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Gedenken an Kriegsopfer in Aurich Kriegsdenkmäler werden auf „Helden“ geprüft

Anlass für die Begutachtung aller Kriegsdenkmäler im Stadtgebiet: auf dem Denkmal am Hohen Wall in Aurich wird der „Helden“ gedacht.

Anlass für die Begutachtung aller Kriegsdenkmäler im Stadtgebiet: auf dem Denkmal am Hohen Wall in Aurich wird der „Helden“ gedacht.

Günther Gerhard Meyer

Aurich - Die Kriegsdenkmäler im Auricher Stadtgebiet sollen auf nicht mehr zeitgemäße Inschriften überprüft werden. Die Ortsräte sollen gebeten werden, die Gedenkstätten entsprechend zu prüfen. Anschließend sollen Besucher der Gedenkstätten auf einer Tafel die Bewertung der Inschriften aus heutiger Sicht lesen können. Eine entsprechende Bitte soll die Stadt Aurich an die Mitglieder der Ortsräte richten. Darauf hat sich die Mehrheit der Mitglieder im Kulturausschuss der Stadt mit 13 Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen geeinigt. Der Ortsrat Tannenhausen hat bereits eine Begehung angekündigt, teilte Ausschussvorsitzender Volker Rudolph (GaP) mit. 

Denkmal am Hohen Wall

Ein Auricher Bürger hatte den Stein ins Rollen gebracht. Anlass war für ihn die Inschrift auf dem Kriegsdenkmal aus dem Jahre 1926, mit dem vor der Fußgängerzone an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs gedacht wird. Das Wort „Helden“ sei vor dem Hintergrund des Leids, der Toten und Vertriebenen in allen Kriegen nicht mehr zeitgemäß, weil es sich im Grunde bei der Zivilbevölkerung wie auch der Soldaten um Opfer handele.

Text der Tafel

Den Toten beider Weltkriege in mahnendem Gedenken Im ersten Weltkrieg starben auf den Schlachtfeldern 10 Millionen Soldaten, im zweiten Weltkrieg waren es über 30 Millionen. Dazu kommt Tod, Not und Elend in der Zivilbevölkerung mit insgesamt ca. 35 Millionen Opfern. Das Kriegerdenkmal wurde 1926 errichtet und bringt den damaligen Zeitgeist zum Ausdruck. Wir sprechen heutzutage von Opfern zweier sinnloser Kriege. Ihrer gilt es sich in mahnendem Gedenken zu erinnern, denn ein weiterer Krieg würde apokalyptische Folgen haben.

Das werde auch im Krieg Russlands gegen die Ukraine sichtbar. Darauf soll auf der Zusatztafel hingewiesen werden, die am 8. Mai, dem Jahrestag für das Ende des Zweiten Weltkriegs möglichst durch Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) enthüllt werden soll. Feddermann wolle sich noch entsprechend erklären, sagte Rudolph. Der Ortsrat Mitte muss dem Zusatz noch zustimmen.

Im Zuge der Diskussion hatte Reinhard Warmulla (Linke) bereits in der März-Sitzung den Fokus auf andere Denkmäler im Stadtgebiet gelenkt, damit diese ebenfalls entsprechend auf die Inhalte überprüft würden. „Ich bin dem nachgegangen“, sagte Ausschussvorsitzender Rudolph „Es gibt viele weitere Denkmäler mit ähnlicher Inschrift“, sagte er, doch nicht auf allen Denkmälern sei das Wort „Helden“ zu lesen, sondern es werde der Opfer gedacht. Deshalb wolle man die Ortsräte um Unterstützung bitten, um bis zur Sommerpause eine Antwort zu geben, wo eine Zusatztafel aufgestellt werden könnte. Ob ein für das Kriegsdenkmal am Wall vorgefasster Text übernommen wird, müsse dann entschieden werden. Einige Auricher Kriegsdenkmäler sind bereits im Internet aufgelistet.

Keine Veränderung

Ratsfrau Monika Gronewold (CDU) aus Walle kennt den Text der Gedenkstätte ihres Heimatortes Walle, wo „der Gefallenen“ gedacht wird. „Wir sind da raus“, sagte sie. Gleichzeitig wunderte sie sich über die Diskussion: „Man kann die Geschichte nicht neu schreiben, weil man 70 Jahre später anderer Meinung ist“, gab sie zu bedenken. „Heute sagt die Politik, dass es damals keine Helden waren“, sagte sie. Artur Mannott (CDU) aus Plaggenburg erklärte, der Ausschuss dürfe sich „nicht erdreisten“ zu entscheiden, welches Denkmal einen Zusatz haben müsse. „Bei uns ist der Denkmalschutz hoch angesiedelt, aber hier will man Denkmäler verändern“, sagte Mannott. Grünen-Ratsherr Reinhold Mohr stellte dazu fest, dass die Denkmäler an sich keinesfalls verändert würden. Das betonte auch Ausschussvorsitzender Rudolph, der im Vorfeld zahlreiche Experten befragt hat, die alle eine Veränderung ablehnen würden. „Das ist auch nicht möglich, weil es den Denkmalschutz gibt“, sagte Rudolph. Doch 1920 sei der Zeitgeist ein anderer als heute gewesen. „Heute haben wir eine andere Sicht auf die Dinge. Das soll auf der Tafel zum Ausdruck kommen“, fügte er hinzu.

Günther Meyer
Günther Meyer Ostfriesland-Redaktion/Aurich
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