Norden - Belüftungsanlagen für Schulen werden vor dem Hintergrund der sich ausbreitenden Delta-Variante des Coronavirus und dem fehlenden Impfschutz für Kinder bis zwölf Jahre während der Sommerferien in Niedersachsen heiß diskutiert. In den städtischen Schulen in Norden wird es wohl zu Beginn des neuen Schuljahres keine solchen Anlagen geben: „Wir wollen das Thema lieber vernünftig und langfristig angehen“, sagte Bürgermeister Heiko Schmelzle (CDU) auf Nachfrage unserer Redaktion.

Und das, obwohl das Land 20 Millionen Euro für die Anschaffung von Lüftungstechnik in Klassenräumen der ersten bis sechsten Jahrgänge zur Verfügung stellt.

Derzeit befindet sich das Norder Stadtoberhaupt aber noch in Absprachen mit den Hauptverwaltungsbeamten, teilte Schmelzle mit. Dabei diskutiere man über Lösungen in Form von CO2-Messgeräten, auch weil es etwa in den Norder Schulen kaum Klassenräume gebe, in denen kein Querlüften möglich sei. „Das ist nur in der Grundschule Lintel im oberen Stockwerk der Fall und bei wenigen Räumen an der KGS“, so der Bürgermeister. In allen anderen Klassenzimmern sei Stoßlüften das Mittel der Wahl.

„Man braucht dafür eine vernünftige Vorbereitung“, so Birgit Goldhammer, Fachdienstleiterin der zentralen Gebäudewirtschaft, zu fest installierten Lüftungsanlagen. Allein eine Ausschreibung für die entsprechenden Arbeiten dauere mehrere Monate, ein Jahr Vorlaufzeit sei deshalb durchaus realistisch.

Hinzu kommt die Frage der Restfinanzierung: 80 Prozent der Kosten für die Lüftungsanlagen übernimmt das Land, 20 Prozent müssen die Schulträger aber selbst aufbringen. Da diese Mittel nicht im laufenden Haushalt vorgesehen seien, sei eine politische Entscheidung notwendig, so der zuständige Fachdienstleiter für die städtischen Schulen, Nico de Vries.

Anders verhält es sich hingegen bei Schulen in Trägerschaft des Landkreises Aurich – in Norden sind dies das Ulrichsgymnasium (UGN) und die Berufsbildenden Schulen (BBS). Schon im September sollen kreisweit 122 Räume mit mobilen Luftfiltern ausstattet werden. Kostenpunkt: rund 203.000 Euro. „Etwa die Hälfte dieser Summe wird als Förderung vom Land erwartet“, so der Landkreis-Pressesprecher Rainer Müller-Gummels.

Allerdings gibt es Abstufungen: So werden zunächst Räume, die nicht quergelüftet werden können oder in denen die fünften und sechsten Klassen unterrichtet werden, priorisiert. Ersteres ist bei keiner der beiden Norder Schulen der Fall. Am UGN gibt es allerdings zehn Klassenräume für Fünft- und Sechstklässler, die nachgerüstet werden sollen.

Elisabeth Ahrends
Elisabeth Ahrends Emder Zeitung (Leitung)