Leer - Schlägt Ihr Herz im Takt? Anlässlich der gerade laufenden Herzwochen der Deutschen Herzstiftung hat sich Sven Gerald Wacker, Chefarzt der Abteilung Allgemeine Innere Medizin und Kardiologie und Facharzt für Kardiologie und Geriatrie im Borromäus Hospital Leer die Zeit genommen, Fragen zum Thema Herzrhythmusstörungen zu beantworten. Die häufigste Form dieser Störungen ist das Vorhofflimmern.
Wie entsteht Vorhofflimmern ?
Durch strukturelle Herzerkrankungen, so etwa Bluthochdruck und Stoffwechselerkrankungen, entstehen Veränderungen beziehungsweise Eigenaktionen im Vorhof, wo der natürliche Taktgeber des Herzens sitzt. Aufgrund der Erkrankung schlagen die Vorhöfe aber schneller als gewöhnlich und „flimmern“.
Die Folge: Der Vorhof koppelt sich vom linken Herzen ab und eine unregelmäßige Überleitung entsteht. Dadurch wird die Pumpleistung des linken Vorhofs und gleichzeitig die Kammerfunktionen reduziert.
Wer hat ein erhöhtes Risiko ?
Betroffene unter 50 Jahren meist nur, wenn sie erblich vorbelastet sind. Ab 50 Jahren tritt laut Sven Gerald aber zunehmend bei ein bis zwei Prozent der Bevölkerung die Begleiterkrankungen in den Vordergrund. Ab dem 70. Lebensjahr kann man dann bereits von 15 bis 20 Prozent sprechen, die an Vorhofflimmern erkranken. Jährlich sind rund 1,8 Millionen Menschen bundesweit betroffen.
Welche Symptome gibt es ?
Für den Patienten ist es häufig schwierig, das Vorhofflimmern zu bemerken. So kann es mit einer niedrigen Frequenz tagsüber auftreten oder nachts, sodass der Patient das Vorhofflimmern „verschläft“. Andererseits können auch schwere Symptome auftreten, wie das schlagartige oder langsam, sukzessive Einbrechen der Leistungsfähigkeit, Luftnot bis hin zu geschwollenen Beinen, Schwindel und Herzrasen, so Sven Gerald Wacker.
Wie sieht die Behandlung aus ?
In aller Regel ist beim Vorhofflimmern eine blutverdünnende Therapie notwendig.
Nach Beginn der Basistherapie und einer Frequenz bremsenden Therapie kann es sein, dass das Herz von einem chaotischen in einen gleichmäßigen, sogenannten Sinus-Rhythmus wieder von alleine umschlägt. Sollte dies nicht der Fall sein, sind weitere aktive Maßnahmen notwendig. Dazu gehört der Ausschluss von Blutklumpen, so genannten Thromben, durch ein Schluckecho. Dabei handelt es sich um eine Ultraschalluntersuchung des Herzens durch die Speiseröhre. Neben der medikamentösen Behandlung gibt es auch die aktive Möglichkeit, das Herz durch einen Stromstoß wieder in den Rhythmus zu bringen.
Als letzte Maßnahme ist auch eine sogenannte Katheterablation möglich, das ist eine minimalinvasive Behandlung, also ein sehr kleiner Eingriff.
Wie kann man vorbeugen ?
Zur Vorbeugung ist es wichtig, erhöhte Blutdruckwerte, Blutzuckerwerte und gestörter Fettstoffwechsel richtig zu behandeln. „Problematisch ist, dass unsere Volkskrankheiten, wie Zucker, Übergewicht, Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte teilweise verharmlost, bagatellisiert und ignoriert werden. Das hat am Ende Konsequenzen in den folgenden zehn bis 20 Jahren“, so der Chefarzt.
