Leer - Nach etwa vier Wochen geht das wohl höchstdotierte Amateur-Fußball-Turnier Deutschlands zu Ende. Der Ostfriesland Cup – so viel ist schon vor dem letzten Anpfiff im Leeraner Hoheellernstadion klar – wird in diesem Jahr einen Emder Sieger hervorbringen. Im Finale treffen Oberligist Kickers Emden und die Bezirksligisten der Sportfreunde Larrelt aufeinander. Die Rollen sind auf dem Papier zwar klarverteilt, doch es gab im Turnierverlauf bereits die eine oder andere Überraschung – das weiß auch Larrelt-Trainer Marten Sandmann. „Für uns ist es etwas ganz besonderes im Finale zu stehen. Schon seit dem Viertelfinale war es unser Wunsch, gegen Kickers zu spielen. Jetzt wollen wir nicht nur einfach gut abschneiden, sondern auch den Pott holen“, sagte Sandmann vergangene Woche nach dem Einzug in das Finale. Und jetzt, so kurz vor dem großen Spiel hat sich an dieser Einstellung nichts geändert: „Bei uns dreht sich momentan alles um den Ostfriesland Cup. Auch wenn Sonntag in der Liga noch ein Spiel in Uplengen ansteht, werden wir alles raushauen was geht. Wir sind fest davon überzeugt, dass wir gegen Kickers eine Chance haben, wenn es uns gelingt einen frühen Rückstand zu vermeiden.“
Die Sportfreunde blicken ihrerseits auf einen fulminanten Ostfriesland Cup zurück: Als Außenseiter sind sie in das hoch dotierte Turnier gestartet, kickten mit TuRa 07 Westrhauderfehn sogar einen Landesligisten aus dem Cup. „In diese Partie sind wir zwar durch den Elfmeter etwas unglücklich gestartet, waren aber über 80 Minuten das klar bessere Team“, sagte Sandmann. Das spiegelte auch der 4:1-Sieg im Achtelfinale wieder. Alleine drei Tore erzielten die Krzatala-Brüder, die in Emden schon lange als absolute Torgaranten gelten.
Larrelt feierten höchsten Sieg im Turnierverlauf
Was folgte, war ein Kantersieg im Viertel- und eine Zitterpartie im Halbfinale: Die Emder dominierten die SG Jheringsfehn auf ganzer Linie – nach 90 Minuten stand es 8:0. Mit dem höchsten Sieg, den bis dato eine Mannschaft im Ostfriesland Cup erzielte, zog die Elf von Trainer Sandmann in das Halbfinale ein. „Vor diesem Spiel waren wir sehr nervös, weil wir unserer Favoritenrolle gerecht werden wollten. Am Ende muss man aber sagen, dass wir souverän aufgetreten sind.“
Von einem souveränen Auftritt waren die Larrelter im Halbfinale dann allerdings weit entfernt. Die sonst so starke Offensive kämpfte mit einigen Schwierigkeiten in Sachen Torabschluss – was aber nicht zuletzt an Middels Keeper Siegfried John lag, der an diesem Tag eine überragende Partie spielte und den TuS in die Verlängerung rettete. In der 93. Spielminute war es Kapitän Thorsten Mammen, der nach einem Freistoß von André Krzatala den Fuß hinhielt und die Sportfreunde jubeln ließ.
Beim BSV Kickers hingegen dürfte es einmal mehr eine Kopfsache werden: „Natürlich wollen wir den Pokal nun auch holen. Ich denke, dass das vollkommen normal ist, wenn du so weit gekommen bist“, sagte Kickers-Coach Stefan Emmerling, der seit seiner Rückkehr nach Emden zum ersten Mal das Viertelfinale überstanden hat. „Wenn die Einstellung auf dem Platz stimmt, können wir sicher etwa für die kommenden Aufgaben mitnehmen.“
Mit von der Partie ist allerdings nicht sein ganzer Kader. Einige Spieler laborieren noch an der einen oder anderen Verletzung. Für den Pflichtspielstart am Sonntag (Auswärtsspiel beim Heeslinger SC) könnte die eine oder andere Personalie noch geschont werden. „Dass wir zwei Spiele an einem Wochenende haben, ist sicher nicht allzu glücklich. Aber es war klar, dass es so kommen würde, wenn wir weiterkommen. Deswegen sollte das am Ende auch keine Ausrede sein – egal, für welche der Partien“, so Emmerling.
