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Grafthof In Neuharlingersiel Pilze statt Schweine – Landwirt geht neuen Weg

Soeke Heykes

Neuharlingersiel - Die asiatische Edelpilz-Art Shiitake hat es bis nach Ostfriesland geschafft. Denn die Familie Janssen hat sich auf ihrem Landwarf Grafthof in Neuharlingersiel entschieden, von der Schweinezucht auf die Pilzzucht umzusteigen. „Die Idee kam mir vergangenen Winter“, sagt Eckhard Janssen. Der 30-Jährige führt gemeinsam mit seiner Freundin Vera Wasilewski und seinen Eltern Georg und Ursula den Hof, der seit Generationen in Familienbesitz ist.

Neuanfang mit Nischenprodukt

Hintergrund für den Umstieg war ein Unglück, das im vergangenen Jahr passierte. Wegen einer Futtermittelvergiftung mussten alle Tiere notgeschlachtet werden. Noch einmal neu anzufangen oder auf andere Nutztiere wie Hühner umzusteigen, kam für den Landwirt nicht in Frage. „Wir wollten weg von der Masse hin zu einem Nischenprodukt“, sagt Eckard Janssen. Dass am Ende die Entscheidung auf Pilze viel, hat einen einfachen Grund: „Ich esse gerne Pilze und habe im Internet etwas rumgestöbert und gesehen, dass man die auch zu Hause anbauen kann. Das fand ich interessant“, sagt der jetzige Pilzzüchter.

Kurzerhand bestellte sich der Janssen ein kleines Sortiment und legte einfach los. Neben Shiitake gehörten dazu noch Austern-Seitling, Pioppino und Rosen-Seitling. „Gleich beim ersten Versuch gelang der Anbau und wir haben zusammen eine Pilzpfanne gemacht“, sagt der Landwirt. Besonders der Shiitake schmeckte allen Familienangehörigen. Nachdem die Pilzart feststand, sah sich die Familie in den umliegenden Supermärkten um. Als sie keinen einzigen Edelpilz finden konnten, war klar: „Das ist eine Nische, damit kann man etwas aufbauen“, sagt Eckhard Janssen.

Vom Schweinestall zur Pilzzucht-Station

Um das nötige Know-how zu bekommen, ließen sie sich von einem Pilzexperten beraten und fanden einen Zulieferer für Shiitake-Myzelien in der Nähe von Frankfurt. Myzelien sind die Zellen eines Pilzes. Zu Anfang sind sie mit bloßem Auge nicht oder kaum zu erkennen. Doch der Shiitake wächst jeden Tag um die Hälfte seines Gewichts. „Dann haben wir einen unserer Schweineställe entkernt, gereinigt und gekalkt, damit er rein ist“, sagt Eckhard Janssen. Anschließend wurden Lüftungsanlagen und Benebelungsdüsen eingebaut, um die für die Shiitake-Zucht notwendigen 15 Grad Celsius und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit zu erhalten. Insgesamt hat die Familie 8000 Euro investiert.

Pilze statt Schweine – Landwirt geht asiatischen Weg

Die ersten Zucht-Versuche fanden im März statt. Seit Juni werden die Pilze wöchentlich geerntet. Dabei geht die Familie sehr vorsichtig vor. Zur Ausrüstung gehören Handschuhe, Maske und ein Skalpell. „Wir bauen im Moment jede Woche 120 Kilo an und verkaufen 70 Kilo“, sagt Eckhard Janssen. Dazu gehören auch Kräuter-Seitlinge, die seit zwei Wochen auf dem Hof angebaut werden. Die Pilze sind auf Wunsch der Restaurants hinzugekommen.

24 Abnehmer konnte die Familie bisher gewinnen. Darunter Märkte, Restaurants und Hotels. Um das zu erreichen, hieß es zu Anfang Klinkenputzen. „Mein Vater ist zu den Restaurants und Hotels gefahren und hat ihnen die Pilze zum Probieren geschenkt“, sagt Eckhard Janssen. Von der Pilzzucht leben kann die Familie aber noch nicht. Dazu müssten jede Woche 300 Kilo gezüchtet und verkauft werden. Bis das der Fall ist, verdienen sie mit Ackerbau ihren Lebensunterhalt. Dem Grafthof gehören 250 Hektar.

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