HARLINGERLAND - Wer als Landwirt Nutzflächen in unmittelbarer Küstennähe hat, blickt häufig sorgenvoll zum Himmel. Und das nicht nur wegen des Wetters, sondern auch in der Befürchtung eines heranfliegenden Gänseschwarms. Diese Tiere sind im Laufe der vergangenen Jahre zu einem großen Problem für die Bauern geworden, fressen sie doch das im Herbst ausgesäte Wintergetreide vom Land. 'Durch die Neuansaat entstehen mir im Frühjahr auf einigen Flächen zusätzliche Kosten von 1000 Euro pro Hektar', klagte Enno Ommen aus Groß-Charlottengroden im Rahmen einer Begehung seiner Felder gegenüber den Kreislandvolkvertretern Manfred Tannen (Vorsitzender) und Heinz-Hermann Pupkes (Geschäftsführer). Nicht nur, dass die Population stetig wächst, es fehlt auch an probaten Mitteln, die Gänse zu vertreiben. Das Aufstellen von Vogelscheuchen und ein regelmäßiges Händeklatschen seien nahezu zwecklos, für Nonnengänse gäbe es zudem ein Bejagungsverbot. Noch schlechter getroffen haben es die Landwirte, deren Parzellen im Landschaftsschutzgebiet zwischen Neuharlingersiel und Norden liegen. Auf diesen Ackerflächen dürfen die Tiere nur mit der Erlaubnis des Landkreises verscheucht werden, auf den Grünlandflächen gibt es sogar ein generelles Vergrämungsverbot. Und die Letztgenannten werden ebenfalls gerne von den Gänsen angeflogen. Dies weiß auch der Updorfer Milchviehhalter Gerrit Dommerhold zu berichten, der noch bis vor zwei Jahren einen Futterbaubetrieb in der Nähe von Emden bewirtschaftete. 'Der Aufwuchs des ersten Schnitts wurde dort immer komplett von den Vögeln aufgefressen', so der Niederländer.

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Das Landvolk fordert nun von der Nationalparkverwaltung, die landwirtschaftliche Nutzung der Hellerweiden (Außendeichflächen) wieder zuzulassen. Würde hier das Gras durch Rinder und Schafe kurz gehalten werden, ließen sich hier die Gänse nieder und richteten dadurch einen deutlich geringeren Schaden für die Natur an. Momentan stünde aber hier nur langes Gras, welches für die Gänse uninteressant sei und daher von ihnen gemieden werde.