Münkeboe - „Boßeln ist mein Leben“, sagt Anke Klöpper, „ich bin damit aufgewachsen. Wir sind eigentlich jede Woche mehrmals auf der Straße.“ Die 27-Jährige aus Münkeboe in der Gemeinde Südbrookmerland ist eine Ausnahmeathletin in ihrem Sport. Sie hat in ihrer Karriere zahlreiche Titel gesammelt. Urkunden, Medaillen und Pokale schmücken ihre Wohnung. „Und in diesem Jahr wollte ich meine Titelsammlung komplettieren“, erzählt Klöpper, „bei der Europameisterschaft in Kaltenhörn.“ Das Coronavirus hat ihren Traum vorerst platzen lassen. Die EM wurde von der International Bowling Association (IBA) auf 2021 verschoben.
Die Entscheidung kann man nachvollziehen“, sagt die Friesensportlerin, „die Gesundheit der Sportler geht vor.“ Klöpper wäre bei diesem internationalen Kräftemessen, das vom 21. bis 24. Mai in Schleswig-Holstein stattgefunden hätte, in der Disziplin Eisenkugel sicher dabei gewesen, mit der Hollandkugel fehlte noch das finale Qualifikationswerfen. Aber auch hier lag sie in aussichtsreicher Position. „Ich habe mich zuletzt stark präsentiert. Man arbeitet so intensiv auf seine Ziele hin und ist voller Vorfreude“, so Klöpper, „und dann darf man nicht weitermachen.“ Halt geben ihr in dieser Zeit Mama Thea, Papa Peter und ihr Verlobter Andre Seehusen. Natürlich auch ein Boßler.
Friesensport ist Religion
Mit ihrer Boßel-Mannschaft vom KBV „He löpt noch“ Südarle liegt die 27-jährige Wirtschaftsinformatikerin in der Landesliga – der höchsten Spielklasse beim Boßeln – auf Platz zwei. „Wir sind punktgleich mit Tabellenführer Dietrichsfeld“, sagt sie, „zwei Spieltage stehen noch aus. Ich hoffe, die Saison kann noch beendet werden.“
Das hofft auch Jan-Dirk Vogts, Vorsitzender des Friesischen Klootschießerverbandes (FKV). „Wir haben alle Veranstaltungen und Sitzungen bis auf weiteres abgesagt“, so Vogts, „wir können frühestens am 19. April festlegen, wie es sportlich weitergeht.“ Noch sieht er die Möglichkeit, die FKV-Finalrunde, in der bei Frauen und Männern die drei besten Teams der Landesligen aus Ostfriesland und Oldenburg gegeneinander den FKV-Sieger ermitteln, auszutragen. „Durch die EM-Absage haben wir mehr Zeit“, sagt Vogts.
Anke Klöpper schmunzelt: „Man merkt in diesen Tagen, wie sehr man auf das Boßeln fixiert ist.“ Das wird vielen Ostfriesen ähnlich gehen. Der Friesensport ist hier Religion. „Ich halte mich mit Joggen, Inlineskating und Hanteltraining fit“, sagt die 27-Jährige, die in ihrer Laufbahn 25 FKV-Titel errungen hat, inoffizielle „Weltmeisterin“ (2010), Vize-Europameisterin (2008) und deutsche Meisterin (2018) geworden ist. Und an ihrem Traum, Europameisterin zu werden, wird sie festhalten: „Ich werden auch 2021 gut vorbereitet sein.“
