Norden - Der Wahlkampf in Norden ist gelaufen – zumindest für vier von ehemals sechs Kandidaten, die sich um das höchste Amt der Stadt beworben hatten. Übrig bleiben der amtierende Bürgermeister Heiko Schmelzle von der CDU und sein Kontrahent von der SPD, Florian Eiben. Innerhalb von 13 Tagen gilt für die beiden nun, so viele Wählerinnen und Wähler wie möglich von sich zu überzeugen, denn erst, „wenn das Spiel abgepfiffen ist, ist es gelaufen“, bleibt Schmelzle auch einen Tag nach der Wahlschlappe für die CDU in Norden bei seiner sportlichen Metaphorik.
Einen engagierten Wahlkampf geführt
Heiko Schmelzle
Dabei erkennt das Stadtoberhaupt durchaus an, „dass dieses Mal andere stärker gepunktet haben als wir“. An mangelndem Einsatz im Wahlkampf kann es laut Schmelzle aber nicht gelegen haben. „Wir haben einen guten und engagierten Wahlkampf geführt.“ Und auch er persönlich habe in den zurückliegenden Jahren „sehr viel geackert und mit einer Minderheit im Rat trotzdem sehr viel hinbekommen“, ist der Unionspolitiker durchaus stolz auf das bisher erreichte. Schmelzle will auch in den kommenden Tagen zeigen, dass „ich mein Möglichstes für meine Heimatstadt tue.“ Letztlich liege die Entscheidung nun aber bei den Wählern.
Rennen könnte noch knapp werden
Florian Eiben
Auch Florian Eiben weiß, dass trotz der guten Ergebnisse für die SPD auf Kreis- und Stadtebene in Sachen Bürgermeisterwahl nun alles wieder auf Null gesetzt wird. „Wer mich jetzt will, der muss mich auch wählen gehen“, sagt der 39-Jährige, „das könnte ein knappes Rennen werden.“ Eiben sieht in den Zahlen vom Sonntag auch einen Wunsch der Norder Bevölkerung nach Veränderung: „Das habe ich an unserem Würstchenstand erlebt“, erinnert sich der Kandidat an die letzten Wochen im Wahlkampf zurück. „Die Leute wollen reden und wahrgenommen werden von der Politik.“ Die nächsten Tage will die Norder SPD deshalb auch nicht tatenlos abwarten, kündigt Eiben an. „Wir werden das Grillrad noch einmal einsetzen, denn jetzt geht’s ja wirklich um die Wurst. Wir haben noch einiges in petto und geben nun Vollgas“, so der Bürgermeisterkandidat.
„Es war einen Versuch wert“
Die Unterstützung von einem seinem bisherigen Mitbewerber hat Eiben dabei schon einmal sicher: Rainer Feldmann (parteilos), der den vierten Platz am Sonntag machte, ermunterte seine Wähler, der SPD in der Stichwahl zur Seite zu stehen. Seiner Enttäuschung über das Wahlergebnis zeigte Feldmann offen: „Die vierte Position, das sage ich ganz ehrlich, ist nicht so schön.“ Auch wenn er sich mehr Stimmen erhofft hatte, akzeptiert Feldmann jedoch das Signal der Wähler. „Es war definitiv einen Versuch wert und ich hätte es bereut, es nicht zu versuchen“, so der ausgeschiedene Kandidat. „Das Ergebnis respektiere ich.“ Für den ehemaligen FDP-Politiker, der zuletzt mit Ratsherr Thomas Vor der Brüggen eine Gruppe gebildet hatte, bedeutet das Ausscheiden aus dem Bürgermeisterrennen zugleich auch das Ende seiner kommunalpolitischen Karriere. „Ich ziehe mich jetzt komplett zurück, sowohl aus dem Stadtrat als auch dem Kreistag“, sagt Feldmann. Er möchte die dadurch gewonnene Freizeit künftig zu Hause mit seiner Ehefrau Sabine verbringen.
Den Menschen etwas zurückgeben
Nicht enttäuscht, sondern viel mehr vollkommen zufrieden, zeigt sich indes Dana Friedrichs. Die 26-Jährige ist noch ganz frisch auf der politischen Bühne und erreicht zwar nur 2,11 Prozent der Stimmen bei der Bürgermeisterwahl, zieht dafür aber als Kandidatin für Die Partei in den Norder Stadtrat ein. „Ich bin begeistert, dass mich so viele Leute gewählt haben“, sagt sie und freut sich über 251 Wählerstimmen. Denen wolle sie als Ratsmitglied etwas zurückgeben und hofft, durch ihren Sitz im Rat eine positive Veränderung in Norden bewirken zu können.
Glücklich im bisherigen Beruf und trotzdem politisch aktiv
Weiterhin politisch für die Norderinnen und Norder aktiv ist auch David Gronewold, der als Bürgermeisterkandidat der ZoB Platz drei bei der Wahl belegte, es mit 18 Prozent der Stimmen aber nicht in die Stichwahl schaffte. Darüber scheint der Gymnasiallehrer nicht enttäuscht zu sein, da er nun auch weiterhin seinen Beruf am Ulrichsgymnasium ausfüllen und dem Heimatverein Norderland weiterhin vorstehen kann. Dennoch habe er den Wahlkampf als toll empfunden, weil der 41-Jährige gerade im persönlichen Gespräch mit den unterschiedlichsten Menschen Unterstützung erfahren hatte. Zudem habe er sein Ziel erreicht, Rainer Feldmann als Bürgermeister seiner Heimatstadt zu verhindern. „Ich halte seine Art der Politik für populistisch und spaltend“, sagt Gronewold. Für die Stichwahl rechnet Gronewold indes Eiben die deutlich besseren Chancen aus, auch weil die „Bürger einen Wechsel wollen“.
Zukunft in der Politik nicht ausgeschlossen
Dass seine Wählerinnen und Wähler zukunftsweisend denken und in zwei Wochen die richtige Wahl treffen, davon geht auch Andreas Holzkämper aus. Der parteilose Kandidat ist zwar enttäuscht von seinem fünften Platz, da er ein „gutes Angebot an die Stadt gemacht“, habe, die Bürger hätten letztlich jedoch anders entschieden. Die guten Erfahrungen und Eindrücke will der 58-Jährige dennoch nicht missen und schließt nicht aus, in Zukunft noch einmal politisch aktiv zu werden.

