Norden - Schluss, Aus, Ende – Anfang des Jahres hatte Hauke Alberts keine Lust mehr. Der damals Zwölfjährige wollte sein Taschengeld nicht mehr in Weihnachtsbeleuchtung stecken, sondern lieber in eine Hüpfburg kaufen – wie seine Freunde. „Aber das hat nur zwei Wochen gedauert“, erinnert sich Hauke. „Er hat dann doch wieder angefangen, sich neue Sachen zu kaufen“, weiß seine Mutter, Ute Alberts. Dabei hatte sie sich wahrscheinlich heimlich schon ein bisschen gefreut, dass die Festbeleuchtung nun kleiner ausfallen könnte. „Ich mag es lieber dezent und finde das ganze Bunte fürchterlich“, gibt sie zu.
Auch wenn Mutter Ute Alberts es lieber dezent mag, freut sie sich doch, dass ihr Sohn Hauke so viel Spaß an seinem Hobby hat und nicht nur vor der Konsole sitzt. Bild: Elisabeth Ahrends
Schon vor drei Monaten ging’s los
Doch da hat sie bei ihrem Sohn keine Chance: Anfang des Monats hatte der die Leiter rausgeholt, Kabel und Lichtschläuche verlegt, Figuren verteilt und seine Gartenhütte in ein Knusperhäuschen verwandelt. Und schon vor drei Monaten war das Rentiergespann das erste Mal auf dem Dach des Hauses an der Ecke Ulrichstraße/Am Kalkwarf zu sehen – die neue Halterung musste ausprobiert werden. „Er kann ja nicht in die Dachziegel bohren“, so Ute Alberts. Den Aufbau übernimmt Hauke übrigens ganz allein – nur ein paar Nachbarskinder gucken ihm immer wieder gern dabei zu. „Aber die sind nicht wirklich eine Hilfe.“ Und auch die ganze Deko bezahlt der 13-Jährige von seinem Geld. „Ich geh dann im Sommer mal Rasen mähen“, erklärt Hauke. Mehrere Hundert Euro im Jahr gehen aber schon für sein Hobby drauf. Fündig wird er meist bei Ebay oder auf dem Flohmarkt. „Wir fahren dafür schon durch ganz Ostfriesland“, sagt Ute Albrecht und dabei auch ein bisschen stolz, wie sehr sich ihr Sohn für sein Hobby begeistert. „Ich bin froh, dass ihm das so viel Spaß macht und er nicht den ganzen Tag vor der Konsole sitzt.“
Die Weihnachtszeit beginnt bei Hauke Alberts viel früher als bei anderen: Ab dem Sommer zählt er die Tage bis zum Anleuchten – getestet werden darf aber auch schon mal zwischendurch. Bild: privat
Anfänglich Streitthema zwischen Mutter und Sohn
Dabei war das längst nicht immer so: In den ersten Jahren gab es aufgrund des Weihnachts-Hobbys auch immer wieder Stress zwischen Mutter und Sohn. „Ein Stern am Eingang und einer im Fenster würden mir reichen. Für mich ist schwarz-weiß auch bunt genug“, sagt die 48-Jährige. Ihr Sohn sieht das ganz anders. „Ich fand das halt schön“, kann der heute 13-Jährige gar nicht genau erklären, woher die Euphorie für Lichter, Lampen und Figuren zu Weihnachten stammt. Die wurde allerdings schon vor fünf Jahren geweckt, als Hauke noch in der Grundschule war.
Eine zentrale Rolle dürfte aber sicherlich die Nachbarin gespielt haben – die kleine Schwester von „Leuchtmeisterin“ Veronika Hill aus Norden. Sie ist laut Hauke die absolute Spitzenreiterin in Sachen Beleuchtung und für den Jungen auch eine gute Anlaufstelle, um ausrangierte Dekorationen zu übernehmen, von ihr hat er auch einst seine ersten Teile bekommen.
Sechs-Meter-Schneemann zum Geburtstag
Bauen, basteln, Zeit in der Werkstatt verbringen, ist für Hauke das Schönste. Oder fast: Schöner ist nur, wenn er am Montag nach Totensonntag endlich die Lichter anschalten kann. „Da zählt er ab dem Sommer schon die Tage“, weiß seine Mutter. Kaum verwunderlich also, dass sein Geburtstagsgeschenk im Juli ein sechs Meter hoher aufblasbarer Schneemann war – der auch sofort aufgeblasen werden musste. Allerdings scheint der nicht für die Küstenstadt gemacht. „Es ist einfach zu windig“, sagt seine Mutter. Am Montag erlitt der Schneemann gleich einen Kleidungsschaden, als er an einem Nagel in der Hauswand entlangschrammte. Inzwischen ist das Loch zwar wieder geflickt, doch der aufblasbare Winterbote muss wohl in diesem Jahr doch im Karton bleiben.
