Emden - Für ein Unternehmen - egal ob groß oder klein - ist es Gold wert, entweder selbst eine Marke zu sein, zumindest aber eine Marke als eigenes Produkt vertreiben zu können. Für echte Ostfriesen ist die Emder Thiele & Freese GmbH & Co. KG so eine Marke, für Nicht-Ostfriesen gilt das zumindest für das Produkt: den echten Ostfriesentee. Und der kleine Familienbetrieb in der Straße Hinter der Halle 7-8 ist noch etwas: ein Bollwerk gegen den Zeitgeist und Verteidiger einer Tradition, die inzwischen bereits fast 150 Jahre gepflegt wird.
Der Thiele-Tee ist somit ein Musterbeispiel für „Made in Ostfriesland“. 1873 gegründet und derzeit in dritter, beziehungsweise bereits vierter Generation in Sachen Tee unterwegs. Unterwegs? Ja, der Tee kommt aus Indien, aber aus den 30 bis 40 Sorten, die Franz Thiele und Sohn Lennart regelmäßig im indischen Assam einkaufen, wird erst in Emden die „echte ostfriesische Mischung“. Mehr „Made in Ostfriesland“ geht nicht.
Thiele & Freese heißt der 1873 gegründete „Großhandel für Kolonialwaren“. Die Kaufleute Carl Thiele und Peter H. Freese handeln mit Rohwaren aus Übersee - und der Tee ist auch schon dabei. Mit dem Einstieg des Bruders des Gründers, Franz Thiele, wird das Tee-Geschäft 1875 intensiviert.
Nach dem II. Weltkrieg entsteht 1950 die Marke Thiele Tee. Zehn Jahre später konzentriert sich das Unternehmen voll und ganz auf den Tee.
1983 tritt der heutige Geschäftsführer Franz Otto Thiele in dritter Generation in das Unternehmen ein.
Seit 2010 erhält Thiele und Freese regelmäßig vom Land Niedersachsen die Auszeichnung „kulinarischer Botschafter“.
2013 eröffnet das Thiele Tee-Kontor, eine Idee der Geschäftsführerin Celine Thiele.
2014 tritt mit dem heute 32-jährigen Lennart Thiele die vierte Generation in die Geschäftsführung ein.
Die Thiele & Freese GmbH & Co.KG beschäftigt heute 18 Mitarbeiter.
„Wir veredeln ein individuelles Naturprodukt“, sagt Franz Thiele. Und er legt großen Wert auf den Zusatz „echt“, denn „Ostfriesentee“ möchten auch andere gern ihren Tee nennen. Der Teetrinker soll immer denselben Geschmack erhalten, immer die gleich hohe Qualität. Dafür sorgt dann der Ober-Teeverkoster Franz Thiele persönlich.
Thiele-Tee findet man in den Supermärkten bis hinauf nach Hamburg und runter bis in den Harz. Das allein würde schon für den inoffiziellen Titel eines Marken-Botschafters aus Ostfriesland reichen. Aber eigentlich geht der Tee - ob nun im Beutel, in der Tüte oder in der Dose - in die ganze Welt. Celine Thiele, zusammen mit ihren Mann Geschäftsführerin des Unternehmens, berichtet von teils langen Briefen von Fans der echten ostfriesischen Thiele-Tee-Mischung. Buten-Ostfriesen sowieso, Besucher des Tee-Kontors, dem kleinen hauseigenen Shop in der Faldernstraße inzwischen aber auch. Viele Kunden möchten den Tee zu Hause genießen, auch dann, wenn das Zuhause jenseits der Weißwurstgrenze liegt. Auch aus dem Ausland kommen Bestellungen, zum Beispiel von Fans aus dem US-amerikanischen Iowa.
Doch neben dem noch recht analogen Postweg kommen die Order längst auch über das Internet. Ja, auch Thiele-Tee hat einen Online-Versand. Dafür hat Lennart Thiele gesorgt. Der 32-jährige Junior wahrt somit nicht nur die Firmen-Tradition, sondern macht auch behutsame Schritte in die Zukunft.
Niemals „Tea to go“
Doch Thiele-Tee verschickt nicht nur den echten Ostfriesentee, sondern auch eine Haltung. Zur Ruhe kommen, sich eine Auszeit nehmen, genießen - in Ostfriesland nennt sich das Teezeit. „Das ist das, was die Menschen mitnehmen, wenn sie bei uns im Kontor einen Tee getrunken haben“, sagt Celine Thiele.
Einen „Tea to go“, die schnelle Husch-Husch-Variante für heiße Getränke, wird es bei den Thieles also wohl niemals geben. Das würde der gesamten Philosophie des Hauses Thiele widersprechen. Lennart Thiele: „Wir sind ein altes Segelschiff.“ Und d klingt nun wieder nach einer Menge Tradition - und ist wohl auch so gemeint..
