Langeoog - Frischen Wind hatte Heike Horn im Wahlkampf versprochen. Und sogar einen regelrechten Sturm kündigte die designierte Bürgermeisterin nach ihrer Wahl bei der Aufklärung der Kostenexplosion der Schwimmbad-Erweiterung und der Zukunft des in die Jahre gekommenen „Haus der Insel“ an.
Überraschend klarer Wahlsieg
Am Sonntag, 1. November, jährt sich der Amtsantritt der 55-Jährigen zum ersten Mal. Mit einem für Beobachter überraschend hohen 57,4-Prozent-Sieg hatten die Langeoogerinnen und Langeooger die Geschäftsführerin der Volkshochschule Friesland-Wittmund zur Nachfolgerin von Uwe Garrels gewählt.
Das Schwimmbad-Desaster hat die Bürgermeisterin in ihrem ersten Amtsjahr nicht auflösen können. Noch immer ruht die Baustelle zum Anbau für Kur und Wellness-Angebote. Die Kosten werden sich nach Schätzungen von zwei auf vier Millionen Euro verdoppeln; dazu kommen mögliche Schäden durch den langen Baustopp. Auch beim Betreiberkonzept gibt es offene Fragen. Immerhin liegen jetzt Vorschläge von Rat und Gemeinde auf dem Tisch, wie es mit dem Sorgenkind Kurviertel weitergehen könnte.
Bürgernahe Lösungen gesucht
Die 1955 in Ingelheim am Rhein geborene Betriebswirtin versteht sich als Moderatorin. Sie setzt auf Transparenz und sachorientierte, bürgernahe Lösungen. Dass insbesondere in kleineren sozialen Einheiten wie Inselgemeinden persönliche Befindlichkeiten eine besondere Rolle spielen, dürfte der früheren Personalentwicklerin klar gewesen sein. Wie zermürbend die politische Arbeit im ersten Jahr mitunter war, lässt sich aus Formulierungen wie „die Zusammenarbeit mit dem Rat war hart aber konstruktiv“ erahnen.
„Ich bin auf viele Altlasten gestoßen“, sagt Heike Horn nach dem ersten Amtsjahr. „Dass in der Verwaltung zum Beispiel 30 Jahre lang das Arbeitszeitgesetz nicht beachtet wird, hätte ich mir nicht träumen lassen.“ Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem feuerpolizeilich hochproblematischen Dachgeschoss quartierte die Rathauschefin in Bürocontainer hinter dem Haus um. Einen Mitarbeiter der Gemeinde, der unter anderem im privaten Umfeld den Hitler-Gruß gezeigt hatte, setzte sie kurzerhand vor die Tür.
„Der Riss darf nicht zum Spalt werden“
„Die Entwicklung des Kurviertels sieht die Bürgermeisterin als zentrale Aufgabe der Inselgemeinde an. Seit zehn Jahren quält sich Langeoog mit der Frage, was aus den in die Jahre gekommenen Einrichtungen werden soll. An dem schon von ihrem Vorgänger vorangetriebenen Verkauf, der Langeoog wahrscheinlich mehrere hundert Hotelbetten und der Gemeinde Millionen-Einnahmen bescheren würde, scheiden sich die Geister. „Bei dem Thema gibt es einen Riss durch die Insel, der darf nicht zum Spalt werden.“
Auf Langeoog ist der oder die Bürgermeisterin nicht nur Chef des Kur- und Tourismusbetriebes, sondern auch der gemeindeeigenen Fähren. Diese Struktur gilt als überholt – andere Inseln setzen dafür Geschäftsführer ein. Doch aktuell muss sich Heike Horn mit Fragen der Ersatzanschaffung für die Frachtfähre oder den Antrieben der Inselbahn beschäftigen. „Die Arbeitsbelastung war mit 60 Stunden und mehr pro Woche extrem“, blickt Heike Horn zurück. Die Grenzerfahrungen durch die komplette Sperrung im Frühjahr und die Umsetzung der zahlreichen Corona-Verordnungen taten ein übriges.
Pandemie bislang gemeistert
Die Pandemie hat Langeoog bislang gemeistert. Der Spätsommer und Frühherbst waren touristisch höchst erfolgreich. Die sorgenvollen Stimmen aus dem Frühjahr sind angesichts der sehr guten Nachfrage leiser geworden. Die aktuellen Auflagen zeigen allerdings, dass die Pandemie nicht überwunden ist. „Corona wird uns auch im nächsten Jahr begleiten“, ist sich Heike Horn sicher, „mindestens“. Langeoog hatte dem Infektionsschutz hohe Priorität eingeräumt und stärker als andere ostfriesischen Inseln den Tagestourismus und die Kapazitäten der Fähren begrenzt. „Die Insulaner meistern die Herausforderungen durch die Pandemie kreativ und konstruktiv“, lobt die Bürgermeisterin.
So zentral die weitere Entwicklung der Pandemie für die Insel ist: Die größte Herausforderung liegt für die Bürgermeisterin darin, den Gordischen Knoten beim Kurviertel zu zerschlagen und sowohl die Finanzen zu ordnen als auch dem Tourismus Impulse zu geben. Den angekündigten frischen Wind hat Heike Horn schon mal ausgelöst durch ihre Initiative zusammen mit dem Rat, Ende November die Bürger über verschiedene Varianten abstimmen zu lassen. Ob der Rückenwind stärker ist als der Gegenwind wird sich zeigen.
