Emden - Der Tiefschlag kam nicht überraschend – aber er tut trotzdem höllisch weh: Lockdown Nummer zwei trifft die Emder Fitness- und Tanzstudios sehr, sehr hart – und das in einer Zeit, in der der Markt heftig umkämpft ist.
In der Beurteilung der zwischen Bund und Ländern vereinbarten Vorgehensweise sind sich Studiochefs, die unsere Redaktion am Donnerstag befragte, weitgehend einig. Erstens: Dass Corona-Maßnahmen verschärft werden, ist angesichts der Infektionszahlen grundsätzlich in Ordnung. Zweitens: Die kompromisslose Schließung der Fitnessstudios ist nicht gerechtfertigt. Drittens: Die Branche ist entschlossen, diese Krise zu überstehen.
Das ist auch die Linie des Arbeitgeberverbandes deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen (DSSV). Der hatte noch versucht, die Schließung mit einem Offenen Brief zu verhindern. Am Donnerstag wies der Verband darauf hin, dass mehrere Studiobetreiber Klagen vorbereiten.
Paramount Sports Club steckt in Insolvenz
Keines der Emder Unternehmen steckt die Schließung locker weg. Einen quält sie aber besonders: Johannes Podeschwa. Sein Paramount Sports Club befindet sich in der vorläufigen Insolvenz. Podeschwa: „Wir sehen immer noch eine Chance für unser Unternehmen, aber leichter wird es jetzt natürlich nicht.“ Wieder brechen Einnahmen weg, und auch die Zusammenarbeit mit dem Insolvenzverwalter wird erschwert.
So hätte es nicht kommen müssen, meint der erfahrene Fitness-Unternehmer: „Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass sich in Fitnessstudios besonders viele Menschen angesteckt haben – im Gegenteil.“ Ursachen sieht Podeschwa vielmehr in der Unvernunft vieler Menschen. Parties mit dutzenden Gästen, Urlaub in aller Welt: „Wir werden mit einem Rundumschlag bestraft, weil sich Einige nicht an die Regeln gehalten haben.“
Die Fitness-Branche habe – wie die Gastronomie – viel Geld in Anti-Corona-Maßnahmen gesteckt. Ein Lockdown mit Abstufungen wäre deshalb der richtige Weg gewesen, meint der Emder: „Noch mehr Abstand, Training mit Maske – das hätten erste zusätzliche Maßnahmen sein können.“ Zur Erinnerung: Friseure beispielsweise dürfen weiter arbeiten.
Betreiber und Gastronomen enttäuscht
Auch die Großen der Branche sehen die vorerst auf den November beschränkte Schließung mit Unbehagen. Marvin Kitzig, Regionalmanager der Kette Easyfitness, sieht derzeit keine Gefahr für das Unternehmen. Auch nicht für die Anfang Juni eröffnete Emder Filiale. Aber natürlich wird es trotz neuer staatlicher Hilfen wieder erhebliche Einbußen geben. Und es geht auch bei Easyfitness um viele Arbeitsplätze: Insgesamt 28 sind es in Emden, 20 in Leer.
Kitzig ist dafür, dass der Staat reagiert: „Die Infektionszahlen gehen durch die Decke, da muss etwas getan werden.“ Die sofortige Schließung findet jedoch nicht seine Zustimmung: „Wir haben alle Vorgaben des Staates erfüllt. Und trotzdem gibt es einen Lockdown – das enttäuscht Studiobetreiber und Gastronomen.“ Auch Marvin Kitzig verweist darauf, dass es keine Belege für besondere Gefahren in Fitnessstudios gibt.
Das Easyfitness-Team will die Zwangspause unter anderem für Schulungen und eine Grundreinigung nutzen: „Wir beißen uns durch! Und wir wollen nach dem Lockdown stärker dastehen als bisher.“ Am Sonnabend und Sonntag ist von sechs bis 24 Uhr geöffnet – „damit möglichst viele unserer Mitglieder die Anlagen vor dem Lockdown noch einmal nutzen können.“
