Krummhörn - Eine Ampelanlage an der Grundschule Jennelt oder an der Kreuzung Manningastraße/Möhlenhörn in Pewsum? Das ist grundsätzlich möglich, sagt Michael Körber von der Landesstraßenbaubehörde in Aurich, auch wenn eine Verkehrszählung zu einem anderen Ergebnis käme. Zuletzt gab es Kritik aus Teilen der Krummhörner Politik an den Verkehrszählungen. Der Vorwurf: Die Behörde zähle zu Zeiten, in denen es deutlich weniger Autoverkehr gäbe als zu Spitzenzeiten. Dagegen wehrt sich die Behörde. Ganz im Gegenteil: Die Gemeinde könne selber dafür sorgen, dass an den zuletzt diskutierten Punkten in Pewsum und Jennelt Fußgänger zukünftig leichter über die Straße kämen.
Was kann die Gemeinde tun, um eine Ampel zu bekommen ?
Ganz einfach: Sie kaufen. Tatsächlich können öffentliche Verwaltungen bei der Landesstraßenbehörde einen Antrag auf den Kauf einer Ampel stellen, sagt Körber, wenn die Ergebnisse der Verkehrszählungen allein nicht ausreichen. Die Kosten für eine Ampel liegen im mittleren fünfstelligen Bereich. Dazu kommen Kosten für die Wartung der Anlage. Ergeben Verkehrszählungen ausreichende Zahlen, übernehmen Bund oder Land die Kosten, je nachdem, ob es sich um eine Bundes- oder um eine Landesstraße handelt.
Wie wird überhaupt gezählt ?
Mehrstufig ist das Verfahren. Im ersten Schritt misst die Behörde über eine Woche die Zahl der Autos und Lkw. Der Termin für die Messung liege meistens in einem Zeitfenster, in dem in Nordrhein-Westfalen bereits Sommerferien herrschen, niedersächsische Schüler aber noch die Klassenzimmer bevölkern, sodass von einer hohen Verkehrsdichte ausgegangen werden könne, so Körber. Der genaue Termin werde mit der jeweiligen Gemeinde abgesprochen. Für das anschließende Ergebnis wird die sogenannte Spitzenstunde gewertet, also die 60 Minuten, in denen die meisten Autos und Lastkraftwagen die Straße befuhren.
Liegt der Wert hoch genug, dann werden in einer zweiten Zählung die Fußgänger gezählt, die über die Straße gehen. Das geschieht dann händisch.
Welche Werte müssen erreicht werden ?
Bei den Kraftfahrzeugen sind es 750, die in der Spitzenstunde die Straße nutzen müssen. Die Zahl der Fußgängerquerungen liegt regulär bei 50. Für Stellen, an denen „besonders schutzbedürftige Personen“ über die Straße gelangen möchten, reicht bereits ein reduzierter Wert von 30 Querungen. Als besonders schutzbedürftig gelten Kinder oder auch Senioren. Übrigens: Ob es eine Ampel, einen Zebrastreifen oder eine Querungshilfe gibt, ist nicht von den Querungszahlen abhängig. Die sind in jedem Fall gleich. Besonders beliebt bei Eltern seien allerdings Ampeln, weiß Körber.
Wann wurde das letzte Mal gezählt ?
In der Krummhörn fanden die vergangenen Verkehrszählungen in den Jahren 2015 statt, sagte Körber. Für Pewsum gab es 2020 einen weiteren Anlauf, der pandemiebedingt aber zu keinen verwertbaren Zahlen führte, ergänzte der Landkreis gegenüber dieser Zeitung. In Jennelt werde aktuell gezählt. Ansonsten seien an die Behörde keine weitere Forderung herangetragen worden. Der übliche Verfahrensweg sei eine Wunschäußerung der Gemeinde in Richtung Kreishaus. Der Landkreis kontaktiere anschließend die Landesbehörde. Es komme zu einer Verkehrsbereisung, an der Gemeinde, Landkreis, Landesbehörde und Polizei teilnehmen. Anschließend werde gegebenenfalls gezählt. Eine automatische Wiederholung der Zählung nach einem festgelegten Intervall gebe es nicht. Wolle die Gemeinde eine erneute Zählung, dann müsse sie noch mal den Kontakt nach Aurich suchen.
Gibt es Unterschiede zwischen Bundes- und Landesstraßen ?
Ja. Bei Bundesstraßen sei es deutlich einfacher, eine Überquerungshilfe zu bekommen als bei Landesstraßen, sagt Körber. Während der Bund sich für seine Straßen vergleichsweise spendabel zeige, knausere das Land. Aus diesem Grund gilt für Landesstraßen neben den Querungszahlen noch eine Gefahrenquote. Überspitzt ausgedrückt: Es muss erst etwas passieren, bevor gehandelt wird.
Haben geplante Neubaugebiete eine Auswirkung ?
Für die Situation in Pewsum argumentierte SPD-Ratsherr und Ampel-Forderer Theodor Cirksena mit dem Neubaugebiet „Zum Escherweg“ und dem erwartbaren Zuzug von Familien. Für die Straßenbaubehörde sei es aber belanglos, ob ein Baugebiet geplant sei oder nicht. Es werde die Gegenwart betrachtet, nicht die Zukunft, erklärte Körber. Es müssen also erst ein paar Häuser stehen, bis das Baugebiet relevant ist.
