Ostfriesland - Bei vielen Begegnungen in Schulen stelle ich fest, dass es Kinder gibt, die noch nie in ihrem Leben in einer Buchhandlung waren. Meist ist es bei ihren Eltern nicht anders. Sie lesen durchaus, haben ihre Lieblingsautoren, aber eben auch eine reflexhafte Scheu vor Buchhandlungstüren. Sie kaufen ihre Bücher lieber in Kaufhäusern, am Kiosk oder in Tankstellen.
Ich selbst liebe es, in Buchhandlungen zu stöbern. Ich lasse mich dort inspirieren, blättere, suche gute erste Sätze und lese mich fest. Nur selten verlasse ich einen Laden, ohne ein Buch gekauft zu haben, von dessen Existenz ich vorher noch gar keine Ahnung hatte.
Buchhandlungen sind für mich unverzichtbare Tankstellen für Geist und Seele.
Hunderte habe ich im Laufe meines Lebens besucht. Wenn ein neuer Roman erschienen ist, signiere ich den Buchhändlerinnen oft alle Exemplare, die sie im Geschäft haben. So war es jetzt wieder beim „WeihnachtsmannKiller“. In Ostfriesland freuen sich die Buchhändlerinnen, wenn ich reinkomme, meist gibt es sogar einen spontanen Kaffee und ein Pläuschchen zu aktuellen Fragen der Literatur.
Durch meine ausgedehnten Lesereisen komme ich glücklicherweise im ganzen Land in Buchläden.
Da kann man auch komische Erfahrungen sammeln. Gerade war ich in Hamburg. In einer Buchhandlung gab es ein extra Regal für Ostfriesenkrimis und nach einem fröhlichen „Hallo!“ habe ich gut zwei Dutzend Romane signiert. Ich wurde gefragt, ob ich nicht morgen noch einmal wiederkommen könnte, denn sie rechneten mit einer erneuten Lieferung des „WeihnachtsmannKiller“.
Zweihundert Meter weiter gab es noch eine Buchhandlung.
Klar, ging ich auch dort rein. Die Atmosphäre war nicht ganz so freundlich und weltoffen. Ich fühlte mich nicht so recht willkommen. Als ich in einem Buch blätterte, wurde ich kritisch beäugt.
Vielleicht hielt man mich für einen Dieb.
Ich versuchte, das Eis zu brechen und stellte mich vor. Immerhin gehörte mein neuer Roman seit sieben Wochen zu den zehn meistverkauften Büchern im Land. Das gab mir ein gewisses Selbstbewusstsein.
Nachdem ich meinen Namen genannt hatte, machte ich noch ein freundliches Angebot: „Ich signiere Ihnen gerne ein paar meiner Romane – wenn Sie welche vorrätig haben.“
Die hochnäsige Antwort illustrierte mir, warum viele Menschen davor zurückscheuen, so einen Bildungsbunker zu betreten: „Wir sind eine literarische Buchhandlung.“
Ich fühlte mich abgekanzelt und abgewertet. Ich fragte: „Haben Sie etwas von mir gelesen, das Sie enttäuscht hat?“
„Nein. So etwas lese ich nicht.“
Um eine Erkenntnis reicher verließ ich diese Hochburg der Kultur und fuhr zurück nach Ostfriesland.
