Krummhörn - Noch sind sie einige Monate entfernt, in den Gedanken von Politik und Verwaltung spielen die Wohnmobilisten allerdings bereits eine Rolle. In den beiden vergangenen Jahren kam es jeweils im Frühling zu einem Ansturm von Campern, der in chaotischen Verkehrssituationen in und um Greetsiel resultierte. Die Freie Bürgerliste (fbl) hat schon mal klar gestellt, wo sie keine weiteren Wohnmobilstellplätze sehen möchte, nämlich auf dem ehemaligen Greetland-Gelände.
Hier sollen auch zukünftig keine Wohnmobile hin: das ehemalige „Greetland“-Gelände mit der zurzeit immer noch gesperrten Brücke. Bild: Saathoff
Die Greetland-Fläche als Ausweichquartier
Möchte den Tourismus aus Greetsiel entzerren und keine Wohnmobile auf dem ehemaligen „Greetland“-Gelände sehen: Heiko Ringena, Fraktionschef der Freien Bürgerliste. Bild: privat
Die Nutzung dieser Fläche war 2021 als Idee aufgetaucht, als die Wohnmobile wieder da waren. Schon da war aber unklar, ob die Fläche dafür überhaupt infrage käme. Vor allem die gesperrte Brücke, die zum Gelände führt, wurde von Kritikern angeführt. Heiko Ringena, Fraktionschef der Freien Bürgerliste, erteilte nun entsprechenden Überlegungen eine deutliche Absage. „Die fbl stellt sich gegen jegliche Nutzung der Greetlandfläche“, teilte er in einer Pressemitteilung mit. Jederlei Bebauung dieser Fläche werde sich die Freie Bürgerliste widersetzen, so Ringena. Das betreffe neben Bebauung eben auch die Wohnmobilisten. Weitere Stellplätze für sie könnten, schlug Ringena vor, allenfalls auf dem vorhandenen Parkplatz am Trockenstrand von Upleward eingerichtet werden.
Landwirte könnten bei den Stellplätzen helfen
Einer, der zur Eile bei diesem Thema drängt, ist SPD-Fraktionschef Alfred Jacobsen, ehemaliger Ortsvorsteher von Greetsiel und als solcher von der Zunahme an Wohnmobilisten in Greetsiel direkt betroffen. „Ich will 2022 nicht zum dritten Mal hören, dass wir völlig überrascht wurden von den Wohnmobilisten“, hatte er bereits vor einigen Wochen gegenüber dieser Zeitung erklärt. Das gilt immer noch.
Sein Ansatz: Stellplätze für Camper müssten über das gesamte Gemeindegebiet verteilt werden. Er schlägt vor, mit den Landwirten zusammenzuarbeiten. Sie könnten mit Unterstützung der Gemeinde ungenutzte Flächen herrichten und Versorgungsanlagen in ungenutzten Gebäuden unterbringen.
Camper für Campen als weiteren Standort
Einen weiteren Ansatz verfolgt Campens neuer Ortsvorsteher Joachim Kah (SPD). Er tendiert in Ringenas Richtung, reicht aber zwei Kilometer weiter südlich, nämlich statt nach Upleward nach Campen. Er hatte für einen Stellplatz zwischen Upleward und Campen geworben. Der Hintergedanke: Campen solle generell mehr vom Tourismus profitieren, um Sehenswürdigkeiten wie den Campener Leuchtturm oder das Landwirtschaftliche Museum auch zu stärken.
Weiterer Platz in Greetsiel geplant
Berichtet über Ideen für einen weiteren Wohnmobilhafen in Greetsiel: Krummhörns Pressesprecher Fritz Harders. Bild: Archiv
Das Rathaus verfolgt zurzeit andere Pläne. Sie richten aktuell den bestehenden Wohnmobilstellplatz an der roten Zwillingsmühle in Greetsiel her. 55 Wohnmobile kommen hier unter. Der Platz weise aber Mängel auf und sei arg strapaziert worden, teilte Pressesprecher Fritz Harders mit. Der solle nun für die Gäste wieder attraktiv gestaltet werden. Das solle es aber noch nicht gewesen sein. Es gebe zusätzlich Pläne, an anderer Stelle in Greetsiel einen weiteren Wohnmobilhafen anzulegen. Konkret Greifbares gebe es in dieser Hinsicht aber noch nicht zu vermelden.
Bei fbl-Politiker Ringena mögen solche Ideen für hochgezogene Augenbrauen sorgen. Er verweist auf das von der Freien Bürgerliste initiierte und 2013 erarbeitete touristische Leitbild der Gemeinde Krummhörn. Es sieht eine Entzerrung des touristischen Andrangs auf Greetsiel vor. Ein Ansatz, auf dem die fbl auch weiterhin beharrt.
„Steigerungen kann es hier nicht geben“, findet Ringena. „Immer mehr“ sei ein völlig falscher Ansatz. Auch andere Parteien hatten sich im Wahlkampf immer wieder kritisch gegenüber dem touristischen Andrang auf Greetsiel geäußert.
So oder so: Finalisiert ist noch nichts – aber die Zeit läuft.
