Ems-Jade - Die Stunde der Gartenvögel, die Zählaktion, zu der der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) aufgerufen hatte, erlebte im Oldenburger Land eine Rekordbeteiligung: Mehr als 1800 Menschen haben das Muttertagswochenende genutzt, um Vögel im Garten, Park oder auf dem Balkon zu zählen. „Die Beteiligung übertrifft alle Erwartungen“, freut sich Oliver Kraatz, Nabu-Geschäftsführer im Oldenburger Land.
„Das verstärkte Interesse an der heimischen Natur durch die Coronakrise und das beunruhigende Blaumeisensterben haben besonders viele Menschen bewegt, mitzumachen“, vermutet Kraatz. In Niedersachsen haben mindestens 14 100 Menschen teilgenommen und damit fast 5000 Menschen mehr als im Vorjahr. Bundesweit haben sich erstmals mehr als 120 000 Vogelfreunde an der Zählung beteiligt. So viele wie noch nie.
Im Mittelpunkt des Interesses stand dieses Mal die Blaumeise. Seit Anfang März waren beim Nabu vermehrt Berichte über kranke und tote Tiere eingegangen. Bis heute registrierte der Naturschutzbund 19 000 Meldungen, die 35 000 verendete Vögel betreffen. Als Ursache wurde inzwischen das Bakterium Suttonella ornithocola identifiziert, das offensichtlich ausschließlich bei Meisenarten im Frühjahr Lungenentzündungen verursacht.
Die in Deutschland bisher einmalige Vogel-Epidemie flaut seit Ende April deutlich ab. „Bundesweit betrachtet, sind 22 Prozent weniger Blaumeisen pro Garten gemeldet worden“, berichtet Oliver Kraatz. „In Niedersachsen liegt der Rückgang mit minus 14 Prozent niedriger, dennoch sind auch hier noch nie so wenige Meldungen pro Garten eingegangen.“
Um herauszufinden, ob der Rückgang wirklich auf das Konto der Epidemie geht, haben die Forscher für jeden Landkreis die Veränderungen der Blaumeisenzahlen mit der Anzahl der Meldungen kranker Meisen korreliert. Es ergab sich ein eindeutiger Zusammenhang: „Je mehr Berichte toter Meisen aus einem Landkreis bei uns ankamen, desto größer waren auch die Bestandsrückgänge“, so Kraatz. „Wir können davon ausgehen, dass ein Rückgang von mindestens etwa vier Prozent gegenüber dem Vorjahr direkt auf das diesjährige Blaumeisensterben zurückzuführen ist.“ Bei einem Gesamtbestand von etwa 7,9 Millionen erwachsenen Blaumeisen, den der jüngste offizielle Bericht zur Lage der Vogelwelt ausweist, wäre das eine Größenordnung von ungefähr 300 000 an der Krankheit verstorbenen Blaumeisen. Im Durchschnitt wurden in Niedersachsen in diesem Jahr innerhalb einer Stunde knapp 33 Vogelindividuen beobachtet, im Oldenburger Land waren es mehr als 31. Die ersten drei Plätze der häufigsten Vögel im Garten bleiben unverändert: Auf Platz eins liegt der Haussperling (durchschnittlich 5 Vögel pro Garten), gefolgt von Amsel (3,31) und Kohlmeise (2,61). Auf Platz vier liegt trotz Rückgangs die Blaumeise (2,07), Platz fünf belegt der Star mit 2,01 Beobachtungen pro Garten. Für alle fünf Arten ist dennoch ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Bundesweit setzt sich die „Top Five“ aus Haussperling, Amsel, Kohlmeise, Star und Feldsperling zusammen. Große Verlierer dieses Jahres sind – sowohl bundes- als auch landesweit – neben der Blaumeise auch der Star und, wie schon in den Vorjahren, der Grünfink. Bei den größten Sorgenkindern unter den Siedlungsvögeln, Mehlschwalbe und Mauersegler, wiederholten sich die katastrophalen Ergebnisse des Vorjahres zum Glück nicht, aber sie sind weiter weit entfernt von früheren Bestandszahlen. Zu den Gewinnern zählen vor allem Ringeltaube und Türkentaube. Auch beim Eichelhäher ist kein Ende des zunehmenden Trends in Sicht.Beobachtungen können noch bis zum 18. Mai gemeldet werden, am besten online.
