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Norder Bollwerk entstand vor 120 Jahren Die Arbeit am Deich ist nie ganz abgeschlossen

1901 angelegt, wurde in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer wieder am Deich in Norden gearbeitet.

1901 angelegt, wurde in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer wieder am Deich in Norden gearbeitet.

Norden - Es ist eine Generationenaufgabe, die dem Schutz der gesamten Küste dient: Vor 120 Jahren machten sich die Menschen in und um Norden daran, einen neuen Deich vor den Toren ihrer Stadt zu errichten, um Land und Leute besser vor Sturmfluten zu schützen. 1901 fertiggestellt, hat das heutige Bollwerk allerdings nur noch wenig mit dem ursprünglichen gemein – denn der Arbeit am Deich ist im Prinzip nie ganz abgeschlossen. „Damals hatte dieser eine ganz andere Neigung als heute“, weiß Oberdeichrichter Carl Noosten.

Heute könne dieser durch eine geringere Neigung mehr Energie aufnehmen – wenn eine Sturmflut auf Land trifft, wirken dabei wahnsinnige Kräfte. Deshalb muss auch das Deckwerk am Fuß des Deiches entsprechend schwer sein, um das Bollwerk seeseitig vor den Angriffen durch Sturmwellen zu schützen.

Was in den 1970ern galt, heute nicht mehr aktuell

Anlässlich des 120. Jahrestags hat die Deichacht Norden den alten Gedenkstein aufpoliert. Bild: Johann Oldewurtel

Anlässlich des 120. Jahrestags hat die Deichacht Norden den alten Gedenkstein aufpoliert. Bild: Johann Oldewurtel

Und genau dieses Deckwerk wird seit vier Jahren Stück für Stück von der Deichacht Norden saniert. Dabei wird die aus den 1970er-Jahren stammende, alte Asphaltdecke nicht nur erneuert, sondern auch von acht auf 16 bis Zentimeter erhöht – mit Ausnahme des Teilstücks am Norddeicher Strand. Dort kommt nur auf einem schmalen Stück Asphalt zum Einsatz, der übrige Deich ist inzwischen durch 25 Zentimeter dicke Deckwerksteine abgesichert – ein Kompromiss mit der Kurdirektion aufgrund der Optik. Damit sind nun acht Kilometer Schardeich saniert. Was noch fehlt, ist ein letzter Teilabschnitt östlich des Hafens: Dieser soll im kommenden Jahr folgen, hofft die Deichacht Norden.

Wilfried Weyerts und Alwin Hanssen (r.) arbeiten mit Hochdruck daran, die letzten Steine am Deich zu verlegen.

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Elisabeth Ahrends
Norden

Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass der Deich saniert wird. „Nach der Sturmflut 1962 wurde er schon einmal verstärkt“, sagt der Rendant der Deichacht Norden, Johann Oldewurtel. Im Zuge dieser Arbeiten wurde auch ein alter Gedenkstein wieder aufgestellt, der zu Beginn des Jahrhunderts als Errichtung an den Deichbau errichtet, irgendwann jedoch entfernt worden war. Fast 40 Jahre lang witterte er vor sich hin, bis sich die Deichacht aufgrund des 120. Jahrestages dazu entschloss, diesen aufzuarbeiten. Nach Rücksprache mit einem Steinmetz wurde die Gedenktafel gereinigt und steht nun seit einigen Tagen auf der Deichkrone in Höhe des Diekswegs.

Ein Name taucht damals wie heute auf

Ein Name, der schon 1901 im Zusammenhang mit dem Deich auftaucht und es auch heute noch tut, ist der Name Noosten. Dass es sich dabei aller Wahrscheinlichkeit um einen Verwandten gehandelt hat, weiß der heutige Oberdeichrichter aus Dornum zwar, doch nicht die genaue Zugehörigkeit.

„Ich bin auch nicht aufgrund meines Namens zu meinem Amt gekommen, sondern gewählt worden“, sagte er. Die Affinität für den Küstenschutz wurde ihm allerdings gewissermaßen in die Wiege gelegt. Vater, Groß- und sogar Urgroßvater hatten sich bei der Deichacht engagiert. „Ich habe schon als Kind unheimlich viel mitbekommen, weil das Thema Deich bei uns zu Hause immer eine Rolle gespielt hat.“ Außerdem habe er auch darüber hinaus ein begründetes Interesse daran, dass der Deich in Ordnung ist: „Ich wohne ja schließlich dahinter.“

Ein Bild vergangener Tage: Die Deichacht Norden kümmert sich regelmäßig um den Deich, der Norden vor Sturmfluten schützt. Bild: Bildarchiv Medienzentrum Norden

Ein Bild vergangener Tage: Die Deichacht Norden kümmert sich regelmäßig um den Deich, der Norden vor Sturmfluten schützt. Bild: Bildarchiv Medienzentrum Norden

Damit die Sicherheit auch künftig gewährleistet ist, finden halbjährlich Deichschauen statt, bei denen das Bollwerk genau unter die Lupe genommen wird. Mit seinen zwischen 7,6 bis zu neun Metern Höhe im Abschnitt Norden ist er aber laut Rendant Oldewurtel den Anforderungen – auch im Hinblick auf den beschleunigten Klimawandel – gewappnet.

Elisabeth Ahrends
Elisabeth Ahrends Emder Zeitung (Leitung)
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