Ems-Jade - Egal ob morgens, nachmittags oder abends. Zu Hause, bei der Arbeit oder bei Freunden: Die Ostfriesen finden immer einen Grund für eine Teetied. Das macht sie zu Weltmeistern. Nirgendwo auf der Welt wird mehr Tee getrunken als zwischen Emden und Wittmund. Jeder Ostfriese trinkt im Schnitt 300 Liter im Jahr. Bei so viel heißem Tee muss es doch auch eine gekühlte Variante geben, haben sich Sven Hantke und Hauke Steinigeweg gedacht. Bei einem Kölsch hatten die beiden gebürtigen Ostfriesen die Idee für einen erfrischend herben Eistee aus echtem Ostfriesentee. Seit rund drei Jahren sind sie damit auf dem Markt.

Diese Geschichte hätte sich kein Marketingexperte besser ausdenken können. Doch sie ist kein Werbemärchen, sie ist wahr. Sven Hantke und Hauke Steinigeweg sind nicht nur waschechte Ostfriesen, sondern auch echte Sandkastenfreunde. Die beiden 36-Jährigen leben die ersten Jahre Tür an Tür. Ihre Familien teilen sich in Greetsiel ein Doppelhaus. Die Familien ziehen nach Leer um, landen aber in derselben Straße. Sechs Häuser trennen die Freunde. „Wir haben zusammen im Sandkasten gespielt und Fahrrad fahren gelernt“, erklärt Hauke Steinigeweg die tiefe Verbundenheit. Nach der Grundschule trennen sich ihre Wege, sie gehen auf unterschiedliche Schulen, später verlieren sich beide etwas aus den Augen. In Köln, wo Sven Hantke und Hauke Steinigeweg inzwischen leben, finden sie wieder zusammen. Dort wird auch die Idee zu der Eistee-Spezialität geboren.

„Der Eistee hat eine Revolution erlebt“, sagt Sven Hantke am Telefon. Jeder kenne die völlig übersüßte Variante aus dem Tetrapak. Damit hätten die neuen Sorten, die aus den USA herübergeschwappt sind, nichts zu tun. Die hätten eine ganz andere Qualität. Die, so die Überlegung, sollte es auch aus Ostfriesland geben.

Die Freunde stellen sich in die Küche und probieren. Sie variieren Ziehzeiten, arbeiten mal mit, mal ohne Zucker, testen verschiedene Geschmäcker. In Runde eins probiert die Familie, in Runde zwei die Freunde. Die Probanden erstellen Ranglisten, sagen, was ihnen schmeckt und was nicht. Auch auf einer Grillparty wird die Kreation verkostet. Am Ende steht die erste Variante in der Geschmacksrichtung Zitrone. Ein Klassiker. Bei vielen Getränken wird mit Rhabarber und Holunder experimentiert. Steinigeweg und Hantke wollen das nicht. „Der Ostfriesentee ist ein wertvolles Gut. Wir wollen ihn nicht mit allem möglichen mixen“, erklärt Hauke Steinigeweg. Eines ist den beiden Tüftlern wichtig: Am Ende muss der typische Teegeschmack bleiben.

Steinigeweg und Hantke kümmern sich um alles selbst. Sie entwickeln eine Marke und kreieren das Logo, auf dem man beide wiedererkennt. In Köln finden die Freunde einen kleinen Abfüller, sie fangen mit 1000 Flaschen an. Damit ziehen sie in ihrer Heimat von Gastronom zu Gastronom. Klinkenputzen nennt man das. Sie werben für ihre Erfindung, erzählen die Geschichte hinter dem Eistee. Es ist ihre Geschichte. Die beiden Akademiker bewahren sich ihre Unbekümmertheit. Sie haben nichts zu verlieren, handeln nach dem Motto: „Wenn es klappt, ist es schön.“

Auch auf Facebook präsentieren sie ihren Ostfriesen Eistee. Dort wird der Handel auf sie aufmerksam, auch der Auricher Süßmost, wo das Getränk inzwischen produziert wird. Ein Ostfriesen-Getränk, das zwei Ostfriesen erfunden haben und dann auch in Ostfriesland abgefüllt wird: An dieser Geschichte passt alles.  Hantke und Steinigeweg schwärmen von der Zusammenarbeit, sprechen von Glück. Mittlerweile ist ihr Eistee kulinarischer Botschafter Niedersachsens und in zwei Geschmacksrichtungen erhältlich: Neben Zitrone gibt es auch Pfirsich. Der andere Klassiker eben. Ihren Eistee gibt es nach eigenen Angaben bei fast allen Lebensmittel- Einzelhändlern in Ostfriesland. Auch in Bremen, Oldenburg, Hamburg sind sie vertreten. In Köln gibt es einen Markt. „Wir haben uns auf unseren Heimatmarkt fokussiert“, sagen beide und lachen.

Mit ihrem Eistee verkaufen die beiden nicht nur ein Getränk. Jeder Eistee ist auch Werbung für ihre Heimat Ostfriesland. „Das geht Hand in Hand“, sagt Sven Hantke. Und ohne die ostfriesische Teetradition „würde unser Produkt nicht funktionieren“.

Anke Laumann
Anke Laumann Regionalleitung Ostfriesland / Anzeiger für Harlingerland / Jeverland-Bote