Lisa Eckhart ist eine der bekanntesten österreichischen Kabarettistinnen und Poetry Slammerin. Eine Künstlerin, die davon lebt, auf der Bühne zu stehen. Durch Corona war das aber nicht möglich, ihre Tour wurde verschoben. Nun geht es aber wieder los und am 2. März ist sie auch im ostfriesischen Aurich zu bewundern sein. Im Interview sprechen wir über ihr Programm und Meinungsfreiheit.
Der Auftritt in Aurich wurde fast um ein Jahr verschoben. Nun treten Sie wieder auf – wie wird das für die Künstlerin Lisa Eckhart sein?
Lisa EckhartBitter nötig. Wenn so viele Auftritte verschoben und abgesagt werden, muss man sich anderweitig abreagieren. Dann überkommt mich oft ein klassischer Exhibitionismus. Aber nackt im Park ist eben doch nicht dasselbe wie auf der Bühne. Und bei der Jahreszeit auch weitaus ungemütlicher.
Lisa Eckhart ist eine österreichische Kabarettistin, Poetry-Slammerin und Romanautorin.
Der Name Eckhart ist ein Künstlername und Nachname ihres Vaters. Ihr eigentlicher Nachname lautet Lasselsberger.
„Omama“ ist der Titel ihres ihr ersten Romans, der 2020 veröffentlicht wurde.
In Aurich tritt Lisa Eckhart am 2. März 2022 in der Stadthalle auf. Tickets gibt es hier.
Wenn Sie wieder auf der Bühne sind und Pointe nicht beim Publikum ankommt – was machen Sie da?
EckhartEin, zwei Blindgänger gibt es immer. Das macht nichts. Vielleicht entpuppt es sich als Langzeitzünder und detoniert erst nach vielen Jahrzehnten.
Ihre Show heißt: „Die Vorteile des Lasters – ungenierte Sonderausgabe“, was sind denn die Vorteile des Lasters?
EckhartAm schönsten hat sie Marquis de Sade in seinem Roman „Juliette – Die Vorteile des Lasters“ beschrieben. Dort können Sie alles nachlesen.
Das werde ich bei Gelegenheit tun! Zurück zu ihrer Show, Sie sagen in einem Text darüber, dass Sünden ohne Gott keinen Spaß mehr machen. Warum ist Ihrer Meinung nach die Aufklärung der Partykiller?
EckhartMan kann die Aufklärung nicht für alles Furchtbare verantwortlich machen, vor allem nicht den Tod Gottes. Der alte Herr hat auch ordentlich Mitschuld daran. Sartre meinte, ohne Gott sei alles erlaubt. Mittlerweile ist zumindest gefühlsmäßig bekannt, dass es sich umgekehrt verhält, und ohne Gott nun nichts mehr erlaubt ist.
Wenn man den Gedanken runterbricht und überspitzt, war in der Diktatur Gottes alles schön und freie Entfaltung macht keinen Spaß, oder nicht?
EckhartNein, so sollte man das nicht runterbrechen. Sie dürfen das Überspitzen getrost mir überlassen.
Na gut, aber nur fürs Erste. Wie wichtig ist Ihnen als Künstlerin denn generell freie Entfaltung und Meinungsfreiheit?
EckhartNichts gefährdet meine Kunst so sehr wie die Meinungsfreiheit. Das gilt auch für mich selbst. Ich versuche, meine Meinung so gut es geht aus der Kunst fernzuhalten. Und entfalten will ich mich darin erst recht nicht. Kunst ist Selbstentwirklichung, also Faltkunst. Meinung und Moral haben da nichts verloren.
Letzte Frage, was wurden Sie in einem Interview noch nie gefragt, das Sie aber gerne beantworten würden?
EckhartFrau Eckhart, wie oft duschen Sie? Schlafen Sie mit Ihren Kollegen? Und wenn ja, mit wie vielen? Wie gehen Briefbomber mit der Digitalisierung um? Aber so etwas Wichtiges fragt leider niemand.
