescherten Emder Geschäften in der Innenstadt bessere Umsatzzahlen.

Nach dem Lockdown: Touristen bescherten Emder Geschäften in der Innenstadt bessere Umsatzzahlen.

Emden - Der lange Lockdown hat in diesem Jahr dem örtlichen Einzelhandel ordentlich zugesetzt. Inzwischen haben sich die Umsatzzahlen aber wieder normalisiert, wie eine Umfrage dieser Zeitung unter inhabergeführten Geschäften in Emden ergab. Ausschlaggebend dafür sind allerdings die vielen Touristen, die die Stadt besuchen. Das ist kein neues Phänomen - Emden blüht im Sommer regelmäßig mit seinen Besuchern auf - doch nach den monatelangen Ladenschließungen und widrigen Wiederverkaufsbedingungen machen genau diese Touristen das Geschäft im Handel erst einträglich. Einige Händler berichten sogar von Spitzen-Umsätzen. Damit das auch nach der Urlaubssaison 2021 so bleibt, probieren manche Geschäftsleute auch neue Konzepte. Allen gemein ist, dass sie alles dafür tun, um gegen den Online-Handel zu bestehen. Und eines wollen sie unbedingt vermeiden: einen weiteren Lockdown.

„Sporthaus am Stadtgarten“

Das „Sporthaus Stadtgarten“ hat noch immer mit den Folgen des Lockdowns zu kämpfen. Trotz einer recht guten Sommersaison habe es das kleine Sportbekleidungsgeschäft am Neuen Markt nicht geschafft, die Umsatzeinbußen vom Frühjahr wieder auszugleichen. „Wir können die Zeit einfach nicht mehr aufholen“, sagte Filialleiterin Tanja Krause. Bis das Geschäft wieder zum Laufen kam, hat es auch nach der Öffnung etwas gedauert. Umso wichtiger war die Urlaubssaison. „Urlauber aus Nordrhein-Westfalen sind für uns sehr wichtige Kunden“, sagte Krause. Dass diese mittlerweile wieder abgereist seien, spiegle sich aktuell auch in den Umsätzen wider. Die ungewisse Corona-Lage hat Spuren bei der Filialleitung hinterlassen. Krause: „Ich habe Angst, dass wir wieder schließen müssen und die Kunden erneut hauptsächlich online shoppen.“ Krause und ihre Kollegen versuchen alle Kundenwünsche zu erfüllen, doch so einfach sei das gar nicht. „Wir sind ja keine Kette“, sagte sie. Die Möglichkeiten in der Umsetzung seien also teilweise begrenzt. Für die Zeit bis zur nächsten Urlaubssaison wünscht sich Krause, dass wieder weniger im Internet bestellt wird und die Menschen den Einzelhandel vor Ort unterstützen. „Mir liegt der Laden einfach am Herzen“, sagte die 48-Jährige. Eine Schließung kommt für sie deshalb nicht in Frage.

„Schuhhaus Bockstiegel“

Der lange Lockdown hat auch das Traditionsschuhhaus Bockstiegel in der Neutorstraße schwer zu schaffen gemacht. „Wir mussten leider unser Personal in Kurzarbeit schicken, sonst wäre das alles noch viel schlimmer gekommen“, sagt Geschäftsinhaber Heiko Bockstiegel. Über fünf Monate waren er und seine Frau alleine im Geschäft. Und so einfach war es auch nicht, als die Geschäfte wieder „normal“ öffnen konnten. „Es ist nicht so, dass gleich alles auf Normalmaß hochfährt. Das dauert“, sagt er. Doch mit den Touristen in der Stadt wächst wieder der Umsatz. „Wir sind jetzt schon wieder auf dem Stand vom Vorjahr.“ Der Mittwoch dieser Woche war für das Schuhhaus bisher der beste Tag in diesem Jahr. Ohne die Touristen sehe es aber erheblich düsterer aus. „Das ist ja ganz normal, die haben Zeit und gucken, was es so gibt. Schuhe kauft man ja auch am besten in aller Ruhe. Die muss man anprobieren und der Verkäufer und die Verkäuferin sollten auch den Mut haben, den Kunden entsprechend zu beraten und sagen, wenn ein Schuh nicht zum Kunden passt.“ Vor einem erneuten Lockdown graut es dem Unternehmer: „Das ist alles nicht witzig. Wir hoffen, es geht einigermaßen normal weiter.“ Muss noch einmal zugesperrt werden – und das über Wochen – bleibe nur der „Türverkauf“ und Stammkunden bekommen wieder Schuhe zur Auswahl geliefert.

