Großheide - Der große Festsaal ist leer, nachdem im März mit einer Goldenen Hochzeit die letzte Veranstaltung in der Gaststätte Merkur in Großheide stattgefunden hat. Eigentlich sollten nur die runden Tische gegen die klassische Anordnung in Reihen für die nächste Feierlichkeit getauscht werden, dann kam der behördlich angeordnete Stopp aufgrund der Coronavirus-Pandemie, welche rund eineinhalb Monate später das Aus für die Traditionsgaststätte an der Coldinner Straße 16 bedeuten sollte.
Inhaber Manfred Fiebiger (47), der den Gasthof Merkur Anfang 2012 gekauft und den Betrieb gemeinsam mit Torsten Fiebiger (46) übernommen hat, blickt auf den leeren Saal und erzählt, wie schwer ihm die Entscheidung, den Betrieb zu schließen und das Gebäude zum Kauf anzubieten, gefallen sei:„2020 sollte mit das beste Jahr werden, ein voller Terminplan mit zahlreichen Großveranstaltungen. Doch die lange Zwangspause, verbunden mit großer Ungewissheit, wann der reguläre Betrieb überhaupt wieder möglich sein würde, ließ dem Gastronomen keine Wahl: „Die Kostenbelastung bei komplett wegfallenden Einnahmen über Monate, da muss man der Realität ins Auge sehen.“
Ein Drittel der Fördermittel bekommen
Leistungen aus dem Corona-Soforthilfeprogramm des Bundes seien zwar beantragt worden, aber nur ein Drittel der benötigten und möglichen Fördermittel tatsächlich geflossen. Ein Kredit, und damit wohl eine finanzielle Bürde bis ins höhere Rentenalter, kam für Manfred Fiebiger nicht in Frage. Und so hat der erfahrene Unternehmer nun relativ früh die Entscheidung getroffen, den Betrieb endgültig zu schließen. Denn nicht zuletzt bliebe auch die Frage, wie viele in der nächsten Zeit auch aufgrund von wirtschaftlichen Folgen auf Feiern und Veranstaltungen verzichteten.
„Es tut mir sehr leid, für unsere Kunden wie auch für die Mitarbeiter“, sagt Manfred Fiebiger und führt aus: „Viele gehörten langjährig zum Team, das ist dann fast wie Familie. Sie haben uns immer unterstützt, die ganzen Jahre über nie im Stich gelassen, kurzum, auf sie war immer Verlass.“ Eine Mitarbeiterin war, wie Fiebiger erzählt, insgesamt fast 30 Jahre in der Gaststätte Merkur tätig.
Die Historie des Gasthofs umfasst insgesamt mehr als 100 Jahre. Das runde Jubiläum wurde 2013 auch unter Manfred Fiebiger gefeiert. „Damals von Onne Wessels gegründet, führte Abbo Wessels mit seiner Frau Therese den Betrieb später fort, bis dann vor knapp 30 Jahren Tochter Johanne, die nach Heirat den Nachnamen Frieling führte, mit ihrem Mann Johann übernahm“, wie sich Torsten Fiebiger erinnert. Der Saal sei vergrößert worden, eine Tanzfläche entstanden, der Weg für Großveranstaltungen geebnet. 2012 endete mit der Übernahme durch Manfred Fiebiger zwar die Ära als reiner Familienbetrieb, aber keineswegs die Erfolgsgeschichte der Gaststätte Merkur.
Interessenten für Gasthof
Auch in den Jahren nach der Übernahme durch Manfred Fiebiger wurde immer wieder renoviert und das Angebot den steigenden Ansprüchen angepasst, wie Torsten Fiebiger sagt, der in Marienhafe weiter „Störtebeker`s Teestube“ betreibt. Die soll, wie er sagt, nach der Corona-Zwangspause schnellstmöglich wieder öffnen. „Neben Kaffee, Kuchen, Torten, Eis und kleinen Snacks werden dann auch Familienfeiern bis 45 Personen mit umfangreicherem Speiseprogramm angeboten“, wie er ausführt. Hier wird Manfred Fiebiger als ausgebildeter Koch dann zur Hilfe gehen, sodass auch wieder beliebte Klassiker wie zum Beispiel das Grünkohlessen angeboten werden können.
Für den Gasthof Merkur gäbe es bereits einige Interessenten. „Es wäre natürlich schön, wenn es als Gastronomiebetrieb weitergeführt werden würde“, hofft Manfred Fiebiger und ergänzt: „Wenn es dann tatsächlich soweit sein sollte und das Gebäude an einen neuen Käufer übergeht, wird das nochmal sehr schwer werden“. Er schaut noch einmal auf den leeren Saal und schließt mit den Worten „wir können den Gästen nur danken für das Vertrauen und die Treue. Wir hatten so viele Stammgäste, sogar verschiedene Generationen einer Familie, die Goldene, Silberne und Grüne Hochzeit nacheinander hier gefeiert haben. Das alles war schon besonders.“
