Emden - Die Emder Bauordnung, Ostfrieslands Gartentradition und natürlich auch der Klimaschutz (global betrachtet, versteht sich): Die Emder Gegner des Kies- oder Schottergartens haben in ihren beißenden Kritiken bislang nur wenig ausgelassen. Sachliche Einwände gegen die pauschale Verurteilung fanden kaum Gehör. Trotzdem meldet sich nun ein Emder, der sich mit einem Augenzwinkern selbst als „Schottergartenpionier“ bezeichnet, als Fürsprecher einer ostfriesischen Variante des Kiesgartens zu Wort.

Gerald Meißner ist seit 2005 drin im Thema. Sein Plädoyer: „Schottergärten nicht verbieten, sondern mit Natternkopf (Echium Vulgare) aufwerten und somit einen Beitrag zur Artenerhaltung der heimischen Insekten- und Vogelwelt leisten. Gleichzeitig mit dieser Pflanze einen wunderschönen Blickfang schaffen.“

Seit vier Jahren lebt und arbeitet der Verwaltungsbeamte in Emden. Die Diskussion über Schotter-, Stein- und Kiesgärten in der Stadt ist ihm natürlich nicht verborgen geblieben. Seine eigenen Erfahrungen machen ihn zu einem kompetenten Ratgeber. Der 53-Jährige erzählt, was er an seinem kleinen Häuschen im schleswig-holsteinischen Stormarn unternahm, damit sein Vorgarten nicht länger Katzenklo ist: „Bereits 2005 habe ich die Grassoden meines Vorgartens entfernt und Granitsplitter eingefüllt. Damit diese Fläche nun nicht als Ödland ausgewiesen ist, habe ich Natternkopf (Echium Vulgare) gesät, welcher sich in dem Vorgarten als ausgesprochene Ruderalpflanze blendend vermehrt.“

Spätestens seit der Einführung der Kategorie „Kiesgärten“ in den Emder Vorgartenwettbewerb im Jahr 2017 ist die Stadt gespalten, was die Gestaltung der Visitenkarte eines Einfamilienhauses angeht. Das Wort führen seitdem die Gegner, und sie machten ein Politikum daraus. Eine der Schlagzeilen: „Grüne mahnen: Reine Kiesgärten sind verboten“.

Mit seinen Empfehlungen möchte Gerald Meißner zu einer Versachlichung beitragen: „Ich habe durchaus Verständnis für Menschen, die weniger Arbeit mit ihrem Garten haben wollen. Aber ein normaler Schottergarten ist natürlich arm. Das kann man besser machen.“

Der Natternkopf leistet dabei hervorragende Dienste, wie Meißner versichert. Nicht nur wegen der Schönheit des Gewächses und seiner hervorragende Eignung für den steinigen Untergrund. Vor allem die Rolle, die die Pflanze für die Tierwelt spielt, begeistert ihn: „Natternkopf ist eine heimische Pflanze, die gerade in der Sommerzeit unseren heimischen Bienen ein wertvoller Nektarlieferant ist. Nach der Blüte sind die Samen für Vögel eine willkommene Nahrung.“

Der Natternkopf hilft Meißner auch in seinem kleinen Emder Garten, Wildbienen vom Frühjahr bis in den Sommer hinein einen „gedeckten Tisch“ zu bieten. Was mancher traditionelle Vorgarten nicht schafft: „Die sind sehr schön, haben aber nur wenig Nahrungsangebot.“

Alf Hitschke
Alf Hitschke Emder Zeitung