„Gaby Moden“

Nach dem letzten Lockdown hat das Modegeschäft in der Großen Straße wieder Fahrt aufgenommen. „Meine Stammkunden sind mir treu geblieben. Die haben mich zwischendurch auch mal angerufen“, sagte Gabriele Fischer vom Modegeschäft „Gaby Moden“ in der Großen Straße. Als das Reisen wieder erlaubt war, nahm auch die Laufkundschaft wieder zu. Sie hat in der Urlaubszeit großen Einfluss auf den Umsatz und belebte das tägliche Geschäft erheblich, betonte die Geschäftsfrau. Zwischenzeitlich haben sich die Leute auch an das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes gewöhnt, ergänzte sie. Darüber wurde weniger geschimpft als noch im vergangenen Jahr. Da hatte sie noch oft den Eindruck, dass das Masketragen den einen oder anderen Kunden davon abhielt, die Geschäftsräume zu betreten. Besonders aufgefallen ist ihr, dass in diesem Sommer sehr viele Urlauber aus der Schweiz den Weg in ihr Modegeschäft fanden. Die haben sich sehr stark für die Naturmoden interessiert, die sie verkauft, gab sie an. Für die Zukunft hofft Gaby Fischer, dass es in der vierten Welle der Pandemie zu keinem weiteren Lockdown mehr kommt. „Das wäre eine Katastrophe besonders für die Läden, die sich gerade wieder berappelt haben“. Damit meint Gabriele Fischer vorrangig die kleinen Geschäfte.

„Colours“

Corona-Saison 2021? Für Ahmet Dilki hat die keine negativen Auswirkungen auf sein Bekleidungsgeschäft „Colours“ in der Großen Straße. Das Umsatz-Minus im Lockdown ist längst wieder wettgemacht. „Hauptgrund dafür sind die Urlauber“, sagte der Geschäftsmann. Aber es sei auch durchaus zu spüren, dass viele Emder den Einzelhandel vor Ort stärken wollen. „Viele haben bewusst gewartet und nicht online geshoppt.“Die Umsätze seien bei Colours in diesem Jahr sogar „überraschend gut“, so Dilki. „Alles top.“ Damit das so bleibt, setzt er auf das Einkaufsereignis. „Ich stelle fest, bei mir wird das Einkaufen immer mehr zum Erlebnisshopping.“ Der Kunde geht in den Laden, um ein T-Shirt zu kaufen und entdeckt Neues - so die Idee. Ab März 2022 sogar noch viel mehr Neues, verspricht Dilki. Dann zieht er mit seinem Laden, wie berichtet, innerhalb der Großen Straße nochmals um. Zum Kerngeschäft soll ein weiteres Segment hinzukommen, welches, das will er noch nicht verraten. „Das wird eine Überraschung.“ Um sich darauf konzentrieren zu können, will Dilki allerdings das Second-Hand-Geschäft wieder aufgeben, auch wenn es innerhalb seines Ladens gut läuft. „Das wird zuviel für mich zum Kerngeschäft“, sagte Dilki. „Aber für Kollegen wäre das vielleicht etwas. Der Kunde dafür ist auf jeden Fall da.“

