Ostfriesland - Seit 1983 fahre ich zu Lesungen in die Schweiz.
Zürich. Sankt Gallen. Luzern. In jedem Kanton gibt es eine vorbildliche Tradition, Begegnungen zwischen Autoren und Schulklassen zu organisieren.
In Luzern wohnen die Künstler immer im Hotel Rebstock. Mehr als ein Jahr meines Lebens habe ich dort verbracht, wenn man alle Aufenthalte zusammenzählt. Nicht gerade eine Strafe. Im Gegenteil.
Regelmäßig tauchen meine Bücher in den schweizerischen Bestsellerlisten auf. Ich denke, ich habe dort ein sehr „erlesenes“ Publikum. Viele, die heute zu meinen Kriminalromanen greifen, hatten ihre erste Begegnung mit meiner Literatur während ihrer Schulzeit.
Inzwischen besuche ich nicht nur Schulen, sondern es gibt auch Abendveranstaltungen in Buchhandlungen, Kinos, Gemeindesälen oder Gaststätten. So auch diesmal.
Erste Station der Schweiz-Tournee war Winterthur. Die Planung begann vor sechs Jahren. Eigentlich sollte die Veranstaltung in einer Gaststätte stattfinden, die liebevoll Ida-Beiz genannt wurde. Kneipen heißen in der Schweiz Beiz.
Es war nicht einfach. Tourneepläne sind ein schwieriges Puzzlespiel. Als endlich alles klar war, kam Corona dazwischen und dann ging Ida-Beiz leider pleite. Aber die engagierten Literaturlieber wollten es trotzdem. So fand der literarisch-musikalische Krimiabend in einem Saal statt, der Giesserei genannt wurde.
Mit Nachbildungen von Leuchttürmen, Seehunden, Möwen und einem Strandkorb wurde dem Raum ein Ostfriesland- Flair gegeben. Dazu ein Bild von Ole West und ein paar Pralinen von ten Cate.
In der Küche bereitete der Koch, dessen Mutter zwanzig Jahre in Ostfriesland gelebt hat, einen Snirtjebraa zu, wie ich ihn auch in Ostfriesland selten besser gegessen habe. Natürlich gab es Matjes aus Emden und Rote Grütze. Als Vorspeise Krabbensuppe.
Bettina Göschl begleitete mich mit ihrer Gitarre Gitti und löste damit Begeisterungsstürme aus. Fans reisten aus der gesamten Deutschschweiz an. Jeder konnte von irgendeinem Ostfrieslandbezug erzählen. Eine Frau war in Aurich geboren. Ein Mann kam aus Leer. Andere fuhren gern nach Ostfriesland in Urlaub. Sie alle lasen meine Kriminalromane und freuten sich auf die neuen Verfilmungen.
Es wurde ein langer, zauberhafter Abend, mit Liedern und Geschichten für Ostfrieslandfans. „Wir haben“, sagte eine ältere Dame, die mit Tochter und Schwiegersohn angereist war, „ein Fest der Literatur gefeiert und es mit allen Sinnen genossen. Das ist so wertvoll in diesen Zeiten. Eine Stärkung für die Seele.“
Hoch motiviert, ja beseelt fuhren Bettina und ich weiter nach Luzern und Olten. Irgendwie reist Ostfriesland immer mit.
