Emden - Ausgebremst durch zu viel Modder: Genau solche Aussagen will der Chef der Emder Werft und Dock GmbH, Niels Rehbock, auf keinen Fall hören, wenn es um die Erreichbarkeit der Werft geht. Der Fall des Kreuzfahrtschiffs „Artania“ - sie konnte wegen zu geringen Tiefgangs Emden nicht anlaufen - hat nicht nur die Werft, sondern die gesamte Hafenwirtschaft aufgeschreckt.
„Die Schlickproblematik ist uns ja schon länger bekannt. Jetzt haben wir ein aktuelles Beispiel. Und es zeigt: So geht es nicht. Wir brauchen einen verlässlichen Tiefgang. Alles andere ist kontraproduktiv“, sagte Emdens Hafenförderer Mauritz Brons . Er hofft auf mehr Engagement der landeseigenen Hafenbetreibergesellschaft Niedersachsen Ports (N-Ports). „Aber ich weiß auch, dass es teuer ist, den Tiefgang zu gewährleisten. Dennoch steht der Hafen im Wettbewerb und muss verlässlich erreichbar sein“, sagte Brons.
Werftchef Rehbock sieht ebenfalls den Kostenfaktor, deshalb versucht er, beim Landeswirtschaftsministerium entsprechende Zusagen für mehr Geld für die Unterhaltung der Wassertiefen im Emder Hafen zu bekommen. 4,3 Millionen Euro sind dafür, laut N-Ports, im vergangenen Jahr ausgegeben worden.
Arbeiten auf eigene Kosten
Doch die Antwort macht wenig Hoffnung, dass mehr Geld dafür ausgegeben werden könnte. Das Land zieht sich darauf zurück, dass - wie N-Ports es ebenfalls mitteilte - sich der Liegeplatz für die „Artania“ nicht im regelmäßigen Unterhaltungsgebiet des Emder Hafens befindet. Auch sieht das Ministerium keinen Wettbewerbsnachteil durch den jüngsten Fall: „Aus Sicht des Wirtschaftsministeriums genießt der Seehafen Emden einen sehr guten Ruf - so ist er zum Beispiel Nummer drei in Europa, was den Autoumschlag angeht. EWD hat in letzter Zeit enorm viele Aufträge abgewickelt und so gehen wir davon aus, dass alle Hafenunternehmen bestrebt sind, den guten Ruf des Emder Hafens zu erhalten und weiter auszubauen.“
Der Werft hilft das zunächst nicht. Dort hat man bereits schon auf eigene Kosten entsprechende Arbeiten in den Dockgruben durchgeführt. Das Problem der Altlasten im Schlick sei nicht so erheblich, wie befürchtet, da entsprechende Tiefen nicht mehr erreicht werden, so Rehbock.
Für Frank Wessels, Geschäftsführer der Emder Schlepp-Betrieb GmbH und Vorsitzender des Nautischen Vereins, ist der Handlungsbedarf längst gekommen. „Wir sind in guten Gesprächen, aber die Zeit drängt“, sagte er. Es geht auch ihm um die Wettbewerbsfähigkeit: „Ganz schnell spricht sich so etwas rum, und dann überlegt sich ein Kunde vielleicht zwei Mal, ob er nach Emden kommt.“
N-Ports erklärte ausführlich, warum nicht die entsprechende Tiefe am Liegeplatz vorgehalten wurde. Fazit: „Vorsorglich auf größere Wassertiefen zu unterhalten, ist nicht wirtschaftlich.“
