Krummhörn - Krummhörns Bürgermeister Frank Baumann (SPD) geht in die Offensive. Er will nach neuen Vorwürfen bei der Vergabe um Baugrundstücke im neuen Greetsieler Baugebiet Grachten II die Kommunalaufsicht einschalten. Zuletzt hatten vier Krummhörner Ratspolitiker, Helmut Roß (HaRo), Roelf Odens (CDU), Reiner Willms (SWK) und Enno Cornelius (KLG), scharf kritisiert, dass der Bürgermeisterkandidat und Bauplatzbewerber Alfred Jacobsen (SPD) an Sitzungen des nichtöffentlichen Verwaltungsausschusses (VA) teilgenommen hatte, in der die Bauplatzvergabe auf der Tagesordnung stand.
In einer E-Mail ans Rathaus kritisieren die vier Ratspolitiker die Teilnahme Jacobsens scharf. Sie werfen dem Bürgermeister vor, er habe seine Dienstpflicht vernachlässigt, weil er Jacobsen nicht hinaus bat, obwohl die vier Politiker mehrfach drauf hingewiesen hätten, dass Greetsiels Ortsvorsteher unmittelbar betroffen ist. Genau in diesem Punkt sieht Frank Baumann aber gar kein Problem, teilte er auf Nachfrage dieser Zeitung mit.
Das Baugebiet Grachten II im Südwesten Greetsiels umfasst etwa 110 Bauplätze. Davon werden rund 40 Grundstück zu einem vergünstigten Preis von 99 Euro pro Quadratmeter angeboten. Der Rest kostet über 200 Euro pro Quadratmeter.
Die vergünstigten Bauplätze sind für Einheimische. Vor allem Jüngere sollten bedacht werden, so die Politik. Tatsächlich sind bei den bisher vergebenen 28 Grundstücken 24 Käufer unter 40 Jahre alt. Nur vier sind älter sind 50. Das Durchschnittsalter liegt bei 30, so die Verwaltung.
Alfred Jacobsen (SPD) wird kritisiert, weil er einer der vier älteren Bewerber ist. Er hatte sich in einem Punktesystem zur Grundstücksvergabe durchgesetzt. Tatsächlich kam das Punktesystem erst in einem zweiten Schritt zur Anwendung. Im ersten haben alle Bewerber, die bereits mindestens fünf Jahre in der Gemeinde wohnen und kein Wohneigentum besitzen, ihren Bauplatz erhalten. Er wehrt sich gegen die Vorwürfe, weil er keinem Menschen den Bauplatz weggenommen habe.
Denn die von den Kritikern angesprochene Sitzung am 19. August habe gar nicht die Vergabe der Baugrundstücke zum Thema gehabt. Dort sei es einzig und allein um die Rechtmäßigkeit der Bewerberangaben gegangen. Ein „Handlungsverbot“ für Jacobsen sei in dieser Hinsicht nicht nötig, so der Bürgermeister. Diesen Punkt möchte er nun in Aurich klären lassen.
Tatsächlich war in dieser Hinsicht eine nichtöffentliche Sitzung des Verwaltungsausschusses am 13. Juli sehr viel spannender. Denn bereits in dieser Sitzung sei die Vergabe der Baugrundstücke von der Politik vorgenommen worden. Auch an dieser Sitzung nahm Jacobsen teil. Ein Punkt, den er inzwischen selber „als Fehler“ sieht, wie er gegenüber dieser Zeitung sagte. Allerdings ist zurzeit unklar, welchen Einfluss Jacobsens Teilnahme an dieser Sitzung hatte. Denn die Entscheidung der Mitglieder des VA, in dem neben Jacobsen auch die vier Kritiker, Helmut Roß, Roelf Odens, Reiner Willms und Enno Cornelius, stimmberechtigt sitzen, fiel einstimmig.
Weitere Kritik der vier Ratsherrn betrifft die Datenübermittlung der Gemeinde Krummhörn an die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG) als Erschließungsträgerin des Baugebiets. Wie die Verwaltung einräumte, hatte sie die auserkorenen Bauplatzkandidaten der NLG bereits mitgeteilt, bevor die Politik in einer dritten, nichtöffentlichen Sitzung am 26. August Gelegenheit hatte, die Daten noch mal zu überprüfen. Nun fordern Roß, Odens und Co., dass die Gemeinde keine Infos mehr an die NLG übermittelt, bevor sie von der Politik abgenommen sind. Alle bereits übermittelten Daten müssten für ungültig deklariert werden, so die Kritiker.
In dieser Sache herrscht zurzeit noch Unklarheit im Rathaus, welche Konsequenzen daraus erfolgen, hieß es aus der Verwaltung gegenüber dieser Zeitung.
