Norden - Das Fazit des Wirtschafts- und Ernährungsrats (WiER) Ostfrieslands fällt verhalten aus: „Mit Bedauern haben wir zu akzeptieren, dass einige sich der Mühe einer eventuell öffentlichen Diskussion nicht unterziehen wollen“, sagt das Gremium in einer Stellungnahme über den Mangel an Antworten aus der Norder Politik. Dieser hatte der Rat im Mai einen Fragenkatalog geschickt, in dem die bestehenden Verhältnisse im ländlichen Raum – und Norden – kritisiert und Fragen zu konkreten Verbesserungen für Wirtschaft, Wohnen und soziales Miteinander gestellt wurden. Reaktionen gab es bis zum Ablauf der Frist im Juni – und bis heute – nur von drei Parteien oder Personen: Rainer Feldmann, Florian Eiben sowie den Norder Grünen.
Mangel an praxistauglichen Lösungen
Dass die restlichen Fraktionen im Norder Rat sowie die übrigen Bürgermeisterkandidaten auch im Nachgang nicht mehr reagiert haben, sei bedauerlich, sagt Enno Appelhagen, Schlachtermeister und stellvertretender Vorsitzender des Wirtschafts- und Ernährungsrats (WiER) Ostfrieslands. „Alle reden von Regionalität, aber dafür muss die örtliche Politik auch tätig werden.“ Dafür bedürfe es mehr als altgediente Phrasen im Wahlkampf zu verwenden, so Appelhagen. „Alle reden davon, Probleme lösen zu wollen. Aber wie genau das gehen soll, darüber redet niemand.“
Vielen Ideen fehle es zudem an Praxisbezug, weil ausführende Akteure in Norden und der Region nicht mit ins Boot geholt, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Als Beispiel nennt Appelhagen Feste – so sie denn stattfinden –, bei denen auf Einweggeschirr verzichtet werden soll. „Das war vor 15 Jahren schon einmal geplant“, blickt er zurück. Die Umsetzung scheiterte demnach am Mangel an praxistauglichen Alternativen. „Es kann nicht jede Bude selbst Geschirr abwaschen und desinfizieren, aber daran denkt vorher niemand“, kritisiert der WiER-Sprecher.
Wunsch nach offenem Dialog
Der Rat wünscht sich vom nächsten Bürgermeister in Norden mehr Dialogbereitschaft, betont Appelhagen. „Man muss über Probleme offen reden können. Wir brauchen konkrete Vorschläge, um den ländlichen Raum zu erhalten.“ Das gelte insbesondere für die Fraktionen, die auch auf Landesebene kandidieren. „Wer auf der Ebene aktiv ist, der muss auch zur Sache vor Ort konkret etwas sagen können.“
