Ostfriesland - Lichtkunst und Lichtkünstler haben mich immer fasziniert. Natürlich war ich im „Lichtzauber im Park der Gärten“ in Bad Zwischenahn.

Im Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna – tief unter der Erde – bin ich mal so versunken, dass ich fast meine Lesung versäumt hätte. Oben in der Stadt warteten 250 Gäste im Saal.

Auch die irritierenden Lichtinstallationen von Jan Philip Scheibe auf Langeoog haben mir sehr gefallen.

Trotzdem habe ich es nie geschafft, zu den magischen Lichterwelten in den Lütetsburger Schlosspark zu kommen.

Immer waren Bettina Göschl und ich irgendwo unterwegs auf Bühnen weit weg von Ostfriesland.

Doch diesmal hat es geklappt. Mein Freund und Lieblingskonditor Jörg Tapper blieb hart: „Das müsst ihr sehen, das wird euch gefallen.“

Seine Frau Monika sagte: „Es ist so herrlich mystisch.“

Das erste Licht, das mich beeindruckte, war die rote Lampe, fast wie ein Lichtschwert, die jemand schwenkte, um uns zu sagen, dass der Parkplatz längst voll ist und wir unser Auto gefälligst woanders abstellen sollten.

Beim Golfplatz war das ganz leicht. Wer golft schon im Dunklen?

Ja, es war großartig und Monika hatte recht, es war mystisch.

Die traumhaften Wasserspiegelungen. Die Bäume, die zu brennen schienen oder nach den Besuchern griffen, als seien die Äste zu Armen geworden…

Man geht über einen dunklen Weg, gesäumt von Kerzen, die am Boden eine Orientierung bieten, während plötzlich Stimmen erklingen. Unter Bäumen werden Märchen erzählt.

Dann ist da plötzlich ein Grollen, als würde ein Vulkan ausbrechen und es sieht aus als würde aus dem angeblich höchsten Berg Ostfrieslands – dem Manningaberg – glühende Lava fließen. Immerhin aus elf Metern Höhe. Ein Freund aus Leer vertritt den Standpunkt, der Plytenberg sei einen Meter höher.

Der emotionalen Wirkung dieser Installation tut das keinen Abbruch. Paare umarmen sich oder halten zumindest Händchen.

Etwas geschieht hier im Park mit den Menschen. Die Stimmung ist friedlich, ja andächtig und doch fröhlich.

Sogar der Sternenhimmel macht mit, als hätten Wolfram Lenssen und sein Team ihn in ihre Inszenierung eingebaut.

Für einige ist es ein Lichterrausch. Für andere der Weg nach innen.

Ich weiß, dass es Gegenstimmen gab, man solle jetzt keinen Strom verschwenden. Er wurde nicht verschwendet. Die Energie wurde genutzt.

In schweren Zeiten müssen Menschen sich seelisch stabilisieren. Kunst, auch Lichtkunst, gehört dazu. Musik, Literatur und Kunst wärmen einige Menschen mehr als eine höher eingestellte Heizung. Ich möchte nicht darauf verzichten.

Krieg ist die größte Energieverschwendung und Umweltverschmutzung, nicht die Kunst.