Generell war der Weg der Emder ins Finale ein sehr sehr holpriger. Als großer Favorit ins Turnier gestartet, wäre beinahe schon nach dem Achtelfinale – der ersten Runde – Schluss gewesen: „Da haben wir glaube ich das schlechteste Spiel abgeliefert, dass es unter meiner Regie gab“, gesteht Emmerling. Gegen den Kreisligisten Holter SV strumpelten die BSV-Kickers irgendwie zu einem auf dem Papier deutlichen 4:1-Sieg. Doch wer das Spiel gesehen hat, weiß: Der Holter SV hätte durchaus gewinnen können, wenn nicht müssen. „Nach der Halbzeit hatten sie zwei riesige Chancen. Machen sie die rein, wird es auch für uns nicht leichter“, so der Emder Coach damals nach der Partie.
Oberligist Kickers mit viel Licht und Schatten
Im Viertel- und Halbfinale zeigte der BSV dann erneut zwei sehr unterschiedliche Spiele. Zwar war Bezirksligist TuS Pewsum in der zweiten Runde mit 7:1 aus dem Stadion gefegt worden, doch im Halbfinale haperte es wieder – in allererster Linie am Offensivfußball. Denn so groß die Namen da vorne im Emder Sturm nun auch sind, so gering die wirkliche Power und Zielstrebigkeit nach vorne. „Das ist bisher ein Manko und da arbeiten wir seit Wochen dran. Wenn es aber bis zum Auftakt im Pflichtspielbetrieb reicht, ist alles gut“, so Emmerling. Gegen den TuS Esens musste sein Team nämlich auch aufgrund von fahrlässiger Chancenverwertung in die Verlängerung. Und hätte Esens-Stürmer Thorsten Lettau in der 93. Minute nicht das Bein von Torhüter Jannik Wetzel, sondern das Netz getroffen, wäre im Halbfinale sogar Schluss gewesen. Hätte, wäre, wenn: Der BSV steht heute Abend im Finale um den Titel.
Organisatoren: „Das ist ein besonderes Spiel“
Manfred Bloem und wald Adden, die Initiatoren des Ostfriesland Cups sind bereits voller Vorfreude auf das große Finale: „Wir freuen uns, dass es in diesem Jahr einen neuen Titelträger geben wird. Ein Stadtduell im Endspiel ist schon etwas ganz Besonderes.“ Bloem zieht dabei eine gewisse Parallele zum diesjährigen Champions League-Finale, in dem zwei englische Mannschaften in Porto aufeinander trafen. „Hier treffen nun zwei Emder Mannschaften in Leer aufeinander. Beim Spiel selbst sehe ich zwar den Oberligisten in der klaren Favoritenrolle, aber, und das haben die Sportfreunde aus Larrelt ja schon bewiesen, steht den Kickers-Spielern ein Team gegenüber, dass an diesem Tag alles geben wird, um zu gewinnen.“
Viel größer als der Sport sind aber oft ganz andere Dinge. Das wurde auch in diesem Jahr beim Turnier einmal mehr klar. Die kleine Liah-Mara aus Emden benötigt dringend eine Stammzellspende. Aus diesem Grund sammelten die Initiatoren des Turniers in Zusammenarbeit mit den Sportfreunden Larrelt seit beginn des Cups Spendengelder. Das wird auch beim großen Finale wieder der Fall sein. Die Spendengelder werden im Anschluss ausgezählt und an einem gesonderten Termin an den Verein Leukin übergeben, um die anfallenden Kosten für Typisierungen zu decken.
