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Demo für Mengen-Regulierung Ostfriesische Bauern protestieren mit Bad in Milchzuber

Peter Habbena vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (rechts) protestierte mit Kollege Gerd Uken in Hannover gegen eine drohende „Milchmarktkrise 4.0“. Die Landwirte möchten gern die Milchabgaben in den Markt freiwillig reduzieren dürfen.

Peter Habbena vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (rechts) protestierte mit Kollege Gerd Uken in Hannover gegen eine drohende „Milchmarktkrise 4.0“. Die Landwirte möchten gern die Milchabgaben in den Markt freiwillig reduzieren dürfen.

BDM

Ostfriesland - Die Milchbauern der Region fühlen sich von der Politik akut im Stich gelassen: Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) spricht von einer „Milchmarktkrise 4.0“, in die man sehenden Auges rutschen würde. Es brauche eine befristete Reduzierung der EU-weiten Milchmengen auf freiwilliger Basis, damit Erzeuger am Ende ihre Kosten decken können. Bei einer Protestaktion am Dienstag in Hannover nahm der niedersächsische BDM-Landesvorsitzende Peter Habbena aus Schoonorth ein demonstratives Bad im Milchzuber. Neben ihm saß dabei Gerd Uken aus Rysum, der aktuell als letzter Milchbauer seines Dorfs den Betrieb ohne Nachfolge aufgeben musste – einer von vielen in der Region. „Als ich vor 30 Jahren in den Beruf gekommen bin, gab es bundesweit über 220.000 Milchproduzenten“, sagte Habbena. „Heute sind es noch knapp 50.000.“

Die Landwirte sprachen während ihres Protestes auch mit der niedersächsischen Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (rechts). Bild: BDM

Die Landwirte sprachen während ihres Protestes auch mit der niedersächsischen Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (rechts). Bild: BDM

Lebensmittelpreisgesetz gilt nicht für Landwirte

Auch wenn ostfriesische Höfe mit Milchvieh im vergangenen Jahr gut verdient haben, ersetze das nicht die vielen Krisenjahre davor – oder die derzeit absehbaren neuen Probleme, so Habbena. „Wir Landwirte sind aktuell nur noch Rohstoffproduzenten, denn dass Lebensmittel nicht für weniger als die Produktionskosten verkauft werden dürfen, gilt für uns nicht.“ Demnach greift diese Regelung erst, wenn Molkereien die Milch abgenommen haben und der Veredelungsprozess weitergeht. Man wolle jetzt auch keine neuen EU-Fördergelder oder andere komplizierte Sanierungsprogramme, führte Habbena weiter aus. „Es gibt viele Mosaiksteinchen, mit denen die Politik hier helfen könnte, es will sich nur niemand hinstellen und es einfach mal tun.“

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Notwendige politischen Werkzeuge sind bereits da

Denn die Regularien, um einen Absturz des Milchpreises zu verhindern und ostfriesische Erzeuger – die mit hohen Auflagen und vielen Aufwendungen zugunsten des Tierwohls und der Umwelt arbeiten müssen – konkurrenzfähig gegenüber Kollegen aus dem Ausland zu halten, gebe es bereits. Habbena: „Das ist alles vorhanden, es wird nur nicht scharf geschaltet.“ Die Milchbauern wollen künftig vom sogenannten freiwilligen Verzicht Gebrauch machen und bei Bedarf einfach weniger Milch produzieren dürfen, um die Preise stabil zu halten. Dreimal ist der Milchmarkt in den vergangenen 15 Jahren laut BDM bereits abgestützt – jedes Mal mit millionenschweren Konsequenzen. Finanzielle Reserven haben die Höfe der Region deshalb keine mehr. „Molkereien klagen, sie würden ruiniert werden, wenn man es so macht, aber was sollen wir sagen? Es geht einfach nicht weiter so“, kritisierte Peter Habbena.

Moderne, wolfsabweisende Zäune: Auf den Weiden vieler Höfe in Ostfriesland fehlen sie – allerdings bräuchte die Region viele Tausend Kilometer solcher Anlagen, die zusammen mehrere Hundert Millionen Euro kosten würden.

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