Pewsum - Die Maibaumfeier 2019 war der größte Triumph der Pewsumer Ortsvorsteher Sonja Heyen und Johann Schüller. An anderen Baustellen geht es in Pewsum hingegen weniger voran. Warum eigentlich? Und was macht den größten Ort der Krummhörn trotzdem lebenswert?

Frau Heyen, warum sollte man in Pewsum wohnen?

Sonja HeyenAusschlaggebend ist, dass wir alles vor Ort haben. Außer einem Hals-Nasen-Ohrenarzt oder einem Augenarzt gibt es hier alles. Und das ohne Auto. Vor allem für die Kleinen und die Älteren. Die Baugebiete sind gut aufgeteilt und liegen zentrumsnah.

Da haben Sie zwei Punkte angesprochen, die Älteren und das Thema Bauen. Es gibt einen SPD-Antrag zum Thema seniorengerechter Wohnungsbau. Herr Schüller, Sie haben diesen Antrag eingereicht. Wo sollten diese Wohnungen eigentlich hin?

Johann SchüllerEs gibt schon einige Überlegungen von uns, die gerade geprüft werden. Ideen sind beispielsweise auf dem Gelände des ehemaligen Edeka-Marktes beim geplanten Ärztehaus, die zweite Option ist der Schnedermannplatz. Am Rande diskutiert wurde noch das Gebäude der ehemaligen Videothek Schumann. Da denke ich aber, dass dort besser Geschäfte und im Obergeschoss vielleicht Wohnungen entstehen sollten. Die vierte Option wäre beim Marienpark in Woquard.

Wäre Woquard nicht schon zu weit weg, wenn es doch zentrumsnah sein soll?

Johann SchüllerTatsächlich ist Woquard nach meiner Meinung keine gute Alternative. Der Gedanke kam nur, weil wir dort bereits den Marienpark haben.

Sie haben die ehemalige Videothek Schumann erwähnt und sagten, dort sollten eher Geschäfte entstehen. Was schwebt Ihnen da vor?

Johann SchüllerÜber konkrete Branchen haben wir nicht gesprochen. Aber nehmen wir das ehemalige Rathausgelände, wo sich diverse kleinere Geschäfte ansiedeln sollen. So etwas wäre in dem Gebäude auch denkbar. Vielleicht ein Bäcker, ein kleiner Schuhladen oder andere kleine Shops.

Zur Person

Sonja Heyen ist 51 Jahre alt, verheiratet, hat einen Sohn und eine Tochter sowie einen Enkel. Sie hat ihr gesamtes Leben in Pewsum gewohnt.

Gelernt hat sie Steuerfachgehilfin. Aktuell arbeitet sie bei einer Physiopraxis in der Rezeption. Seit 2018 ist sie Ortsvorsteherin in Pewsum.

Johann Schüller ist 70 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Töchter und zwei Enkel. Er kommt gebürtig aus Pilsum, wohnt seit 51 Jahren in Pewsum.

Er hat Einzelhandelskaufmann gelernt und nach der Lehre bei VW gearbeitet. Seit 2018 ist er stellvertretender Ortsvorsteher.

Sonja HeyenWas wir vor vielen Jahren im Dorfkern noch hatten und gut besucht wurde, war ein Blumenshop und ein Wollladen. Solche Geschäfte würden die Attraktivität des Ortskerns steigern. Aktuell laufen viele Urlauber durch den Ort und sehen nur, was alles geschlossen ist. Es gibt zu wenig, wo man eben reingehen und gucken kann.

Könnten sich solche Geschäfte denn überhaupt halten?

Sonja HeyenDas ist die Frage. Das müssten schon Menschen sein, die sehr viel Mut haben, und das vielleicht im Nebenerwerb machen. Als Haupterwerb wird es wahrscheinlich schwierig.

Müsste die Gemeinde Existenzgründer stärker unterstützen in Form einer Wirtschaftsförderung?

Johann SchüllerEs gibt ja überall Fördertöpfe. Für private und öffentliche. Da muss die Gemeinde auch am Ball bleiben, diese Töpfe anzuzapfen. Nur, unser Problem sind doch die politischen Veränderungen. Wir könnten in Pewsum schon weiter sein.

Sie sprechen vom beschlossenen und dann per Bürgerbegehren gekippten Kulturhaus.

Johann SchüllerGenau. Das Kulturhaus wurde verhindert, der Kunstrasenplatz wurde verhindert, obwohl der schon viele Jahre lang dringend notwendig ist. Das ganze Geld war gesichert, die Zuschüsse waren da – und dann wurden diese Maßnahmen verhindert. Also: Die Fördertöpfe sind da. Wir müssen das Geld nur holen.

Nun versprach sich die Verwaltung vom neuen Edeka-Markt und dem Kulturhaus eine Belebung des Ortskerns. Jetzt sind zwar mehr Menschen im Ort, aber trotzdem ist seit der Edeka-Eröffnung auch nicht mehr viel geschehen.

Sonja HeyenSo weit ich weiß, war zwischen der Pizzeria und dem Versicherungsbüro ein Bäcker im Gespräch. Die Planung scheint aber wegen der Pandemie auf Eis zu liegen.

Johann SchüllerWeitere Bestrebungen gehen in Richtung Sportplatz. Blume Ideal will dort ja ein Gartencenter eröffnen und dann sollen auch andere Geschäfte die Möglichkeit haben, ein kleines Gewerbegebiet um Edeka herum zu entwickeln.

Eine Örtlichkeit, wo es auch nicht voran zu gehen scheint, ist die Rathausstraße. Gegenüber vom Rathaus sind seit Jahren Bauschilder zu sehen, aber Steine werden da nicht gestapelt. Was ist da los?

Sonja HeyenIch habe ein paar mal mit der Firma telefoniert. Im Spätsommer kam der Bagger zum Abreißen. Im Herbst gab es dann noch mal Bewegung, als Erde weggefahren wurde. Seitdem ist nichts mehr passiert.

Werden Sie noch mal anrufen?

Sonja HeyenIch denke, ja. Es muss sichtbar sein, dass hier etwas passiert.

Peter Saathoff
Peter Saathoff Emder Zeitung