Norddeich - Die Seehundstation in Norddeich ist beliebt – so beliebt sogar, dass sie eigentlich erweitern möchte, um den steigenden Besucherzahlen gerecht zu werden. Die erreichten 2019 nämlich mit rund 270 000 einen Spitzenwert – brachen dann allerdings 2020 coronabedingt stark ab. Die finanzielle Lage der Station ist aktuell so schwierig, dass Leiter Dr. Peter Lienau die geplante Vier-Millionen-Euro-Erweiterung noch nicht in greifbarer Nähe sieht. „Wenn es so weitergeht, dann ist die Erweiterung in Gefahr“, sagte er im Gespräch.
Öffnungszeiten werden nicht nochmal angepasst
Bekanntlich finanziert sich die Seehundstation zu 83 Prozent aus Eintrittsgeldern. Diese lagen 2021 zwar höher als noch im Jahr zuvor, mit rund 153 000 Besuchern waren die Eintrittszahlen aber so gering wie in den vergangenen 15 Jahren nicht.
Dabei hatte die Station in dieser Saison einiges dafür getan, um trotz Pandemie und strikten Hygieneregeln möglichst viele Gäste in ihrer Einrichtung begrüßen zu können. Zum einen wurde eine Onlinebuchung eingeführt, zum anderen die Öffnungszeiten morgens und abends um je eine Stunde erweitert. Doch auch das reicht aktuell nicht aus, um langfristig verlässlich wirtschaften zu können. Und eine weitere Ausweitung der Öffnungszeiten rechnet sich nicht, denn: „Da kommt keiner“ – das hatte eine Testphase im vergangenen Jahr gezeigt.
„Ohne eine Förderung und das Wissen, dass wir die Kredite auch bedienen können, lässt sich das Bauvorhaben nicht umsetzen“, so Lienau. Den Kopf in den Sand stecken, das will er aber nicht: „Wir haben jetzt ein Jahr lang Zeit, um zu schauen, ob es klappen kann“, spricht der Stationsleiter mit Blick auf die vom Bauamt Norden anvisierte Bearbeitungszeit für die Aufstellung eines entsprechenden Bebauungsplans.
Nicht nur Mensch und Seehund nützen
Dafür gab es seitens der Politik übrigens grünes Licht aus dem Verwaltungsausschuss, der sich für ein beschleunigtes Verfahren ausgesprochen hatte. „Und wir wollen natürlich gern erweitern“, betonte Lienau trotz schwieriger Finanzlage.
Der Ausbau soll schließlich nicht nur Mensch und Seehund nützen, sondern sogar den Hunden an Land. Lienau: „Wir haben viele Mitarbeiter, die einen Hund haben und auch immer wieder Gäste, die ihren Hund mitbringen.“ In die Station rein dürfen die Tiere aber nicht – Sie eineinhalb Stunden vor dem Gebäude anzuleinen, ist deshalb bislang die einzige Option. „Wobei auch immer wieder einmal kleine Hunde in der Handtasche mit reingeschmuggelt werden“, weiß der Stationsleiter. Künftig ist das nicht mehr notwendig, da sie einen eigenen „Parkplatz“ in Form von Hundeboxen für die Kleinen und Abtrennungen für die Großen – samt Sitzgelegenheit für Herrchen und Frauchen – geben soll. „Wie das genau ausgestaltet wird, das werden wir aber wahrscheinlich erst in der Bauphase entscheiden.“ Bis dahin dürfte es allerdings noch etwas dauern: Lienau rechnet derzeit frühestens mit einem Baubeginn Ende 2023.
