Aurich - Mit dem Wort „Klimadeich“ umschreibt Landesumweltminister Olaf Lies (SPD) die neue Marschrichtung des Landes, die künftigen Deiche statt um 50 Zentimeter gleich um einen Meter zu erhöhen. Es soll, wenn diese Deiche angelegt werden, auch noch eine weitere Erhöhung möglich sein.
Die neuen Küstenschutzbauwerke werden nicht nur höher, sondern auch breiter und kosten bis zu 20 Prozent mehr als die bisher üblichen Deiche. Mit der breiteren Variante ergeben sich noch weitere Schwierigkeiten. „Wir werden da ganz klar in einigen Fällen Küsten- und Naturschutz gegeneinander aufrechnen müssen“, sagte der Minister gestern während der Vorstellung des Jahresberichts 2020/2021 des Niedersächischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Aurich. Um die Deiche verbreitern zu können, muss an einigen Küstenabschnitten ins Deichvorland ausgewichen werden. Das ist aus Naturschutzsicht ein sehr sensibles Gebiet.
Auf Dauer müssten jährlich um die 100 Millionen Euro in den niedersächsischen Küstenschutz fließen. Jetzt sind es etwas über 61 Millionen Euro. Auch der Zahlungsmodus des Bundes sei den heutigen Anforderungen, die die Auswirkungen der Klimaerwärmung mit sich bringen, nicht mehr gewachsen. Lies: „Noch stellt der Bund Geld bereit, das innerhalb eines Jahres ausgegeben werden muss. Das bedeutet, der Bund kann damit rechnen, Geld zurück zu bekommen, weil nicht alle Vorhaben in diesem Zeitfenster durchgeführt werden können.“ Der Minister plädiert dafür, projektbezogen zu finanzieren. So gäbe es Planungssicherheit. Und die sei im Küstenschutz unbedingt erforderlich. „Wir brauchen diese Sicherheit und müssen die großen Werte schützen. Das gelingt nur, wenn wir ausreichend handeln“, so Lies.
Er und der Leiter der NLWKN-Betriebsstelle Norden, Frank Thorenz, versicherten, dass die Deiche für die kommenden 50 Jahre einen guten Schutz bieten. Doch es werden permanent Daten erhoben, um den Herausforderungen des Klimawandels gerecht zu werden und die Küstenbauwerke entsprechend anzupassen.
Ein weiteres Sperrwerk in der Ems, an der Knock, sei in den Zukunftsplanungen aber nicht enthalten.