„Der kleine Emder“

Mode für ganz Junge, aber auch Junggebliebene kann beim „Kleinen Emder“ in der Einkaufsstraße Zwischen beiden Märkten erworben werden. Auch hier war der Lockdown eine große Herausforderung. „Wir hier in Emden durften auch nur als allerletzte in der Region, ich glaube sogar in der Republik, öffnen“, sagt Mitinhaberin Dörte Ißleib-Schweikard. Die Durststrecke sei enorm lang gewesen. Einen Online-Shop bietet das Geschäft nicht an. „Aber das braucht auch gar nicht, über Instagram und Facebook läuft das auch so“, sagt die Geschäftsfrau. Allerdings sind die Einnahmen während des Lockdowns drastisch zurückgegangen. Und in keiner Weise vergleichbar mit den Zeiten, in denen normal geöffnet ist. Seit die Urlaubszeit begonnen hat, gehe es stetig bergauf. „Es ist enorm, die Stadt ist voll und es läuft sehr gut“, sagt Ißleib-Schweikard. Unter den Touristen haben sie und ihre Mitstreiterin sogar schon „Stammkunden“ ausgemacht. „Da gibt es einige, die gezielt unseren Laden ansteuern. Das freut uns natürlich.“ Ist die Stadt voll und die Cafés geöffnet, dann seien auch gleich mehr Kunden im Geschäft. Ißleib-Schweikard hofft, dass die neuen Coronaregeln Emden nicht im Herbst noch einmal einen langen Lockdown bescheren. „Ich denke, es ist jetzt gerechter, weil wir ja so eine kleine Stadt sind und vorher wenige Infizierte alles lahmlegen konnten.“

„Fahrrad Oltmanns“

Wie viele andere Bereiche der Wirtschaft, die mit dem Thema Freizeit zu tun haben, hat der Fahrradhandel in den Lockdown-Phasen ein deutlich gestiegenes Kundeninteresse registriert. „Wir haben nicht gerade zu den Verlierern gezählt“ – so beantwortet deshalb auch Jürgen Oltmanns, einer der beiden vertretungsberechtigten Gesellschafter von „Fahrrad Oltmanns“, die Frage, wie sich das Geschäft nach dem Ende der strengen Corona-Auflagen entwickelt hat: Es hatte schon während der heißen Corona-Phasen Fahrt aufgenommen. Natürlich war der Betrieb des Fachgeschäftes in der Großen Straße zeitweise stark eingeschränkt. Aber: „Bei uns ist alles o.k.“, so Oltmanns. Zur Zeit begrüßt das Oltmanns-Team auch viele Touristen in seinen günstig zwischen Bahnhof und Innenstadt gelegenen Räumen: „Es sind viele Radtouristen in Emden, davon profitieren wir schon. Gefragt sind Reparaturen, Ersatzteile und Zubehör wie Radtaschen.“ Oltmanns weiter: „Die Emder Kunden machen Urlaub und sind nicht hier – dafür kommen die Touristen zu uns.“ In Arbeit ist bei „Fahrrad Oltmanns“ ein neuer Online-Shop, der Auskunft über den Lagerbestand gibt. Ein Service für die Kunden, aber auch eine Reaktion auf das umständlichen Verfahren von Beratung und Verkauf während der Lockdowns.

„Sesam“

Die Ferien in Niedersachsen und vor allem Nordrhein-Westfalen haben viele Urlauber in die Stadt gebracht. Das merkt auch ganz besonders Frank Schnorrenberg von „Sesam“ in der Brückstraße. „Die Stadt ist voll mit Touristen und das macht für uns viel aus“, so Schnorrenberg. Das Geschäft habe sich inzwischen wieder einigermaßen normalisiert, auch wenn es natürlich weiterhin gewisse Einschränkungen wie etwa die Maskenpflicht gibt. „Einige Kunden hemmt das noch und für uns ist es natürlich auch nicht schön, wenn man sich nicht richtig sehen kann.“ Grundsätzlich sehe die Situation jedoch gut aus. Mit einer Prognose für das restliche Jahr ist der Emder Einzelhändler jedoch noch vorsichtig. „Ich habe im vergangenen Jahr im Lockdown zweimal gesagt, dass ich denke, dass sich die Situation bessert, und danach ist es eher noch viel schlimmer geworden“, so Schnorrenberg. „Diesmal hoffe ich allerdings wirklich, dass das Schlimmste vorüber ist und wir nicht wieder so eine Situation wie im vergangenen Herbst und Winter bekommen.“ Positiv sei im Vergleich zu damals, dass der Inzidenzwert nun nicht mehr maßgeblich für die Corona-Regeln sind. „Außerdem sind nun viel mehr Leute geimpft, was ich extrem wichtig finde“, sagt Schnorrenberg.

Alf Hitschke
Alf Hitschke Emder Zeitung
Christin Hufer
Christin Hufer Redaktion Wildeshausen
Ute Lipperheide
Ute Lipperheide Emder Zeitung
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Suntke Pendzich Redaktionsleitung, Wilhelmshavener Zeitung
Kornelia Sojka Emder Zeitung
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