Norden - Sobald das Wetter ein bisschen beständig ist, geht es für die meisten Landwirte in Norden und dem Altkreis aktuell auf die Felder. Während die Wintergerste Ende Juli geerntet wurde und große Teile des Rapses inzwischen im Trockenen liegen, hat die Weizenernte gerade erst begonnen. Aussagen zur Qualität des Korns sind für Carl Noosten, Vorsitzender des Kreisverbands Norden beim Landwirtschaftlichen Hauptverein (LHV), daher noch etwas schwierig. „Der Gesamtertrag ist aber zufriedenstellend“, wagt der Dornumer Landwirt eine vorsichtige Prognose.
Schon jetzt ist für den Bauern klar, dass es in diesem Jahr keine Toperträge geben wird. Schuld daran ist das Wetter. Entscheidend für den Ackerbau ist zwar der Herbst, in dem die Felder bestellt werden, doch auch die Witterung in der Folge ist entscheidend. Und die war bis zum Frühjahr auch noch in Ordnung. „Es ist uns nichts abgesoffen, im Winter verfroren und im Frühjahr vertrocknet“, sagt Noosten. Auf einen warmen März folgte allerdings ein zu kaltes Frühjahr. „Ich gehe davon aus, dass das Gewicht des Weizens in diesem Jahr geringer sein wird, weil es sehr kleine Körner sind.“
Da bislang aber gerade einmal ein Drittel des Weizens gedroschen sei, bleibe es spannend – auch vor dem Hintergrund der aktuellen Preisentwicklung. Dabei ist die hiesige Landwirtschaft vom Weltmarkt abhängig, und der wurde zuletzt von der Hitzewelle in Kanada und den erhöhten Ausfuhrzöllen für Getreide in Russland beeinflusst. „Der Weizenpreis ist in diesem Jahr höher“, sagte Noosten, der trotz eines geringeren Ertrags in der Summe von einem guten Gesamtergebnis für die Norder Landwirte ausgeht.
Was den Bauern deutlich mehr Ärger bereitet als das Wetter, sei der Gesetzgeber. „Am Wetter kann man nichts machen“, so Noosten. Die Vorgaben der Politik seien hingegen schon etwas, bei dem man mitreden müsse. Die Erlaubnis für den Einsatz bestimmter Pflanzenschutzmittel läuft aus „und es wird dafür auch keinen Ersatz geben“, bedauert Noosten. Aus seiner Sicht ist es daher wichtig, dass sich die Landwirte einbringen, um künftig nicht noch mehr Auflagen gegenüber zu stehen.
Doch nicht nur die Politik sieht Noosten in der Pflicht, mit Umsicht vorzugehen: Ähnliches gilt aktuell auch für Autofahrer auf Ostfrieslands Straßen. Viele zeigten zwar Verständnis für die Erntefahrzeuge, Noosten kennt aber auch aggressive Fahrer, die zu dicht auffahren und gefährliche Überholmanöver wagen. Dabei bergen gerade die sehr breiten Mähdrescher Unfallgefahren, weil sie nach hinten ausschwenken. „Das ist vielen gar nicht klar“, so Noosten.
Der Landwirt hofft nun, bis zum nächsten Regen – der ist für Sonntag angekündigt –, gut mit der Weizenernte voranzukommen. Schluss ist dann allerdings noch nicht: Was folgt, sind Sommergerste, Hafer, Ackerbohne und Mais.
