Ostfriesland - Die Ausstellung „Die Welt der Ostfriesenkrimis“ zieht in Norden auf dem Marktplatz viele Menschen an. Jeden Monat kommen fünf-, sechshundert Literaturinteressierte in den Pavillon und schauen sich die Exponate an.
Es werden Erinnerungsfotos geschossen und man diskutiert über Leseerfahrungen.
Günther Omozik führt auf sehr angenehme Weise fachkundig durch die Ausstellung. Manchmal – immer unangekündigt – tauche ich in den Besuchergruppen auf.
Es ist immer ein großer Spaß. Ich erfahre viel über meine Leserinnen und Leser. Sie erzählen mir von ihren Lieblingsszenen und was sie mit eigenen Erfahrungen zu tun haben. Manchmal gehen die Gespräche nach dem Schluss der Ausstellung in meinem Lieblingscafé weiter.
In der Ausstellung geht es nicht nur um die Romane. Es werden auch Stücke gezeigt, die Fans hergestellt haben, um mich bei der Spendensammlung für das Hospiz am Meer zu unterstützen. Da gibt es den gehäkelten Klaus-Peter als Lesezeichen oder als Figur fürs Buchregal. Tassen und T-Shirts mit Sprüchen aus den Büchern. Sogar Golfbälle mit meinem Gesicht drauf. Natürlich darf einem das komisch vorkommen, und Menschen, die nichts mit der Ostfriesenkrimiwelt zu tun haben, finden es vermutlich befremdlich, aber all diese Artikel kann man nicht kaufen. Man bekommt sie lediglich gegen eine Spende fürs Hospiz, dessen Schirmherr ich bin. Natürlich steht in der Ausstellung – von den Fans Museum genannt – auch immer eine Spendenbox. Die war gut gefüllt, als Jugendliche hereinkamen, Günther ablenkten und einer mit der Box wegrannte.
Sofort wurde die Polizei informiert.
Die Inspektion ist ja direkt gegenüber. Auch das schien die Täter wenig zu beeindrucken.
Der Zorn in der Bevölkerung war groß.
Dem Hospiz die Spendenbox zu rauben, das ist wie sterbende Menschen zu beklauen. Wer so etwas macht, darf auf wenig Verständnis und Mitgefühl hoffen. Mein ostfriesischer Onkel Warfsmann sagte gern: „Es gibt Menschen, die machen aus jeder Wüste einen Garten. Und es gibt die, die aus jedem Garten eine Wüste machen.“ Letzte haben wohl in Norden zugeschlagen.
Bei den literarisch-musikalischen Krimiabenden, die ich mit Bettina Göschl gestalte, habe ich von dem unverschämten Vorfall erzählt. Wie immer hatte ich eine Spendenbox dabei.
Oft werfen Gäste Geldscheine in die Kiste, weil sie durch persönliche Betroffenheit wissen, wie wichtig es ist, einen Ort für ein würdiges Leben bis zum letzten Atemzug zu haben. Andere wollen einfach eine gute Sache unterstützen, weil sie dankbar sind, dass es ihnen selbst so gut geht. Nie zuvor sah ich Menschen aus Wut spenden. Aber jetzt…
