Die Krummhörner Liste Greetsiel, KLG, hat eine bewegte Geschichte und ist heute die kleinste Gruppe im Gemeinderat. Aber mit großer Bedeutung, meint KLG-Gemeinderat Enno Cornelius. Das 72-jährige Gründungsmitglied erklärt, was nach Ansicht der KLG schiefläuft, und was man sich wünscht.
Die Krummhörner Liste Greetsiel, KLG, hat eine bewegte Geschichte und ist heute die kleinste Gruppe im Gemeinderat. Aber mit großer Bedeutung, meint KLG-Gemeinderat Enno Cornelius. Das 72-jährige Gründungsmitglied erklärt, was nach Ansicht der KLG schiefläuft, und was man sich wünscht.Die KLG ist 1998 mal aus Protest gegründet worden, war also mal eine Protest-Wählergruppe. Sehen Sie sich heute noch so?
Cornelius Aus meiner Sicht besteht diese Notwendigkeit noch. Unrecht gibt es ja immer auf dieser Welt, auch in Kommunen wie der Krummhörn. Gegen erkanntes Unrecht muss man sich wehren oder etwas in die richtigen Bahnen lenken. Wir machen nicht aus Jux und Dollerei Protest, sondern wollen Unrecht abwehren, wie es im Gemeinderat auch geschehen kann. Wobei wir im Gemeinderat zu 90 Prozent gemeinsame Beschlüsse gefasst haben, aber es kann besser werden, wenn man transparenter und offener miteinander umgeht.
Wo sehen Sie denn aktuellen Anlass für eine Protestgruppierung, aktiv zu werden?
Die KLG ist heute keine Protestgruppierung mehr, sondern eine Wählergruppe, die aktiv mitarbeitet und eine wichtige Säule im Gemeinderat ist. Ich meine, dass die kräftige Säule KLG gebraucht wird, um etwa die Interessen zu bündeln und die Parteien vernünftig zusammenführt.
Sie sind jetzt fünf Jahre in der Allianz aktiv, und die KLG ist darin die kleinste Gruppe...
...die kleinste Gruppe, aber beste Erfolge.
Worin sehen Sie die Erfolge?
CorneliusEin Erfolg ist, dass man miteinander redet. Niemand im Gemeinderat ist unser Feind, sondern vielmehr ein Mitspieler. So müssen wir versuchen, die Ziele zu erreichen. Wir brauchen keinen Streit, sondern wir brauchen Lösungen.
Apropos Lösungen. Es sind einige wichtige Themen offen in der Krummhörn. Stichworte: Grundschule Jennelt, neuerdings die Grundschule Greetsiel, Feuerwehrbedarfsplan. Würden Sie sagen, dass die vergangenen fünf Jahre erfolgreich waren?
Ja. Im Prinzip schon, aber schauen Sie mal auf die Feuerwehren. Die Holländer bauen in fünf Jahren ein ganzes Kraftwerk, aber bei uns dauert es wegen der vielen Vorschriften viel länger. Das ist nicht böser Wille, sondern einfach der Ablauf in den Verwaltungen.
Jeder meint, wichtig zu sein und will beachtet werden. Das dauert. Schauen Sie mal: Bis ein Flächennutzungsplan und ein Bebauungsplan durch sind, dauert es fünf, sechs Jahre. Das ist mitunter unerträglich.
Wie steht denn die KLG zu den Schulfragen? Die werfen seit langer Zeit eine Bugwelle auf, aber es kommt kein Schiff hinterher.
Also, wir wollen ja das Beste, und es soll keiner zurückstecken. Aber wir sollten den Deckel mal aufmachen und schauen: Was ist da überhaupt drin? Wenn ich zum Beispiel nach Greetsiel schaue: Dort werden jetzt vier Kinder aus Greetsiel eingeschult, zwei aus Pilsum und zwei Kinder aus Manslagt kommen nach Greetsiel. Das sind acht, die Schule ist ausgelegt für 180 Kinder, und ich glaube wir haben nur 60 oder 65 Kinder dort. Damit will ich die Schule nicht in Frage stellen.
Aber es gibt andere Themen. Was wir brauchen, sind Wohnungen zu bezahlbaren Preisen, auch Bauplätze zu bezahlbaren Preisen. Dann brauche ich Kindergärten, Schulen, Ausbildungsplätze und Arbeitsplätze: Damit bekomme ich junge Leute. Und allgemein gilt das Problem, dass sich die Leute nicht mehr in ihren Orten engagieren.
Was würden Sie denn machen, damit die Leute sich wieder mehr in ihren Dörfern engagieren?
Es ist wichtig, die bestehenden Initiativen wie die Vereine und Feuerwehren zu unterstützen und sie einzubeziehen: Wie kann man das Dorf beleben? Auch der Tourismus sollte entzerrt werden. Das bedeutet, dass man außer Greetsiel die anderen Dörfer mit einbezieht, Veranstaltungen schaffen. Es ist eine andere Zeit, und es würde sich lohnen, gemeinsam neue Initiativen zu schaffen, die junge Leute ansprechen. Der Nachwuchs fehlt überall.
Eine Frage noch, die Gretchenfrage: Soll die Grundschule in Jennelt neu gebaut oder saniert werden?
Lehrer, Eltern und Politiker sollten gemeinsam rausfinden: Was brauchen wir? Danach wird ein Architekten-Wettbewerb ausgeschrieben, und wir schauen uns die Antworten an: Was schlagen die Experten vor? Es soll etwas ganz Tolles sein für die Kinder, aber wir müssen schauen, ob dafür ein Neubau gebraucht wird. Was das Beste ist, weiß ich jetzt noch nicht.
