Harlingerland - Es wird vermutlich ein durchschnittliches Erntejahr – und das ist bei den ostfriesischen Landwirten Grund zur Freude, sagt Dr. Rolf Bünte, Leiter der Bezirksstelle Ostfriesland der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen. Zwar sei das Frühjahr im Mai zu kalt und zu nass gewesen und habe die Ernte beim Grünland zeitlich durcheinandergebracht. Das sei aber nach der extremen Trockenheit in den vergangenen zwei bis drei Jahre kein echtes Problem, sondern eher Grund zum Aufatmen gewesen, sagte Bünte.
Auch Manfred Tannen (Bensersiel), Präsident des Ostfriesischen Landvolks, sagt: „Zuversichtlich sind Ostfrieslands Bauern in die diesjährige Ernte gestartet. Durch gute Aussaatbedingungen im Herbst und positiven Witterungsverlauf mit ausreichender Wasserverfügbarkeit haben sich durchweg überdurchschnittliche Getreidebestände entwickeln können.“ Die Wintergerste sei bereits abgeerntet, habe aber durch niedrige Hektolitergewichte, also kleinere Körner, im Gesamtertrag regional „eher enttäuscht“. Witterungsbedingt sei momentan die Rapsernte unterbrochen, auch Weizen- und Sommergetreidebestände warteten mit guten Beständen dann auf das passende Erntewetter.
So habe ein Berufskollege die Problematik der unbeständigen Witterung beschreiben: „Immer wenn ich mit dem Mähdrescher auf das Feld fahre, wird der Wettergott zornig.“ In der Tat sei zeitnah jetzt ein großes Hochdruckgebiet mit vielen trockenen Sonnenstunden entscheidend, um das Getreide lagerfähig und damit ohne zusätzliche Trocknungskosten abzuernten, so Manfred Tannen. Die Sorge der kurzen Erntefenster treibe übrigens nicht nur Landwirte um, sondern auch viele Lohnunternehmer, die mit ihren Mähdreschern überbetrieblich bei der Ernte behilflich sind, da Eigenmechanisierung „sich für viele Bauern nicht mehr rechnet“, so der Landvolk-Präsident.
Die Kartoffelbauern in der Region vermelden eine durchschnittliche Ertragserwartung, aber auch sie hoffen auf nachlassende Niederschläge, um dann später die Ernte möglichst bodenschonend einzubringen.
Die Grundfuttersituation in den Grünlandbetrieben ist nach Angaben von Tannen mengenmäßig „als sehr gut zu bezeichnen“, erste Grassilage- Untersuchungsergebnisse „weisen allerdings auf unterdurchschnittliche Energie- und Eiweißgehalte hin“.
Maisbestände von regional sehr unterschiedlicher Qualität werden ab Herbst nach der Ernte die energetische Futtergrundlage auf den Rindviehbetrieben ergänzen oder als Grundlage für die Energiewende in den Biogasanlagen verstromt.
Beim Mais geht es noch drum, ob das Jahr 2021 letztlich als ein gutes, ein durchschnittliches oder eher schlechtes Erntejahr für die ostfriesischen Landwirte in die Geschichtsbücher eingehen wird. Denn der Mais braucht noch einige Wochen, bis er geerntet wird, sagte Dr. Rolf Bünte. Erst danach könne die Landwirtschaftskammer WK eine endgültige Bilanz ziehen.
Zwei Dinge könnten die Maisernte laut Bünte allerdings noch vermiesen: Extreme Trockenheit oder extremer Dauerregen würden zum Problem werden. Wird es jetzt noch einmal extrem heiß und trocken, könnte dazu führen, dass die Korneinlagerung im Maiskolben gestoppt wird, erklärte Bünting. Extreme Feuchtigkeit könnte zu Schimmel oder Pilzen führen. Ein bisschen Sonne und ein bisschen Regen würde der Mais jetzt noch gerne haben, so der Fachmann.
Auch die Mäuseplage, die viele Betriebe in Ostfriesland in den vergangenen Jahren hart getroffen habe, sei in diesem Jahr kein Thema mehr. „Die Mäuse sind schlichtweg abgesoffen“, sagte Bünte. Somit hat die Natur das Thema Mäuseplage selbst geregelt.
Bisher sei der Regen, auch wenn es bereits Starkregen gegeben hat, für die Landwirte in Ostfriesland kein großes Problem. Das Getreide sei bereits reif, Gerste und Weizen werde bereits geerntet. Bünte geht von keiner außerordentlich guten oder schlechten Ernte aus. Deshalb würden auch die Getreidepreise durchschnittlich bleiben, mutmaßte Bünte.
Zu viel Nässe wird für die Landwirte aber auch aus einem anderen Grund zu einem Problem: Vor allem die schweren Böden, wie die Marschböden, sind laut Bünte dann kaum noch befahrbar. Das führt dazu, dass die Ernte in diesen Bereichen deutlich länger brauche. Gibt es hingegen noch genügend Sonne mit ein bisschen Regen, könnten die Landwirte noch einmal mehr das Grünland schneiden. Etwa drei bis vier Schnitte pro Jahr gibt es laut Bünte. Ein guter Schnitt im Herbst könnten die Qualitätsverluste aus dem zu kalten und nassen Mai wieder ausgleichen.
