Norden - Die Ernte in diesem Jahr fällt bundesweit unterdurchschnittlich aus – der Altkreis Norden bildet dabei keine Ausnahme, wie Carl Noosten, Vorsitzender des Kreisverbands Norden-Emden des Landwirtschaftlichen Hauptvereins Ostfriesland, bestätigt. „In diesem Jahr war es sehr schwierig. Es hat immer wieder geregnet, wir mussten das Getreide sprichwörtlich vom Land klauben.“
Während die Prognosen im Frühjahr noch optimistisch waren, zeigte sich zuletzt aber schon, dass 2021 kein gutes Jahr für den landwirtschaftlichen Ertrag wird, so Noosten. „Das Problem für uns ist, dass wir immer bestimmte Ernteketten aufbauen mit den Fahrzeugen, die dafür auch immer zum Feld gefahren werden müssen – was an sich oft schon nicht einfach ist.“
Prognose im Frühjahr war optimistisch
Carl Noosten. Bild: Archiv
Die dann immer wieder notwendigen Regenpausen zwangen Lohnunternehmer und Landwirte oft zu vorzeitigen Rückfahrten, die den gesamten Zeitplan belasteten. Noosten: „Das war insgesamt sehr anstrengend in diesem Jahr.“ Das bestätigt der Deutsche Bauernverband in seinem Erntebericht für die ganze Republik: „Wir sind zunächst zuversichtlich in die Ernte gestartet, aber die ersten Druschergebnisse enttäuschten. Dies hat sich bestätigt.
Hinzu kamen ständige Ernteunterbrechungen durch wiederkehrende Niederschläge. Die Ernte 2021 wurde zur Zitterpartie“, wird Verbandspräsident Joachim Rukwied zitiert. Bundesweit werden dieses Jahr demnach 42,4 Millionen Tonnen Getreide geerntet, rund eine Million Tonnen (etwa zwei Prozent) weniger als im Vorjahr und 4,7 Prozent als das Mittel der letzten fünf Jahre.
Auch die Qualität leidet bei Regen
Die vielen Niederschläge erschwerten aber nicht nur die Arbeit, sondern haben weitere negative Auswirkungen. „Wir haben kaum irgendwas trocken vom Land bekommen“, erklärt Noosten. „Das bedeutet am Ende dann extra Kosten, weil das Getreide getrocknet werden muss.“ Diese können sich auf bis zu zehn Euro pro Tonne summieren.
Das Getreide ist 2021 zudem qualitativ auch nicht auf hohem Niveau, bestätigt Hilko Kroon, Getreidehändler des Agrar-Dienstleisters Agravis am Standort Hage: „In diesem Jahr liegt die Qualität in einem Bereich, der gerade noch so im akzeptablen Rahmen liegt.“ Schuld daran sei in jedem Fall das wechselhafte Wetter. „Jeder Regenschauer wäscht am Ende Qualität weg, weil Hektolitergewicht beim Getreide verloren geht“, so Kroon.
Schlechte Jahre gehören mit dazu
Bei aller Unzufriedenheit gehören weniger ertragreiche Jahre aber zum normalen Rhythmus, findet Carl Noosten. „Trotz der hohen Technisierung, die wir in der Landwirtschaft erleben, sind uns einfach Grenzen gesetzt. Irgendwann geht einfach nicht noch mehr.“ So sei es mit viel Aufwand etwa möglich, etwa auch feuchtes Stroh einzufahren, zu trocknen und zu pressen. „Am Ende schimmelt das aber doch wieder. Und wenn ich zu oft bei Regen rausfahre, mache ich mir das Land auch kaputt“, so Noosten.
Langfristig wird sich die Landwirtschaft zudem auch mit dem Klimawandel auseinandersetzen müssen, wird er vom Deutschen Bauernverband bestätigt: „Die diesjährige Getreideernte fällt insgesamt zum wiederholten Male unterdurchschnittlich aus. Zahlreiche Hagel- und Starkregenereignisse haben uns gezeigt, dass die Landwirte die Auswirkungen des Klimawandels direkt zu spüren bekommen“, sagt Präsident Rukwied.
