Norden - Was ist ein Biosphärenreservat? Der Begriff klingt vage nach Umweltschutz, umfasst aber auch Wirtschaft, Tourismus und Kultur. „Es muss für einen besonderen Naturraum repräsentativ sein – noch wichtiger sind aber die Menschen im Gebiet“, formuliert die UNESCO auf ihrer deutschen Webseite.
Die Stadt Norden will jetzt über eine Teilnahme an dem Projekt entscheiden. Seit 2019 sind Kommunen an der Nordseeküste dazu im Gespräch mit der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer, die nach einem Vorschlag von Umweltminister Olaf Lies (SPD) künftig auch für das Biosphärenreservat „Wattenmeer“ zuständig sein soll.
Ein Vortrag des Referenten Jürgen Rahmel von der Nationalparkverwaltung stieß auf der Norder Ratssitzung am Dienstag auf Interesse – die Zuschauerbänke waren voll besetzt, viele Fraktionen im Stadtrat nahmen im Anschluss Stellung. Rahmel hob hervor, dass Kommunen von der Attraktivität als offizielle Mitglieder im Biosphärenreservat profitieren würden, gleichzeitig aber jederzeit aussteigen könnten und auch keine landwirtschaftlichen Auflagen zu befürchten seien.
Das Echo war aber zweigeteilt: Während etwa Grünen-Chef Helmut Fischer-Joost eine große Chance für die Stadt Norden und den regionalen Umweltschutz sah, kritisierte Heike Ippen (ZoB) die Auszeichnung als „leere Hülle“ und verwies auf laufende und bereits geplante Maßnahmen in Sachen Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft, wie etwa den Niedersächsischen Weg.
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Mit im Publikum saß am Dienstag auch Carl Noosten, Vorsitzender des Kreisverbands Norden-Emden im Landwirtschaften Hauptverein für Ostfriesland. „Wir Landwirte sind nicht gegen Nachhaltigkeit, aber wir haben schlechte Erfahrungen gemacht“, sagte er zur Präsentation. „Es ist naiv zu glauben, da kommen keine Auflagen.“
In der Vergangenheit habe es mehrfach Projekte gegeben, die im Nachhinein für Landwirte plötzlich Umstände bedeuteten. Die von der UNESCO beschriebenen Nachhaltigkeitsziele seien im Stadtbereich zudem sehr vage, in der Landwirtschaft dagegen sehr konkret. „Das Thema bearbeiten wir aber schon, da brauchen wir keine Biosphären-Auszeichnung“, so Noosten. Die Stadt Norden sucht jetzt das Gespräch mit Landwirten, eine Entscheidung soll im März fallen.
