Ostfriesland - Als mein Freund und Lehrmeister, der große Kurzgeschichtenautor Josef Reding, damit geehrt wurde, dass man eine Schule nach ihm benannte, hatte er durchaus gemischte Gefühle. Er sagte mir, er sei auch ein bisschen erschrocken. Es fühle sich an, als sei man schon gestorben.

An ihn musste ich denken, als meine Frau Bettina Göschl und ich gefragt wurden, ob wir Leihgaben für eine Ausstellung: „Die Welt der Ostfriesenkrimis“ geben würden. Den Füller zu Beispiel, mit dem ich die letzten Romane geschrieben habe und ein paar der vollgeschriebenen Kladden…

Plötzlich wurde mir klar, dass Schreiben auch ein sehr intimer Prozess ist, zumindest etwas Privates, auch wenn es später Millionen Menschen lesen. Im Entstehen ist beim Romaneschreiben, wie bei der Verfilmung, noch so viel ungewiss. Es ist ein Suchen. Man verwirft, macht neu, probiert aus. Es ist nicht einfach da und fertig.

Plötzlich soll ich für eine Ausstellung in Norddeich handschriftliche Texte herausrücken. Leichter fiel es mir, die verschiedenen Übersetzungen hervorzukramen. Ja, da kam auch Autorenstolz auf. Es gibt die Bücher in Sprachen, die ich nicht lesen kann. Chinesisch. Russisch. Türkisch. Rumänisch. Thailändisch. Polnisch. 26 Ausgaben sind eh zu viel für die Vitrinen. Da suchen wir besser die exotischen Buchcover.

Filmrequisiten waren natürlich gefragt. Die Schiwago Filmproduktion, denen ich mein Lebenswerk anvertraut habe, half fleißig mit. Freunde geheimnissten: „Die Ausstellung ist eine Vorstufe zum Museum.“

Die Kunstschule stieg mit ein. Filmaufnahmen wurden mit Bettina und mir auf unserer Terrasse gemacht. Wir sprachen über das Leben und Schreiben in Ostfriesland. Über unsere Abstürze und die späten Siege. Das alles bekam plötzlich etwas durchaus beängstigend Endgültiges. Besser fühlte ich mich, als klar wurde, dass die Ausstellung wachsen soll.

Nein, ich habe sie mir vorher nicht angesehen. Ich fuhr dann mit Bettina erst zur offiziellen Eröffnung hin. Wir standen lange draußen in Norddeich vor der Tür im Dörperweg. Ich traute mich nicht rein, wollte das aber nicht sagen.

Bürgermeister Florian Eiben hielt eine bewegende Rede. Fans waren gekommen und ein paar Pressevertreterinnen. Nein, es fühlte sich für mich nicht an, als sei ich schon gestorben. Und auch Bettina wirkte fröhlich. Ich sah das Leuchten in den Augen vieler Fans und ja, da keimte auch Stolz auf und der Wille und die Hoffnung, noch eine Weile weitermachen zu können. Aufgeladen von der guten Stimmung fuhr ich zurück nach Hause und setzte mich mit einem dicken Block, einem guten Kolbenfüller und einer Kanne Tee auf die Terrasse…

Das Abenteuer geht weiter…