Ostfriesland - Leseförderung und Literaturvermittlung waren mir immer eine Herzensangelegenheit. Neulich habe ich meine achttausendste Autorenbegegnung in einer Schulklasse erleben dürfen.
Es war in der Schweiz, in Luzern. Jugendliche, die gerade noch Lesen uncool fanden, wollten sich plötzlich einen Roman signieren lassen. Ja, Literaturbegeisterung verbreitet sich wie ein Virus. Ist ansteckend. Ein, zwei gute Bücher und schon hängt man ein Leben lang dran. Die Ansteckung sollte ganz früh beginnen. Deshalb bin ich so viel in Schulen.
Lehrerzimmer sind für mich – sozusagen – backstage.
In einem Schweizer Lehrerzimmer wurde ich gefragt, ob ich die deutsche Literaturkritik bei der Leseförderung als hilfreich empfände. Ich musste lachen.
Ich erzählte von Denis Scheck, der in der ARD Sendung Druckfrisch Bücher, die ihm nicht gefallen, über Rollbänder in den Müll wirft.
„Ach?!“, staunte ein Luzerner Germanist: „Ist es bei Euch schon wieder soweit?“ „Nein“, sagte ich. „Das ist nicht politisch. Es ist nur dumm. Geschichtsvergessen. Da heischt einer um Aufmerksamkeit.“
Zurück in Ostfriesland erlebte ich die große Freude, dass mein neuer Roman: „Der WeihnachtsmannKiller“ reißenden Absatz fand. Fünf Auflagen wurden in fünf Tagen gedruckt, damit der Roman weiter lieferbar blieb.
Denis Scheck, der häufig die von Textkenntnis befreite Literaturkritik pflegt, sagt gern verallgemeinernde Sätze wie: „Der Regionalkrimi ist die Pest der deutschen Literatur.“ Er warf auch meinen Roman über das Rollband in den Abfall.
Es war nicht gerade ein Beitrag zur Leseförderung, eher eine Beschimpfung von zigtausend Leserinnen und Lesern. Auf mich wirkte die alberne Show wie eine Satire auf eine schlechtgemachte Literatursendung.
Es war aber ernst gemeint.
Ich denke, in einem Land in dem einmal Bücher verbrannt wurden, sollten anständige Menschen keine Bücher öffentlich in die Tonne kloppen.
Mich erreichte noch in der Nacht eine Flut von unterstützender Leserpost. Einige befürchteten wohl, ich könne depressiv werden oder gar gekränkt aufhören zu schreiben. Stattdessen verfasste ich bis zum Morgengrauen ein neues Romankapitel. Dann fuhr ich in mein Norder Lieblings-Café und frühstückte ausgiebig mit meinem Freund, dem Konditormeister Jörg Tapper. Fans kamen ins Café und wollten mich trösten. Jörg bekam das mit und fragte: „Wer ist denn Denis Scheck?“
Ich holte zu einer Erklärung aus. Jörg lachte sein homerisches Lachen.
„Der ist nur sauer, weil deine Romane mehr Leser haben als seine nächtliche Nischensendung Zuschauer.“
Ich gebe zu, das hat mir gutgetan.
