Engerhafe - Um das historische Steinhaus in Engerhafe ranken sich viele Geschichten und Legenden. Es ist eines der ältesten Gebäude in Ostfriesland. Im kommenden Jahr wird das trutzige Gebäude im Schatten der lutherischen Kirche saniert. Die NWZ sprach mit Diplom-Bauingenieur Timo Gerdes vom Amt für Bau- und Kunstpflege Osnabrück in der Außenstelle Aurich.

Wann genau beginnt die Sanierung/Restaurierung des Steinhauses?

 

Timo Gerdes: Der Baubeginn ist für Anfang Januar 2022 geplant.

 

Wer führt diese Sanierung durch? Was kostet diese?

 

Die Bauhauptarbeiten werden von Firma Kallage-Fisser GmbH aus Norden durchgeführt.

Über die Gesamtkosten der Baumaßnahme kann noch keine belastbare Aussage getroffen werden, da bislang noch nicht alle Gewerke ausgeschrieben sind und somit keine Angebote vorliegen. Außerdem müssen erst die in den letzten Jahrzehnten eingebauten Innenschalen und Fußbodenaufbauten zurückgebaut werden, um nähere Erkenntnisse über den Zustand und die Beschaffenheit der historischen Bausubstanz gewinnen zu können. Ein detailliertes Sanierungskonzept kann erst nach Freilegung der gesamten Wände, Fußböden und Decken erstellt werden.

Das Steinhaus in Engerhafe mit der Fensterfront. Bild: Günther Gerhard Meyer

Das Steinhaus in Engerhafe mit der Fensterfront. Bild: Günther Gerhard Meyer

  

Gibt es Förderungen für die Sanierung/Restaurierung?

 

Die Baumaßnahme heißt „Gesamtinstandsetzung, Steinhaus und Zwischenbau“ am Baudenkmal Pfarrhaus Engerhafe. Diese Maßnahme erhält Zuwendungen aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm VIII der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Zuwendungen des Landes Niedersachsen

zur Förderung eines Projektes in der Maßnahme Kulturerbe (ZILE) von der lutherischen Landeskirche

Hannover und vom lutherischen Kirchenkreis Aurich.

 

Warum wird die Sanierung/Restaurierung durchgeführt?

 

Die Sanierung der unter Denkmalschutz stehenden Gebäude, dem historischen Steinhaus und einem Zwischenbau, erfolgt, damit diese historisch wertvollen Gebäude dauerhaft in ihrer Substanz erhalten werden. Mit dem zusätzlichen Anbau eines neuen Gemeindehauses, soll das aktive Gemeindeleben der lutherischen Kirchengemeinde Engerhafe für die nächsten Jahrzehnte gefördert und gestärkt werden.

 

Wann begannen die Arbeiten für die Sanierung/Restaurierung?

 

Die Arbeiten begannen Ende 2011/Anfang 2012 mit den bauhistorischen und dendrochronologischen Untersuchungen der Architekten Ejnar Tonndorf aus Oldenburg.

Blick in das unterirdische Gewölbe unter dem Steinhaus in Engerhafe. Bild: Archiv ggm  

Es soll einen geheimen Gang zu einem benachbarten Gulfhof namens Hipkenborg der Familie Klugkist im Dorf geben. Hat sich das irgendwann bestätigt?

 

Gerüchte und Vermutungen über einen geheimen Gang gibt es, sind aber bis dato nicht bestätigt worden.

 

Wie alt ist das Steinhaus genau? Kann man das inzwischen konkreter sagen?

 

Leider gibt es hier noch keine genauen Erkenntnisse. Es wird aber davon ausgegangen, dass es sich um eins der ältesten Steinhäuser Ostfrieslands handelt. Wir hoffen, dass wir bei den Sanierungsmaßnahmen nähere Informationen über das Alter des Kulturerbes erhalten.

 

War das Steinhaus ein Wehrbau oder ein Speicher für Nahrungsmittel?

 

Wahrscheinlich war das Steinhaus zunächst ein Verteidigungsbau zum Schutz von Waren und Tieren, zumindest wird diese Theorie von Grabungstechniker Axel Prussat von der Ostfriesischen Landschaft gestützt.

 

Es soll einen Brunnen im Keller geben. Gehörte dieser zu einem Vorgängerbau?

 

Ja, es wurde ein Brunnen im Keller gefunden. Ob dieser zu einem Vorgängerbau gehörte, ist nicht bewiesen. Es wird aber davon ausgegangen, dass der Brunnen vor Errichtung des Steinhauses entstanden sein muss.

 

Günther Meyer
Günther Meyer Ostfriesland-Redaktion/Aurich