Ostfriesland - Mit Freunden aus dem Westerwald war ich zu einem Frühstück in meinem Lieblingscafé verabredet.
Ein schöner ruhiger Sonntagmorgen. Wir hatten uns lange nicht gesehen und redeten darüber, was Ostfriesland zu so einem besonderen, ja magischen Ort für uns machte.
Wir suchten nach Antworten. Ich bekam richtig Hunger.
Aus Gelsenkirchen kannte ich den Ausdruck: Strammer Max für ein Brot mit Kochschinken und Spiegelei.
Das bestellte ich mir.
Jörg Tapper, der Chef des Cafés, nannte diese Köstlichkeit Bauernkruste. Ich fragte mich, warum es bei ihm so deutlich besser schmeckte, als ich es aus dem Ruhrgebiet in Erinnerung hatte. Lag es an dem roten Pfeffer? Dem Salatblatt? Der Gurke?
„Das beginnt beim Produkt“, sagte Jörg nicht ohne Stolz. „Ich verwende Coldinne Freilandeier aus dem Hofladen in Großheide. Und das schmeckt man halt.“
Viel weiter kam er nicht, denn plötzlich erklang Musik. Ein Spielmannszug näherte sich.
Ich wurde an 1. Mai-Demonstrationen erinnert. Ein Kölner Ehepaar vom Nebentisch rief: „De Zuch kütt!“ Sie liefen gleich zum Schaufenster.
Es war der Tag der Regionen und in der Westerstraße gab es ein großes Fest. Ich hatte mal wieder alles verpasst, weil ich – ganz versunken in den neuen Roman - mit Ann Kathrin Klaasen seit Wochen einen wirklich üblen Verbrecher durch Ostfriesland jagte. Dann verliere ich das Gefühl für die reale Zeit und manchmal auch für den Raum, in dem ich mich befinde. Ich lebe dann mehr im Buch als in der Welt.
Der traditionelle Trecker-Korso rollte am Café vorbei. Darunter einige echt sehens- und hörenswerte Modelle. Auf einem saß der gut gelaunte Bürgermeister Florian Eiben und winkte.
Es gab schön geschmückte Wagen mit Blumen und Gemüse der Region. Mit fröhlichen Kindern. Mit Lachen und Gesang, aber auch Bürgerprotest war spürbar. Mit orange angestrichenen Fahrrädern wurde die Verwirklichung des Fahrradweges zwischen Grimersum und Norden eingefordert.
Jörg Tapper und seine Frau Monika liefen raus.
Ich aß und sah aus dem gemütlichen Inneren des Cafés zu, was draußen geschah.
Jörg und Monika verteilten Süßigkeiten, Gebäck und Leckereien an die Kinder, die im Zug mitfuhren.
Amüsiert spotteten die Kölner: „Bei uns wirft man aus dem Zug Kamelle nach unten – für die Narren auf der Straße.“
Meine Westerwälder Freunde konterten: „Das macht man hier genau andersherum. Hier schmeißt man von unten Kamelle rauf. In Ostfriesland ist eben alles ein bisschen anders.“
Wir sahen uns an und spürten wieder etwas von dieser Magie, die Ostfriesland so besonders macht. Die Energie war spürbar im Raum.
