Engerhafe - Pläne für Gasbohrungen in Engerhafe liegen weiter auf Eis. Dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) liegen zur Zeit keine Anträge noch sonstige Erkenntnisse über entsprechende Planungen vor. Das teilte Sprecher Eike Bruns auf NWZ-Anfrage mit. Ganz abgehakt ist das Vorhaben beim Energieversorger Vermilion Energy jedoch offenbar noch nicht: „Wir warten nach wie vor auf eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts zum entsprechenden Normenkontrollverfahren“, teilte Matthias Schorr auf NWZ-Anfrage für das Unternehmen mit. Das Vorhaben war in den vergangenen beiden Jahren von Protesten begleitet worden. Geplant waren Bohrungen im Wasserschutzgebiet. „Die Gefahr einer Beeinträchtigung des Trinkwassers durch Bohrungen besteht hierzulande nicht, wie durch zahllose Untersuchungen, Studien und Nachweise hinreichend belegt ist“, betonte Schorr.
Befürchtet worden war in diesem Jahr eine Verlängerung einer Bewilligung der „Aufsuchung und Gewinnung von Kohlenwasserstoffen“, die am 30. Juni 2020 endete. Deshalb hatte es im Brookmerland und Südbrookmerland Proteste durch Bürger gegeben, weil die befürchteten Bohrungen im Bereich der Trinkwasser-Reservoirs des Oldenburg-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) verortet wurden. Resolutionen hatte deshalb neben den Gemeinden Südbrookmerland, Brookmerland sowie der Gemeinde Hinte auch der Auricher Kreistag verfasst, um das Trinkwasser zu schützen.
Der Landkreis Aurich hat bereits eine Schutzzone ausgewiesen
Der Landkreis Aurich hatte 2018 den Bereich bereits als Wasserschutzgebiet für die Trinkwasser-Gewinnung durch das Wasserwerk Siegelsum ausgewiesen. Das Unternehmen wehrt sich gegen die Einbeziehung des Betriebsgeländes der Erdgas-Bohrstelle in Engerhafe in das Wasserschutzgebiet. Der OOWV hatte sich entschieden gegen eine Bohrung ausgesprochen. Der Bohrplatz, für den eine Verlängerung beantragt war, liegt innerhalb der Schutzzone. Die Gesamtgröße des Bewilligungsfeldes beträgt 433 Hektar und überlagert das Wasserschutzgebiet mit 233 Hektar. Mehrere Schutzzonen wären von einer Bohrung direkt betroffen gewesen. Es wären trinkwasserführende Schichten durchbohrt worden, teilt Südbrookmerlands Bürgermeister Thomas Erdwiens auf NWZ-Nachfrage mit. Das Wasserwerk sei berechtigt, 4,5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser zu entnehmen. Seine Gemeinde hatte an das LEBG appelliert, von „der Verlängerung der Bewilligung abzusehen“.
Der OOWV ist gegen jede Erdgas- und Erdölgewinnung in Wasserschutzgebieten
Der OOWV lehnt grundsätzlich jede Erdgas- und Erdölgewinnung in Wasserschutzgebieten ab. Der Verband hatte bereits darauf hingewiesen, dass Trinkwasser „unser wichtigstes Lebensmittel“ darstelle, das besonders geschützt werden müsse. „Deshalb muss der bedingungslose Schutz des Grundwassers Vorrang haben“, teilte der OOWV mit, der rund eine Million Kunden mit zu Trinkwasser aufbereitetem Grundwasser versorgt. Die Gewinnungsgebiete seien als Wasserschutzgebiet gesichert oder als Vorranggebiete für den Wasserschutz ausgewiesen. Die Erdöl- und Erdgasförderung könne diese Gebiete gefährden und stelle ein unkalkulierbares Risiko dar.
