Ostfriesland - Meine ostfriesischen Freunde staunten nur, als sie hörten, dass meine Frau Bettina und ich noch nie bei einem Osterfeuer dabei waren. Nein, kein Feuerchen im Garten sondern am Strand, so dass sich die Flammen auf dem Meer spiegeln.

„Paaskefüür“, nannte mein Nachbar Peter Grendel es, und betonte, man müsse das mal erlebt haben. In der Tat war es sehr eindrucksvoll für uns. Das Feuer haushoch.

Die Kraft der Elemente war zu spüren. Vom Meer her blies ein heftiger Nordwestwind und ließ Funken sprühen. Die Naturgewalten waren auf eine geradezu existentielle Art präsent. Trotz der lustigen Stimmung war es auch ein bisschen unheimlich.

Wir tranken Bier aus Flaschen. Vom Würstchenstand wehte ein Geruch herüber, der mich an verbranntes Fleisch denken ließ und gleich ging der Kriminalschriftsteller mit mir durch.

„Hier leg ich eine Leiche rein,“ sagte ich. Im Kreis meiner Freunde kann ich so etwas ungeschützt sagen. Sie verstehen mich – hoffe ich. Jörg Tapper, mein Lieblingskonditor, nickte mir zu.

„Wir mögen dich trotzdem!“, grinste er. Rita Grendel gab ihm Recht. „Wir sind den Umgang mit Spinnern gewöhnt.“

Noch in der Nacht begann ich den Anfang von „Ostfriesenfeuer“ zu schreiben.

Der Roman erschien, und es wurde der erste Ostfriesenkrimi, der von Null auf Platz 1 in der Spiegelbestsellerliste startete. Ihm sollten viele folgen. Das alles ist gut zehn Jahre her. Und nun wird Ostfriesenfeuer in Norddeich verfilmt. Genau da, wo ich das erste Osterfeuer erleben durfte. Der Regisseur Marcus O. Rosenmüller war sofort von der Idee begeistert, meine ostfriesischen Freunde mit ans Feuer zu holen.

Es war eine irre Situation für mich. Fast surreal. Rita war dabei und die Tappers, Holger Bloem und Angela, aber nun eben auch die Figuren, die ich mir damals nur ausgedacht hatte. Ann Kathrin Klaasen und Frank Weller als frisch verheiratetes Liebespaar. Rupert, der nicht fassen kann, dass Frank sich ins „Eheunglück stürzt“.

Ich lief durch die Szene wie in einem Traum. Viele Fans waren da und beobachteten neugierig den Dreh. Ich hörte Sätze wie: „Genauso habe ich mir das beim Lesen vorgestellt.“ Das Filmteam, bestehend aus 45 hochmotivierten Menschen, wurde durch Spezialeffekt-Fachleute unterstützt, denn es ist gar nicht so einfach, ein Feuer über Stunden auf der gleichen Höhe zu halten. Bei uns soll alles echt sein, nicht digital nachgebessert. Darum stellen wir am liebsten Effekte am Drehort selbst her, statt hinterher am Computer. Ich bilde mir ein, das wirkt sich aus auf den Film.

Das Wetter spielte auch mit. Welch ein unvergesslicher Abend!