Ostfriesland - Im Pavillon auf dem Marktplatz in Norden, in der Ausstellung „Die Welt der Ostfriesenkrimis“, steht keine Spendenbox mehr. Nach zwei Überfällen haben wir es zum Schutz der Mitarbeiter aufgegeben, weiter so offen Spenden für unser Hospiz zu sammeln. Wir waren zu angreifbar. Ein zu leichtes Ziel für Leute unter Drogendruck. Der Pavillon liegt direkt gegenüber der Polizeiinspektion. Da kann man schon nachdenklich werden und am Zustand der Welt verzweifeln. Als Schirmherr für das bin ich natürlich weiterhin unterwegs und sammle in einer gebastelten Pappschachtel Spenden. Ich habe sie bei jedem Auftritt, jeder Lesung oder Signierstunde dabei. Selbst in der Schweiz habe ich für das Hospiz in Ostfriesland gesammelt, aber ich lasse die Box in der Pause nicht mehr am Signiertisch stehen. Ich nehme sie mit auf die Bühne, lasse sie nicht aus den Augen. Komisch. Man tut etwas Gutes und fühlt sich belauert, ja bedroht. Etwas ist aus den Fugen geraten. In meinen Kriminalromanen gelingt es der ostfriesischen Polizei immer, die raffinierten Täter zu überführen. Im Leben scheint das viel komplizierter zu sein. Zum Glück gibt es neben all der Dummheit und Schlechtigkeit auch das andere: Das Gute im Menschen. Gerade war ich in Wilhelmshaven und habe in der Buchhandlung Bücher signiert. Natürlich war die Sammelbox dabei und bunte gehäkelte Würmchen als Dankeschön für großzügige Spender. Die einen nennen sie Sorgenwürmchen. Die anderen Glückswürmchen. Es kamen viele Menschen, die gern noch eine Unterschrift in ein Buch haben wollten, das dann mit persönlicher Widmung verschenkt werden sollte. Erinnerungsfotos zu machen, gehört dazu. Es sollte eine Signierstunde werden, aber es dauerte länger als drei Stunden. Wer guckt schon bei Gesprächen mit Fans auf die Uhr? Ein Junge namens Basti schaffte es an dem Tag, mir den Glauben an die Menschen zurückzugeben. Er kam mit seiner Mutter. Er ist ein großer Fan, der hat alle Geschichten gelesen. Natürlich habe ich seine Bücher signiert und Fotos mit ihm gemacht. Dann stellte er mir ein Marmeladenglas voller Geld auf den Tisch. Ich staunte. Er schwieg bescheiden. Seine Mutter sagte: „Basti hat gehört, dass Leute sich an den Hospizspenden vergriffen haben, er war so empört. Er hat viele kleine Arbeiten verrichtet, im Garten und beim Einkaufen geholfen. Alles Geld hat er gesammelt.“ So wie er dastand und mich ansah, stolz darauf, ein echter Nordseedetektiv zu sein, keimte neue Hoffnung in mir auf. Danke Basti! Du hast mein Herz erwärmt und mir viel mehr gegeben als die 26 Euro und 49 Cent.
Kolumne Auf der Suche nach dem Guten im Menschen
Klaus-Peter Wolf
Wolfgang Weßling
