Krummhörn - Fiese Nachrichten auf dem Smartphone-Display sind kein fernes Phänomen mehr, auch in der Gemeinde Krummhörn soll es selbst an Grundschulen bereits vereinzelte Fälle gegeben haben. Bisher konnten die Schulen zwar erfolgreich intervenieren, vor allem Eltern stellt das digitale Geschehen aber vor Herausforderungen. Kuno Erdmann ist Lehrer an der Berufsbildenden Schulen 1 in Emden, er ist aber auch Krummhörner Schiedsmann und kennt über den Austausch mit seinen Amtskollegen Fälle. Er gibt Tipps.
Was ist eigentlich Cybermobbing ?
Der Begriff Mobbing wird mitunter vorschnell verwandt. Tatsächlich ist von Mobbing die Rede, wenn beleidigende, ehrverletzenden Äußerungen oder Handlungen in Word oder Bild von einer Person oder einer Gruppe gegenüber einem Opfer über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden. Eine einzelne Beleidigung ist zwar unschön, aber kein Mobbing. „Trotzdem gilt natürlich: Eine Beleidigung ist eine Beleidigung und kann strafrechtliche Folgen haben“, sagt der Schiedsmann.
Cybermobbing verlagert solche Probleme ins Internet. Beleidigungen werden also etwa via Messenger-Dienste wie WhatsApp oder per Video via TikTok verbreitet. Besonders problematisch: Digitale Inhalte lassen sich nicht so einfach aus der Welt schaffen, sondern können digital noch weiter bestehen, wenn Täter und Opfer längst Frieden geschlossen haben.
Woran erkennen Eltern Probleme ?
„Mobbing ist auf Dauer zermürbend“, sagt Erdtmann. Typische Alarmsignale, an denen Eltern Probleme erahnen können, seien auffällige Verhaltensänderungen ihres Nachwuchses. „Wenn ein Kind leidet, wird es häufig sehr viel verschlossener, zieht sich zurück, möchte vielleicht seine Freunde nicht mehr treffen“, zählt er auf. Auch das spürbare Absacken von Schulnoten könne ein Alarmsignal für ein Problem sein.
Wie verhalten sich Eltern in solchen Fällen ?
Kindern seien die Attacken häufig unangenehm und peinlich. Deswegen sei es üblich, dass Kinder nicht sofort bei ihren Eltern Hilfe erbitten würden. Für Eltern sei es gerade deshalb so wichtig, dem Kind den Rücken zu stärken und eine vertrauensvolle Basis innerhalb der Familie zu haben. Finden umgekehrt Kinder bei ihren Eltern keinen Rückhalt, könnten etwa auch Vertrauenslehrer oder Jugendbetreuer eine Anlaufstelle sein.
Was können Eltern tun ?
Das hängt sehr vom Fall ab. Wichtig sei zu unterscheiden, wo die Attacken stattfinden. Wenn etwa auf dem Pausenhof beleidigende WhatsApp-Nachrichten verschickt werden, ist die Schule zuständig. Eltern sollten sich entsprechend an Lehrer wenden. Dann könne die Schule entsprechende Schritte einleiten, mit Schülern sprechen, im Zweifelsfall Klassenkonferenzen einberufen oder als letztes Mittel einen Schulverweis aussprechen. Anders sieht es bei Attacken außerhalb der Schule aus. Eltern können das Gespräch mit den anderen Eltern suchen. „Das löst häufig schon die Probleme, weil den Eltern von mobbenden Kindern die Taten ihres Nachwuchses gar nicht bekannt sind.“ Es helfe also, sich die häusliche Situation des Täters anzuschauen.
Nutzt das nichts, können Eltern den Gang zur Polizei oder zum Schiedsmann antreten. Auf gar keinen Fall sollten Eltern eigenmächtig ein mobbendes Kind zur Rede stellen, das verhärte im Normalfall nur die Fronten. „Solche Gespräche müssen auf Augenhöhe stattfinden, ein Erwachsener gegen ein Kind geht nicht“, sagt Erdtmann.
Wie hilft ein Schiedsmann ?
Er lädt beide Parteien zu einem offiziellen Termin vor. Dieser offizielle Rahmen helfe häufig bereits enorm, Eindruck bei Tätern zu erwecken. Geht alles glatt, steht am Ende der Verhandlung eine für 30 Jahre rechtlich-bindende Vereinbarung. Ein entsprechendes Schriftstück können nicht nur Erwachsene erwirken, sondern eben auch Kinder. Übrigens auch gegen Erwachsene, falls notwendig. Kommt es zu keiner Einigung, öffnet es den Weg in Richtung höherer Instanzen wie dem Amtsgericht.
Was können Eltern noch für ihre Kinder tun ?
„Kinder und Jugendliche haben noch keine ausdefinierte Persönlichkeit“, sagt der Pädagoge. Da können Eltern helfen. Sie stärkten die Resilienz, also die geistige Widerstandskraft, ihres Nachwuchses bereits, wenn sie dem Kind zeigten, dass sie es ernst nehmen. Dazu gehören Zuhören, „aber auch offen über Probleme reden, selbst wenn sie peinlich sind“. Werde der Druck etwa in der Schule zu groß und es gäbe gar keine Abhilfe, sollten Eltern auch vor einem Schulwechsel nicht zurückschrecken, um ihrem Kind zu helfen. „Aber nur, wenn es gar nicht anders geht.“
